IT trifft OT – zwei Welten, ein Ziel
Letztgenanntes Beispiel veranschaulicht aucht: Eine der größten Herausforderungen bleibt die Konvergenz von IT und OT. „In der IT sind Prozesse klar definiert, in der OT-Welt gibt es noch viel zu tun“, erklärt T. Bieber. „Oft wissen Unternehmen gar nicht, welche Geräte im Netzwerk hängen – das ist die Basis für jede Schutzstrategie.“
Softing liefert hier praxisnahe Werkzeuge: „Mit unserem plant-Perfect Monitor bieten wir ein Tool zur Zustands- und Anlagenüberwachung industrieller Kommunikationsnetzwerke. Damit lassen sich Netzwerke transparent überwachen, Firmware-Versionen erfassen und Risiken früh erkennen“, sagt T. Rummel. Inventarisierung, Firmware-Management und Segmentierung nennt er als Basisschritte in Richtung Sicherheit.
Für Bosch Rexroth ist sein offenes Betriebssystem ctrlX OS ein zentraler Baustein, um Security modular und skalierbar umzusetzen. „Unsere Kunden können auf dieser sicheren Basis SecurityApps gezielt einsetzen – vom sicheren Fernzugriff über Firewall bis zum Security Scanner“, so M. Langfinger.
KI – Werkzeug und Bedrohung zugleich
Zu den aktuell übergreifend am meisten diskutierten Themen zählt sicherlich KI. Wie lautet die Einschätzung der Experten zum KI-Einsatz beim Thema Security?
„Ich bin normalerweise eher KI-skeptisch“, sagt M. Langfinger, „aber im Security-Bereich sehe ich viele positive Ansätze: etwa bei der Anomalieerkennung, beim Vulnerability-Management oder bei automatisierten Tests.“ Auch T. Rummel hebt die Chancen hervor: „KI hilft unter anderem, ungewöhnliche Netzwerkaktivitäten frühzeitig zu erkennen.“
Als Nachteile nennt T. Bieber: „Angreifer nutzen dieselben Tools. KI senkt die Einstiegshürde für Social Engineering und automatisierte Angriffe. Deshalb müssen wir sie verantwortungsvoll einsetzen und unsere Abwehrmechanismen kontinuierlich weiterentwickeln.“
Stetiger Prozess
Auf die Frage, wie weit ihre Kunden mit der Umsetzung der gesetzlichen Regularien sind, herrscht Einigkeit darüber: Großunternehmen haben meist schon eigene Security-Teams aufgebaut; kleine und mittlere Unternehmen sind vielfach noch in der Findungsphase.
Zur Erinnerung: Der CRA trat im Dezember 2024 in Kraft, mit Übergangsfristen bis Ende 2027. „Das klingt weit weg“, meint T. Rummel, „aber wer jetzt noch nicht angefangen hat, ist spät dran. Die Umsetzung erfordert einen tiefen Eingriff in Prozesse, Produkte und Lieferketten.“ Er verweist darauf, dass Softing schon vor Jahren sichere Entwicklungsprozesse etabliert habe und nach IEC 6244341 zertifiziert ist. „Das schafft Vertrauen bei unseren Kunden und Sicherheit.“
Auch T. Bieber beobachtet, dass die Dringlichkeit noch nicht überall wahrgenommen wird. Deshalb ruft er auf: „Jetzt ist die Zeit, Dokumentation aufzubauen, Schwachstellen zu analysieren und Standards wie die IEC 62443 anzuwenden.“ M. Langfinger ergänzt: „Der CRA ist von Juristen formuliert und muss jetzt von Ingenieuren umgesetzt werden. Es gibt noch offene Punkte. Allerdings helfen uns NIS2 und CRA, Security als festen Bestandteil der Produktentwicklung zu verankern.“
Insgesamt sehen die drei Experten in den Regularien einen Startpunkt, aber nicht das Ziel. M. Langfinger betont: „Security ist ein andauernder Prozess, den alle Unternehmen begleiten müssen. Wichtig ist, dass von Anfang an Update- und Patch-Strategien eingeplant werden.“ T. Bieber rät, schrittweise vorzugehen: „Lieber mit den ‚low hanging fruits‘ beginnen – etwa Update-Fähigkeit schaffen – und dann weitere Schritte gehen.“ Und T. Rummel motiviert: „Es ist noch nicht zu spät, aber man sollte jetzt starten.“ Zudem verweist er auf den Aspekt, sich Beratung ins Haus zu holen.
Als kleine Motivation ergänzt M. Langfinger: „Man sollte die Umsetzung der Securityanforderungen als Challenge betrachten – ein spannendes Thema, mit dem man sich auch positiv im Markt abheben kann.“ Und T. Bieber fügt an: „Wir sitzen alle im selben Boot.“
Fazit
So unterschiedlich die drei Unternehmen sind, die Experten sind sich einig: An Security führt kein Weg vorbei. Die Zeit drängt, aber die Handlungsoptionen sind vielfältig und ebenso das Lösungsangebot. Nun gilt es, mit Zero Trust erfolgreich die Zukunft zu gestalten.
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