Die zweite Ausgabe der Deutschen Normungsroadmap KI hat den Bedarf an Normen und Standards für KI ermittelt und bildete den Auftakt für die Umsetzung. (Quelle: DIN)
Vernetzte Maschinen, intelligente Systeme und automatisierte Prozesse sind relevant für die Industrie 4.0. Und künstliche Intelligenz (KI) bringt zusätzliches Potenzial ins Spiel: KI ermöglicht nicht nur die Analyse großer Datenmengen in Echtzeit, sondern unterstützt auch bei vorausschauender Wartung, beim Optimieren von Produktionsabläufen und bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Doch damit die Implementierung von KI-Lösungen in der Industrie reibungslos funktioniert, sind Standards und Normen unerlässlich. Sie schaffen eine gemeinsame Basis, auf der Technologien kompatibel integriert werden können. Gleichzeitig erhöhen sie das Vertrauen in KI-Anwendungen, indem sie klare Anforderungen an Transparenz, Sicherheit und Qualität festlegen.
In der KI-Anwendung noch Luft nach oben
Dass künstliche Intelligenz in der hiesigen Wirtschaft eine zunehmend bedeutsame Rolle spielt, lässt nicht zuletzt eine Studie des Digitalverbands Bitkom vermuten: Der im Oktober 2024 veröffentlichten repräsentativen Erhebung zufolge beschäftigt sich bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland mit KI. Tatsache ist aber auch, dass bislang nur jeder vierte bis fünfte Betrieb KI bereits anwendet. Das hat wiederum eine im März 2025 veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gezeigt, die der Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft in Auftrag gegeben hatte. Um den KI-Einsatz zu fördern, müssen deshalb auch die Rahmenbedingungen passen: So empfehlen die Autorinnen und Autoren des IW unter anderem, die deutsche Umsetzung des Artificial Intelligence Acts (AI Act) der Europäischen Kommission voranzutreiben. Normen und Standards unterstützen dabei, sie legen als Bausteine für die europäische KI-Regulierung die Basis für eine sichere und vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz.
Im Einklang mit europäischen Werten
Als erste umfassende Verordnung der EU zur Regulierung künstlicher Intelligenz soll der AI Act sicherstellen, dass KI-Systeme innerhalb Europas verantwortungsvoll, sicher und im Einklang mit europäischen Werten eingesetzt werden. Dabei kommt Normen im Bereich der Hochrisiko-KI-Anwendungen eine zentrale Bedeutung zu. So sollen Anforderungen an KI-Systeme, etwa an Transparenz, Robustheit und Genauigkeit, durch harmonisierte Europäische Normen technisch konkretisiert werden. Diese technischen Normen für KI-Systeme müssen im Sinne des AI Acts entwickelt werden – diesen Auftrag haben die europäischen und nationalen Normungsorganisationen wie das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) erhalten.
Projekte gemäß Fahrplan
Die deutsche Normungsroadmap künstliche Intelligenz hatte ermittelt, welche Normen und Standards für den KI-Bereich erforderlich sind. Mehr als 570 Expertinnen und Experten hatten den Fahrplan für die KI-Normung erstellt, zwei Ausgaben wurden veröffentlicht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat die Umsetzung finanziert, die Roadmap ist Teil der KI-Strategie der Bundesregierung. Mit der Roadmap wurden konkrete Bedarfe für Normen und Standards identifiziert, die auf den Artificial Intelligence Acts der Europäischen Kommission einzahlen. Eine hochrangige KI-Koordinierungsgruppe mit führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft hatte die Umsetzung der Empfehlungen aus der Normungsroadmap KI in die Wege geleitet. Ende 2024 hat die Gruppe ihre Tätigkeit beendet – denn die Umsetzung der Empfehlungen aus der Roadmap ist in vollem Gange.
Mehr als die Hälfte der Normungsprojekte umgesetzt
Welche KI-Normungsprojekte sind abgeschlossen, wie viele sind in Arbeit? Und was ist noch zu erledigen? Antworten liefert ein Blick auf den Status Quo der KI-Normung.