v.l.: Während einer Online-Medienkonferenz gaben Klaus Endress, Matthias Altendorf und Dr. Luc Schultheiss Einblicke in die Zahlen und Strategie der Endrees+Hauser-Gruppe

"Die Pandemie hat unsere Kunden und uns vor große Herausforderungen gestellt", sagte CEO Matthias Altendorf auf der Bilanzmedienkonferenz. Dabei sei es Endress+Hauser gelungen, die Gesundheit der Menschen zu schützen und die Kunden weiter gut zu unterstützen. „Wir haben in der Pandemie geholfen, wichtige Bereiche unseres täglichen Lebens am Laufen zu halten. Unsere Arbeit ist wichtig für unsere Kunden und für die Gesellschaft“, sagt er konkret. So werden Endress+Hauser-Produkte unter anderem eingesetzt, um Impfstoffe herzustellen; die Tochter Analytik Jena liefert PCR-Technologie zum Nachweis des Coronavirus.

M. Altendorf stellte zudem die wichtige Rolle der Digitalisierung heraus, die in der Pandemie an Fahrt aufgenommen hätte. "Wir werden die Digitalisierung in Produkten und Kollaboration mit Kunden sowie allen internen Prozessen weiter vorantreiben", erklärte er. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass Kunden alltägliche Transaktionen über die Endress+Hauser-Webseite abwickeln können. "Die Zahl der registrierten Nutzer der Plattform verdoppelte sich, das Online-Geschäft wuchs um 39 %", gab er an. Zudem stellte er die Visual Support App heraus, die den Servicetechniker bei Bedarf virtuell auf die Anlagen der Kunden bringt. "Selbst Werksabnahmen finden inzwischen videounterstützt aus der Ferne statt", erklärt er weiter.

Zum Stand der Digitalisierung beim Kunden und im eigenen Haus bzw. den eigenen Produkten zeigte er sich mit dem bislang Erreichten zufrieden. Er verwies auf die Erfolge mit dem Netilion-Ökosystem und auf die Bedeutung offener Standards. "Wir stehen gut da und sind auch gut unterwegs. Es wird sicherlich noch eine längere Reise sein, bis dies alles bei Kunden angekommen ist", sagte er konkret.

Die Zahlen im Detail

Im Weiteren ging Finanzchef Dr. Luc Schultheiss näher auf die Zahlen ein. Er stellte heraus, dass der Gruppenumsatz von 2,577 Mrd. € stark durch die Entwicklung der Wechselkurse beeinflusst worden sei. "Außer dem Schweizer Franken werteten alle maßgeblichen Währungen gegenüber dem Euro ab. Ohne diese Einflüsse hätte Endress+Hauser fast den Vorjahresumsatz erreicht. In lokalen Währungen liegen wir über dem Durchschnitt der Branche und haben uns im Markt gut behauptet“, sagte er.

Einzelne Regionen, Branchen und Segmente entwickelten sich seiner Aussage nach unterschiedlich. Von den drei umsatzstärksten Ländern sei nur China gewachsen und für Endress+Hauser nun der größte Einzelmarkt. In Deutschland und den USA seien dagegen die Verkäufe zurückgegangen. "Im Gegensatz zur Prozessmesstechnik verzeichnete die Laborinstrumentierung ein kräftiges Plus. Zyklische Branchen litten in der Krise, azyklische blieben stabil", sagte Dr. L. Schultheiss und M. Altendorf bilanzierte: "Die breite Abstützung im Markt hat uns geholfen.“

Die Ertragskraft von Endress+Hauser litt nicht im vergangenen Jahr: Auf der Kostenseite wirkten sich 2020 die Wechselkurse positiv aus, etwa beim Materialaufwand. Weil viele geschäftliche Reisen und Aktivitäten ausfielen, sank der betriebliche Aufwand. Die Lohnkosten wuchsen unterdurchschnittlich. Insgesamt verringerte sich das Betriebsergebnis (Ebit) nur um 1,9 % auf 337,1 Mio. €.

Weil sich das Finanzergebnis etwas verschlechterte, ging das Ergebnis vor Steuern (EBT) 2020 um 2,7 % auf 337,6 Mio. € zurück. Die Umsatzrendite (ROS) blieb unverändert bei 13,1 %. Das Ergebnis nach Steuern sank aufgrund höherer Abgaben um 4,1 % auf 254,9 Mio. €. Die Firmengruppe ist praktisch frei von Bankschulden. Die Eigenkapitalquote stieg um 1,4 Punkte auf jetzt 77 %. Finanzchef Dr. L. Schultheiss sprach von einer „gesunden finanziellen Situation“.

Guter Zusammenhalt in der Krise

„Die Gesellschafterfamilie ist froh und stolz, dass Endress+Hauser so gut durch dieses schwierige Jahr gekommen ist“, sagte Verwaltungsratspräsident Dr. h.c. Klaus Endress. Das Unternehmen hatte zu Beginn der Pandemie angekündigt, Kurzarbeit möglichst zu vermeiden und keine Mitarbeitenden aufgrund der Krise zu entlassen. Für den Verwaltungsratspräsidenten war dies ein wichtiges Zeichen. "In der Finanzkrise 2008/09 haben wir den Umgang mit Krisen gelernt: Chancen ergreifen, die sich in der Krise ergeben und  den Bedarf der Kunden erkennen flexibel reagieren", gab er als wichtige Aspekte an. Weiter sagte er: "Dazu müssen die Mitarbeitenden den Kopf frei haben, um  kreative Entscheidungen treffen zu können. Wir müssen ihnen Sicherheit und Halt geben. Es war uns wichtig, Entlassungen und Kurzarbeit zu vermieden. Wir halten zusammen und bekommen das hin – gemeinsam. Mit tollen Mitarbeitenden kommt man durch die Krise", erklärte K. Endress und verwies auf die Solidarität im Unternehmen, die spürbar sei.

Die Zahl der Mitarbeitenden wuchs 2020 um 126 auf weltweit 14.454. Praktisch alle Auszubildenden wurden übernommen. Den Anteil der Frauen in Führungspositionen will Endress+Hauser bis 2030 von aktuell rund 15 % auf rund 30 % ausbauen. Das Unternehmen hatte seinen ökologischen Fußabdruck bereits in den vergangenen Jahren verkleinert. Im Pandemie-Jahr sank der Kohlendioxid-Ausstoß weiter von 10,1 t auf 8,9 t je Million Euro Umsatz.

Investitionen und Innovationen

Endress+Hauser trieb 2020 große Investitionsvorhaben voran. 205,9 Mio. € (10,9 % weniger als im Vorjahr) flossen vor allem in die Produktion. Die beiden größten Projekte betreffen den Ausbau der Werke im deutschen Maulburg und im schweizerischen Reinach. Erweitert werden auch die Standorte Gerlingen und Waldheim/Sachsen in Deutschland sowie Aurangabad in Indien. Die Vertriebsgesellschaften in Kanada und Mexiko errichten ebenfalls neue Gebäude.

195,1 Mio. € gab das Unternehmen für Forschung und Entwicklung aus, das sind 7,6 % des Umsatzes. 276 Erfindungen meldete Endress+Hauser erstmals zum Patent an, 42 weniger als 2019. Für den CEO zeigt sich hier der Nachteil des Homeoffice: „Die Menschen sind kreativer, wenn sie sich gegenseitig inspirieren und kollaborativ nach Lösungen suchen.“ Die Innovationskraft der Gruppe ist jedoch intakt: 40 Produkte kamen 2020 neu auf den Markt; im laufenden Jahr sollen es 74 sein.

Guter Start ins laufende Jahr

2021 möchte Endress+Hauser im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Wie M. Altendorf berichtete, startete das Unternehmen mit Schwung ins laufende Jahr. "In den ersten drei Monaten lag der Auftragseingang über unseren Zielen wie auch über dem noch starken ersten Quartal des Vorjahres", erklärte er. Allerdings würden die Wechselkurse wiederum den konsolidierten Umsatz belasten. "Dazu erwartet das Unternehmen eine niedrigere Profitabilität, da viele Einsparungen des Jahres 2020 einmalig waren", gab er weiter an.

„Die Aussichten sind weiter von Unsicherheit geprägt“, fasste der Firmenchef zusammen. Neben weiteren Pandemiewellen und neuen Virusvarianten bereite die Lieferkette der gesamten Industrie weiterhin Sorgen. Endress+Hauser erhöht deshalb die Vorräte und stärkt das Lieferantennetzwerk. In China und Deutschland seien zudem neue, leistungsfähige Logistikzentren in Betrieb genommen worden.

Endress+Hauser (ih)

Ähnliche Beiträge