Messtechnik kann noch mehr

Abbildung von Bearbeitungszentren

Ein Blick in die Fertigung bei Hawe in München: Zehn Bearbeitungszentren sind zu einem flexiblen Fertigungssystem zusammengefasst. (Quelle: Martin Witzsch)

Abbildung von Robert Holl und Alexander Wagenhuber

Robert Holl (links) und Alexander Wagenhuber begutachten die Messtechnik für die Einspeisung. (Quelle: Martin Witzsch)

Abbildung von Robert Holl und Alexander Wagenhuber

Robert Holl (links) und Alexander Wagenhuber verschaffen sich einen Anlagenüberblick über das GridVis-Dashboard. (Quelle: Martin Witzsch)

Alexander Wagenhuber vom technischen Vertriebsaußendienst bei Janitza bringt einen weiteren Aspekt ein: „Über die GridVis Expert betrachten wir hier nicht nur die Verbräuche, sondern auch die Netzqualität. Es gab bei Hawe schon einmal Situationen, die man bei dem Neubau von vornherein vermeiden wollte. In der Einspeisung sind hierfür UMG 512-PRO und UMG 509-PRO verbaut.“ In der Tat profitieren auch die Haus- und Betriebstechnik bei Hawe von der Messtechnik. Die ständige Überwachung stellt die Hochverfügbarkeit der Energieversorgung sicher. Ebenso lässt sich erkennen, ob Transformatoren, Leitungen oder Leistungsschalter über längere Zeit an der Leistungsgrenze betrieben werden. R. Holl ergänzt: „Bei einer Störung ist man froh, dass man die Messgeräte hat. Wir hatten vor Kurzem Probleme mit dem Volumenstrom in einer Kälteleitung im Werk Sachsenkram. Da haben wir uns mit der Visualisierungssoftware GridVis Expert aus der Ferne einfach schnell ein Dashboard gebastelt, um den Verlauf des Volumenstroms sichtbar zu machen.“ Danach ließ sich der Fehler rasch eingrenzen: Die Maschine am Ende des Strangs bekam zu wenig Wasser. Noch einmal R. Holl: „Ein Dashboard zu bauen, ist so einfach wie PowerPoint. Man muss es nur ausprobieren und kann sich selbst alles beibringen. Jeder kann Visualisierungen erstellen, aber auch attraktivere oder komplexere Darstellungen sind möglich.“

Sicherer und schneller: Messgeräte überwachen auch Fehlerströme

Der Energy-Fachmann spricht einen weiteren Vorteil an: „Bei jeder Maschine, die wir mit Messtechnik ausgestattet haben, sparen wir uns zukünftig die vorgeschriebene manuelle Isolationsprüfung, denn die Geräte überwachen den Isolationswiderstand kontinuierlich.“ Viele Janitza-Messgeräte bieten standardmäßig die RCM-Messung an. So lassen sich schleichend auftretende Isolationsfehler frühzeitig erkennen und ungeplante Anlagenstillstände vermeiden. A. Wagenhuber ergänzt: „Eine wirklich korrekte Messung nach DGUV 3 ist ohnehin schwer möglich, da man eigentlich jede Zuleitung nach der Sicherung prüfen müsste. Dort würde aber die Prüfspannung empfindliche Geräte zerstören. Das geht nur mit Punkt-zu-Punkt-Prüfung von Leitungen zu Steuerungen oder einem Monitor. Das ist in der Praxis kaum umzusetzen.“

Die Zwischenbilanz stimmt optimistisch

„Mit Blick auf die Kostenbilanz trägt sich das Energiemanagementsystem und die daraus abgeleitete Maßnahmen selbst. Durch die einfache Visualisierung sieht man sofort, wo Energie verschwendet wird oder ob Anomalien auftreten“, sagt R. Holl. Entscheidungen lassen sich jetzt einfacher treffen, da die Fakten vorhanden sind, vor allem aber leicht überschaubar und übersichtlich dargestellt werden. So zeigt beispielsweise die visualisierte Heatmap einer Werkzeugmaschine mit nur drei Farben, was im Betrieb passiert: Grün für „kein Verbrauch“, Rot für „Produktion“. Besonders relevant ist der Stand-by-Verbrauch in Orange. R. Holl erklärt: „Aus energetischer Sicht sind die Zeiten, in der eine Werkzeugmaschine nicht produziert, aber trotzdem Energie verbraucht, sehr interessant. Messungen haben gezeigt, dass eine spezielle Maschine teilweise mehrere Stunden im Stand-by läuft und einen durchschnittlichen elektrischen Leistungsbezug von 13 kW aufweist. Diese hohen Energieverbräuche und damit auch Kosten in der nicht wertschöpfenden Zeit wurden bisher unterschätzt. Berechnungen haben schnell ergeben, ab welchem Zeitpunkt es Sinn macht, die Maschine nicht in diesem Betriebszustand laufen zu lassen.“

Inzwischen haben auch die Fertigungsplaner Zugriff auf die Visualisierung. Sie denken darüber nach, die Dashboards auch an der Maschine anzuzeigen, um die Bediener besser zu informieren. Sie sind von sich aus bereits daran interessiert, den Betrieb effizient zu gestalten. An der Maschine können sie bisher aber nicht erkennen, wie viel Energie gerade verbraucht wird. Wenn dort zukünftig neben dem Verbrauch auch die Kosten angezeigt werden, wird dies das Bewusstsein der Belegschaft noch einmal zusätzlich schärfen und so den wirtschaftlichen und politischen Forderungen nach einem ressourcenschonenden Betrieb noch besser nachzukommen. Damit passt das Energiemanagement mit Janitza auch perfekt zum Firmenmotto von Hawe: „Solutions for a World under Pressure“.

Martin Witzsch freier Journalist im Auftrag der Janitza Electronics GmbH
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