Stefan Fischereder, Produktmanager Industrial AI bei Keba Industrial Automation (Quelle: Keba)
Kaum ein Technologiethema wird derzeit in der Industrie so intensiv diskutiert wie künstliche Intelligenz. Stefan Fischereder ordnet es aus Sicht von Keba Industrial Automation wie folgt ein: „Wir denken, dass KI eine ähnliche disruptive Kraft entfalten wird wie seinerzeit das Internet.“ Dabei gelte heute wie damals: Entscheidend ist, wofür die Technologie sinnvoll eingesetzt wird. „Im industriellen Umfeld gilt es, genau abzuwägen, in welchen Bereichen KI tatsächlich Mehrwert stiftet“, gibt er zu bedenken. S. Fischereder lenkt den Blick in Richtung Industrie 4.0: „Mit Big Data war damals im Grunde auch schon ein Schritt in Richtung Machine Learning gemeint. Industrie 4.0 hat sich allerdings in der Breite noch nicht vollständig durchgesetzt, weil es häufig schon daran scheitert, die richtigen Daten in ausreichender Qualität zu erhalten sowie die passenden Algorithmen zu entwickeln.“ KI hat seiner Einschätzung nach nun das Potenzial, Industrie 4.0 wirklich ins Rollen zu bringen.
KI im Steuerungsumfeld
Aus Sicht des Experten sind die KI-Einsatzszenarien im Fertigungsumfeld breit gestreut. Im Steuerungsumfeld sieht S. Fischereder vor allem analytische KI mit engem Bezug zur Maschine. „Bildverarbeitungs-KI und Zeitreihenanalyse werden im Steuerungsbereich zunehmend näher an die Maschine rücken, um Latenzen zu vermeiden und Berechnungen direkt im Prozess ausführen zu können“, erklärt er. Dadurch könnten Berechnungen direkt im Prozess erfolgen, statt über externe Systeme oder mit größerem Zeitversatz.
2023 brachte Keba das AI Extension Module AE 550 auf den Markt. „Damit haben wir zunächst die technische Möglichkeit geschaffen, neuronale Netze direkt auf der Steuerung auszuführen. Die Hardware war damit verfügbar“, erklärt S. Fischereder. Als Frage hat sich den Experten dann angeschlossen: Wie machen wir KI für unsere Kunden so einfach handhabbar wie möglich?
In den vergangenen drei Jahren haben die Experten viel Entwicklungsarbeit in dieses Thema einfließen lassen. „Inzwischen sind wir an einem Punkt, an dem wir die Software schrittweise in Serie bringen können, um KI für unsere Kunden einfacher nutzbar zu machen“, sagt S. Fischereder. Er verweist darauf, dass der KI-Aufwand für Automatisierer so gering wie möglich gehalten werden sollte. „Sie brauchen am Ende einen Funktionsblock, der beispielsweise Gut- und Schlechtteile erkennt und sich in den Automatisierungsprozess integrieren lässt.“ Bis Ende des Jahres wollen die Experten eine erste Version bereitstellen. „Hier geht es dann um Bildverarbeitung mit KI“, nennt er als Stichwort. „Im Folgenden werden wir dann noch weitere Anwendungsfälle abbilden.“
GenAI im HMI-Bereich
Mit Blick auf Human Machine Interfaces geht es nach seiner Erfahrung schnell in Richtung generative KI. „Wir sehen künftig einen klaren Nutzen darin, smarte Assistenten direkt in HMI zu integrieren“, so S. Fischereder. Solche Assistenten könnten Bediener gezielter durch Abläufe führen, Fehler schneller eingrenzen und Wissen näher an die Maschine bringen. „Das wird für Nutzerführung und Fehleranalyse direkt an der Maschine ein wichtiger nächster Schritt sein“, sagt er.
Nach der Sprachinteraktion mit Maschinen gefragt, sagt S. Fischereder: „Derzeit ist Sprachsteuerung noch ein ambivalentes Thema.“ So nehme man vor allem in Asien eine größere Offenheit wahr als in Europa oder Amerika. Ausschließen will er eine schnellere Entwicklung im Westen aber nicht. Er erinnert an die Einführung kapazitiver Touchscreens: „Auch damals wurde die aus dem Smartphone bekannte Bedienlogik plötzlich sehr schnell von vielen Kunden gefordert.“ Ähnlich könnte es auch mit Spracheingaben geschehen. „Das wäre durchaus der nächste logische Schritt.“ Keba beobachtet das Thema deshalb seit Jahren und hat entsprechende Technologien bereits in Asien auf Messen platziert und gutes Feedback erhalten.