igus stellt in diesem Jahr 277 motion-plastics-Innovationen unter dem Motto „Go Zero Lubrication“ vor. (Quelle: igus)
„Natürlich gehen die aktuellen Entwicklungen auch an uns nicht spurlos vorüber“, sagt Tobias Vogel, Geschäftsführer Gleitlager- und Lineartechnik. So hat igus das Jahr 2024 mit einem Umsatz von 1,105 Mrd. € abgeschlossen, was einem Rückgang zum Vorjahr um 2,5 % entspricht. „Wir sehen bei all den Herausforderungen aber auch Chancen“, motiviert T. Vogel. Wichtig ist aus seiner Sicht die Bereitschaft für Veränderung. „Wir alle müssen automatisieren, nachhaltiger, besser und damit wettbewerbsfähiger werden“,unterstreicht er. Parallel stellt er heraus, dass auch bei igus das Thema Kosten ganz oben auf der Agenda stehe. „Dennoch liegt unser Fokus weiterhin auf Innovation.“ So bezeichnet er die aktuellen Herausforderungen als zusätzlichen Motivator, um zu beweisen, dass Innovation Made in Germany eine Riesenchance in der Welt und auf den Märkten sei.
Zur Hannover Messe 2025 geht igus dann auch mit 277 Neuheiten (30 mehr als 2024) an den Start. „Damit senden wir ein wichtiges Signal an die gesamte Wirtschaft: Durch unsere vielen Innovationen konnten wir immer wieder Neukunden hinzugewinnen. Konkret haben wir im letzten Jahr die Anzahl der aktiven Kunden um 5 % gesteigert“, so T. Vogel. Deswegen investiere man weiter, zum Beispiel in den igus Campus in Köln. Hier wird auf rund 218.000 m2 produziert, getestet und geforscht. Mit der neuen 20.000 m2 großen Produktionshalle wächst auch das Testlabor von 4.000 m2 auf knapp 5.500 m2.
Laut Michael Blaas, Geschäftsführer e-kettensysteme, stehen die Kunden bei igus „traditionell seit Jahren als Sonne im Zentrum“. Entsprechend nah möchte man mit seinen Investitionen am Kunden sein. „Deshalb bauen wir international verschiedene Standorte aus. Beispielsweise erweitern wir in Shanghai unsere Produktionsfläche von 25.000 m2 auf 70.000 m2“, so M. Blaas. In Bangalore wurde die Produktionsfläche durch einen neuen 16.000 m2 großen Igus-Campus sogar verdreifacht. In den USA baut man nach dem Spritzguss jetzt auch eine Spindelfertigung vor Ort auf und hat eine eigene RBTX Customer Test Area für Low-Cost-Robotik eröffnet. So haben nun zehn Länder ihre eigenen Customer Test Areas, damit Kunden vor Ort schnell und einfach ihre individuelle Low-Cost-Automatisierungslösung finden. Drei dieser Standorte (USA, China, Brasilien) sollen zu regionalen Hubs ausgebaut werden, sodass auch Produktion und Entwicklung verstärkt lokalisiert werden. In weiteren Ländern, wie Japan, Spanien, Taiwan und Polen, will man ebenfalls in die Erweiterung der Niederlassungen investieren.
Und auch in Deutschland geht es weiter. „Deutschland ist nach wie vor ein super wichtiger Markt für uns. Auch hier setzen wir klar auf die Kundennähe“, sagt M. Blaas. Er verweist auf die Übernahme von elko Verbindungstechnik, mit der igus gezielt Konfektionierungskapazität in Baden-Württemberg aufgebaut habe. Und auch in den Standort Köln wird mit verschiedenen Maßnahmen weiter investiert. Als ein Beispiel nennt er den eigens entwickelten Crimp-Tower. „Das ist eine Automatisierungsinnovation zum schnellen und standardisierten crimpen und um zu skalieren. Sie hilft uns, schneller zu werden - mehr Output innerhalb kürzester Zeit zu erreichen.“ Hinzu kommen weitere Innovations- und Automatisierungsprojekte innerhalb der Fabrik, zum Beispiel der Transport von produzierten Teilen von einem Fabrikgebäude zum nächsten Fabrikgebäude. Das Stichwort hier lautet AGV.
Auf dem Weg zur Klimaneutralität
Das Thema Nachhaltigkeit verfolgen die Kölner seit längerem. „Unser Ziel ist es, bis Ende 2025 klimaneutral zu sein - für Gebäude und die Produktion, gemessen an Scope 1 und 2. Aktuell liegen wir bei 92%“, so M. Blaas. Er verweist auf eine Reihe von Projekten, die bei der Zielerreichung unterstützen. „Beispielsweise errichten wir ein neues Parkhaus mit begrünter Außenfassade. Außerdem modernisieren wir unser Bestandsgebäude, zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen, und weiten unser MHRS-System für das Heizen mit Maschinenabwärme", berichtet M. Blass.
Gleichzeitig will man Kunden nachhaltige Lösungen anbieten. Ein prominentes Beispiel, das für den diesjährigen Hermes Award nominiert ist, dreht sich um das Thema Elektrifizierung von Häfen. „Mit igus Mobile Shore Power Outlet (iMSPO) haben wir eine mobile ,Steckdose‘ für die Landstromversorgung von Container- und Kreuzfahrtschiffen entwickelt“, verdeutlicht M. Blaas. Das System komme bereits in Häfen, wie Hamburg, Rotterdam und Singapur, zum Einsatz. Ferner treibt das Unternehmen neuartige Lösungen für den Trockenreinraum voran, der im Zuge der Batteriefertigung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA wurde ein neuartiges Zertifikat entwickelt, das die Reinraumtauglichkeit der Igus e-ketten im Langzeittest bestätigt. Sie halten nach Unternehmensangaben über 15 Millionen Doppelhüben bei geringster und gleichbleibender Partikelemission stand.
Auch in Sachen Kreislaufwirtschaft geht igus die nächsten Schritte. Im Bereich Energieketten stellt das Unternehmen seine komplette E2.1 Serie auf Recyclingmaterial um. Dieses besteht aus Post-Consumer-Rezyklat wie alten Fischernetzen sowie ausgedienten Energieketten, im Rahmen des eigenen „chainge“-Programms recycelt werden. „Das ermöglicht einen um 80 % geringeren CO2-Fußabdruck“, sagt M. Blaas. In Hannover werden zudem umweltschonende Lösungen wie PTFE-freie Varianten der iglidur-Standard-Gleitlagermaterialien G, X und H gezeigt.
Neue Technologien, nachhaltige Materialien und regulatorische Herausforderungen - igus investiert gezielt in die Zukunft. „Denn Innovation darf nicht auf Kosten der Umwelt gehen“, sagt M. Blaas. Mit Energieketten aus recyceltem Material und PTFE-freien Gleitlagern setzt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit und technologische Weiterentwicklung zugleich. „Industriekunden stehen unter massiven Druck, ihre Materialkosten zu reduzieren und Lieferzeiten zu optimieren. Komponenten aus Hochleistungskunststoff können sowohl in Sachen Performance und Lebensdauer als auch mit einem günstigen Preis überzeugen“, erklärt M. Blaas. Für den Energiekettenbereich nennt er als Ziel, dass bis 2030 mindestens 30% des kompletten Energiekettenprogramms aus Recyclingmaterial hergestellt wird.
Breites Low-Cost-Angebot
Und auch für preissensitive Applikationen hat igus Lösungen parat. Ein Beispiel ist die neue Energiekette glide-chain G4.42 für einfache gleitende Anwendungen, zum Beispiel an Hallenkranen, mit Verfahrwegen von bis zu 30 m. „Durch ein optimiertes Design ist sie nicht nur 12 % bis 25 % leichter, sondern auch 30 % bis 40 % günstiger als abmessungsgleiche Standardketten aus dem E2- und E4-Programm“, berichtet das Unternehmen. Zudem wird in Hannover der erste eigene humanoide Roboter aus Hochleistungskunststoff gezeigt. Er integriert die ReBeL Cobots als Roboterarme und nutzt den mobilen Roboter ReBeL Move als Basis. Insgesamt ist er 1,60 m groß, kann bis zu 2 kg schwere Lasten transportieren und wird 47.999 € kosten. Dabei soll er sich flexibel und ortsunabhängig an verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzen lassen. Gemeinsam mit Kunden werden viele Applikationsbereiche getestet.
Go Zero
Steigende Kosten, neue Umweltauflagen, Automatisierungsdruck – die Herausforderungen für die Industrie wachsen. "Doch diese lassen sich mit den richtigen Lösungen bewältigen und sogar in echte Chancen verwandeln", sind die igus-Experten überzeugt. Auf der Hannover Messe präsentieren die Kölner unter dem Leitgedanken Go Zero 277 Produktneuheiten, mit denen Kunden Kosten sparen, ihre Effizienz und Nachhaltigkeit steigern sowie die Automatisierung und Robotik von morgen schon jetzt nutzen können.
Hannover Messe: Halle 6, Stand E26