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Digitalisierung sorgt für Energieeffizienz (Quelle: Bosch)

„Das erfolgreiche Geschäftsjahr 2021 gibt uns Zuversicht, auch das anspruchsvolle Umfeld des laufenden Jahres zu bewältigen“, sagte Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, anlässlich der Vorlage der Jahresbilanz. 

Zu den erheblichen Unsicherheiten zählt Bosch den Krieg in der Ukraine mit allen Auswirkungen. „Wo Menschen ums Überleben kämpfen, fühlen und bangen wir mit ihnen“, so der Bosch-Chef. Krieg sei kein Mittel zur Lösung politischer Konflikte. Die aktuelle Situation verdeutlicht laut Dr. S. Hartung den Handlungsdruck auf Politik und Gesellschaft, unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden und die Erschließung neuer Energien mit Nachdruck anzugehen. Deshalb setze die Bosch-Gruppe trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds ihre Anstrengungen für den Klimaschutz konsequent fort. Der Bosch-Chef gab dazu Investitionen in klimaneutrale Technik wie Elektrifizierung und Wasserstoff in Höhe von gut 3 Mrd. € über drei Jahre bekannt. 

Klimaneutralität nimmt Fahrt auf

Dr. S. Hartung sieht als Auswirkung des Krieges auf den Klimaschutz kurzfristig eine verlangsamte Reduktion des CO2-Ausstoßes, langfristig aber vor allem in Europa eine beschleunigte technologische Transformation. „Für die Politik kann dies der Anlass zu mehr Entschlossenheit sein – sei es in der Förderung der energetischen Gebäudesanierung, sei es im massiven Ausbau der regenerativen Stromerzeugung“, so Dr. S. Hartung. Unter der Voraussetzung von Grünstrom ist für den Bosch-Vorsitzenden die Elektrifizierung der schnellste Weg in ein klimaneutrales Leben. Bosch treibe dazu die nachhaltige Mobilität voran: 2021 lag das Auftragsvolumen für Elektromobilität bei Bosch erstmals über 10 Mrd. €. Dr. S. Hartung betonte aber, dass auch Wasserstoff gebraucht wird. „Aufgabe der Industriepolitik sollte es sein, alle Wirtschaftssektoren auf die Wasserstoff-Nutzung vorzubereiten“, forderte er.

"Strombasierte Lösungen haben Vorfahrt, aber wasserstoffbasierte Lösungen müssen gleichzeitig mehr Fahrt aufnehmen. Beides wird gebraucht – für das nachhaltige Leben auf dem blauen Planeten.“ Gleichzeitig kündigte der Bosch-Chef an, in den nächsten drei Jahren nochmals 10 Mrd. € für die Digitalisierung des Geschäfts zu investieren. „Gerade auch die Digitalisierung kann einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten – hier setzen wir mit unseren Lösungen an“, so Dr. S. Hartung. Beispiele aus dem Bosch-Produktportfolio sind der Energiemanager im Smart Home oder auch die Energy Plattform in der vernetzten Produktion. 

Einstieg in Wasserstoff-Elektrolyse-Markt 

Für einen wirksamen Klimaschutz steigt Bosch ins Komponenten-Geschäft für die Wasserstoff-Elektrolyse ein. Bis Ende des Jahrzehnts will Bosch nahezu 500 Mio. € in das neue Geschäftsfeld investieren – die Hälfte davon bis zur Markteinführung, die bereits für 2025 geplant ist. „Für die Entwicklung von Wasserstoff-Technologien sind wir breit aufgestellt und wollen die Wasserstoff-Produktion in Europa voranbringen“, kündigte Bosch-Chef Dr. S. Hartung an. „Für den Elektrolyseur-Komponentenmarkt erwarten wir 2030 weltweit ein Volumen von rund 14 Mrd. €.“ Mit dem Stack wird Bosch das Kernstück der Wasserstoff-Elektrolyse liefern, kombiniert mit Leistungselektronik, Sensoren und Steuergerät zu einem Smart Module. Die Stacks für die H2-Produktion sollen bereits 2025 in Serie gehen. 

Bosch unterstützt den Green Deal der Europäischen Union und sieht sich der Nachhaltigkeit besonders verpflichtet: Bereits seit 2020 ist Bosch mit seinen weltweit 400 Standorten klimaneutral und kommt bei der Qualität seiner CO2-Neutralstellung deutlich schneller voran als geplant. Bosch konnte bereits ein Drittel der Energieeinsparung realisieren, die sich das Unternehmen bis Ende der Dekade vorgenommen hat.

Industrietechnik: Digitalisierung sorgt für Energieeffizienz 

In der industriellen Produktion forciert Bosch die Energie- und Kosteneffizienz in den Fabriken. „Die Digitalisierung in der Industrieproduktion leistet einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagte Rolf Najork, für die Industrietechnik verantwortlicher Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. „Allein über das vernetzte Energiemanagement senken wir den jährlichen Energieverbrauch unserer Produktion im Schnitt um 5 %.“ Die Energy Plattform aus dem Industrie-4.0-Portfolio ist nach Unternehmensangaben bereits in 80 Kundenprojekten und an 120 Bosch-Standorten im Einsatz. Zugleich setze die Bosch-Gruppe in der Industrietechnik auf Elektrifizierung, so R. Najork weiter. 2030 werden voraussichtlich 30 % der mobilen Arbeitsmaschinen elektrifiziert sein. Dies entspricht einem zusätzlichen Marktvolumen von 1,5 Mrd. € für Hochvolt-Antriebe. Über die Industrietechnik will Bosch auch das elektrische Fahren weiter voranbringen. „In einem Projekthaus mit VW arbeiten wir an der Gründung eines Unternehmens, das Batteriezellfabriken in Europa ausrüsten soll“, erläuterte R. Najork. „Unser gemeinsames Ziel: die Kosten- und Technologieführerschaft bei der Industrialisierung der Batterieproduktion einnehmen.“ Bei der Produktionstechnik für Batteriezellen erwarten Experten weltweit ein kumuliertes Marktvolumen von 50 Mrd. € bis 2030.

Verkehrswende: Elektrifizierung mit Batterie- und Brennstoffzellenantrieb 

Mit dem Green Deal der EU erwartet Bosch den entscheidenden Schub für die Elektrifizierung des Straßenverkehrs. „Alle Automobilhersteller sind bestrebt, sich möglichst hohe Anteile am wachsenden Elektrofahrzeug-Markt zu sichern“, erklärte Dr. Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. „Bosch versteht sich als Zulieferer Nummer eins für den elektrischen Antrieb auf der Straße.“ Eine zentrale technische Aufgabe sei es, den Antrieb inklusive Batterie in der richtigen Temperatur zu halten und den nötigen Klimakomfort in der Kabine bereitzustellen – allein das intelligente Thermomanagement steigere die Reichweite des elektrischen Fahrens um 25 Prozent. Dazu hat Bosch mit der Flexible Thermal Unit, kurz FTU, eine vorintegrierte Lösung entwickelt. Mit der FTU erschließt sich Bosch nach eigenen Angaben einen Markt, der gegen Ende der Dekade ein Volumen von 3,5 Mrd. € erreichen soll. Für die Elektromobilität auf Basis der Brennstoffzelle startet Bosch in diesem Jahr seine Serienproduktion für den Brennstoffzellen-Antrieb im Lkw. „Am Standort Bamberg wollen wir bis Mitte der Dekade Stacks mit einem Gigawatt Leistung produziert haben“, blickt Dr. M. Heyn in die Zukunft. „2030 soll der Betrieb eines Brennstoffzellen-Trucks nicht mehr kosten als ein Diesel – das ist unser Ziel.“ Seine Investitionen für die mobile Brennstoffzelle hat Bosch nochmal gesteigert – auf nahezu 1 Mrd. € zwischen 2021 und 2024.

Entwicklung der Unternehmensbereiche 

Zum erfreulichen Geschäftsverlauf haben alle Unternehmensbereiche beigetragen. Ein Umsatzplus von 7,6 % auf 45,3 Mrd. € verzeichnete der umsatzstärkste Unternehmensbereich Mobility Solutions. Wechselkursbereinigt ist das ein Anstieg von 7,9 %. Nach dem Verlust im Vorjahr erzielte der Bereich ein leicht positives Ergebnis mit einer operativen EBIT-Rendite von 0,7 %. „Mobility Solutions ist besonders durch die Lieferengpässe bei Halbleitern belastet und muss sich auf tiefgreifende Veränderungen in der Mobilität einstellen“, erläuterte Dr. M. Forschner. „Gleichzeitig erbringt der Bereich hohe Vorleistungen für Elektromobilität sowie automatisiertes Fahren und musste bereits deutlich gestiegene Rohstoff- und Logistikkosten schultern.“

Der Unternehmensbereich Industrial Technology profitierte laut dem Finanzchef von der Erholung wichtiger Maschinenbaumärkte und erreichte ein Umsatzwachstum von 18,9 % auf 6,1 Mrd. €. Wechselkursbereinigt ist das ein Anstieg von 19,4 %. Die EBIT-Rendite lag bei 8,4 %. Der Unternehmensbereich Consumer Goods konnte gegenüber dem bereits starken Vorjahr seinen Umsatz nochmals um 12,7 % auf 21 Mrd. € erhöhen, wechselkursbereinigt ein Plus von 14,4 %. Mit 10,2 % erreichte der Bereich erneut eine zweistellige operative EBIT-Rendite. Der Unternehmensbereich Energy and Building Technology erwirtschaftete ein Umsatzplus von 7,8 % , wechselkursbereinigt von 8,8 %. Die verbesserte EBIT-Rendite betrug 5,1 % bei einem Gesamtumsatz von 5,9 Mrd. €. Dr. M. Forschner sagte: „Zum Erfolg hat unsere klimafreundliche Heiztechnik wesentlich beigetragen.“ 

Entwicklung in den Regionen

Die Bosch-Gruppe verzeichnete in allen Regionen einen Anstieg der Erlöse. In Europa erreichte der Umsatz 41,3 Mrd. € und lag damit 8,9 % über Vorjahr. Wechselkursbereinigt sind das 10 %. In Nordamerika stiegen die Erlöse um 6,5 % auf 11,4 Mrd. €, wechselkursbereinigt um 9,3 %. In Südamerika lag der Umsatz bei 1,4 Mrd. €. Der Umsatz stieg um 32 %, wechselkursbereinigt sogar um 45,1 %. In Asien-Pazifik einschließlich übriger Regionen erreichte der Umsatz 24,5 Mrd. €. Das ist ein Anstieg von 13,1 %, wechselkursbereinigt von 11,7 %. 

Mitarbeiterentwicklung

In der Bosch-Gruppe waren zum Stichtag 31.12.2021 weltweit 402.614 Menschen beschäftigt – 7.580 mehr als im Vorjahr. Der Aufbau erfolgte in allen drei Regionen Europa, Amerika und Asien. In Deutschland blieb die Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit 131.652 stabil. In Forschung und Entwicklung erhöhte sich die Anzahl der Beschäftigten um 2.949 auf 76.121.

Ausblick 2022

Die Bosch-Gruppe steigerte im ersten Quartal ihren Umsatz um 5,2 %. „Wir sind solide in das Jahr 2022 gestartet und gehen bislang davon aus, dass wir die im Geschäftsbericht prognostizierte Umsatzsteigerung von 6 % übertreffen werden“, sagte Dr. Markus Forschner, Geschäftsführer und Finanzchef der Robert Bosch GmbH. „Eine genauere Einschätzung für das laufende Gesamtjahr bleibt angesichts der beträchtlichen Unsicherheiten jedoch schwierig.“ Das Ziel einer EBIT-Rendite auf Vorjahresniveau wird das Unternehmen nach Aussagen des Finanzchefs trotz eines voraussichtlichen Umsatzanstiegs nicht ganz erreichen – sie dürfte im Korridor von 3 % bis 4 % liegen. „Vor allem durch Kostensteigerungen bei Energie, Material und Logistik wächst die Belastung für unser Ergebnis erheblich.“ Gerade im Unternehmensbereich Mobility Solutions sei der aktuelle Kostendruck sehr hoch – die Preise für bestimmte Rohstoffe hätten sich seit 2020 etwa verdreifacht: „Wir müssen uns auf anhaltend hohe Preise und sehr volatile Märkte einstellen“, so Dr. M. Forschner. „Nicht nur die Automobilhersteller, auch die Zulieferer sind darauf angewiesen, Preissteigerungen weiterzugeben.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage hat Bosch seine konjunkturellen Erwartungen überarbeitet. Für die Weltwirtschaft erwartet das Unternehmen im laufenden Jahr ein Wachstum von knapp 3½ % – zu Jahresbeginn waren es noch rund 4 %. Auch die bisherige Prognose des Unternehmens für die Automobilproduktion von rund 88 Mio. Fahrzeugen und der erwarteten Steigerung um 9 % gegenüber dem Vorjahr werde voraussichtlich nicht zu halten sein. Als Gründe sieht Forschner die erneuten Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie in China und die anhaltenden Halbleiterengpässe. Insgesamt bleibt der Finanzchef jedoch zuversichtlich: „Bosch wird auch diese schwierige Phase meistern. Wichtig sind zukunftsweisende Produkte sowie eine klare langfristige und strategische Ausrichtung – beides haben wir.“

Bosch (ih)

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