Markus Precht ist Partner Manufacturing und Head of Automotive EMEA bei Infosys Consulting. (Quelle: Infosys)
"Besonders in der Customer Experience gewinnt KI an Bedeutung, da sie eine personalisierte, effizientere und serviceorientierte Interaktion zwischen dem herstellenden Unternehmen und Kunden ermöglicht. Zum Beispiel können KI-gestützte Sales- und Marketingaktionen das Fahrverhalten, die Fahrzeugnutzung und individuelle Vorlieben der Kunden analysieren, um maßgeschneiderte Angebote bereitzustellen – von personalisierten Leasing- oder Finanzierungsoptionen bis hin zu individuellen Servicepaketen. Auch den Service- und Reparaturbereich kann KI deutlich optimieren: Durch die Analyse von Echtzeit-Sensordaten und On-Board-Diagnosen können Fehler schneller identifiziert werden. Das führt nicht nur zu einem effizienteren Reparaturprozess, sondern hat ebenfalls zur Folge, dass sich die Wartezeiten für Kunden verkürzen lassen – eine erhebliche Steigerung der Servicequalität. Des Weiteren ermöglicht KI eine intelligente Auswertung von Kundenfeedback aus verschiedenen Quellen wie Umfragen, Fahrzeugtelematik oder Social Media. So können Unternehmen frühzeitig auf Wünsche oder Probleme reagieren und die allgemeine Kundenzufriedenheit verbessern.
Smarte Entwicklung
Auch in der Fahrzeugentwicklung spielt KI eine immer größere Rolle. So kann sie etwa in der Softwarentwicklung die Code-Generierung beschleunigen, Fehler automatisch erkennen und Programme optimieren – wie etwa für Fahrassistenzsysteme, Infotainment oder dem Energiemanagement in Elektrofahrzeugen. Auch das Testing profitiert von KI-gestützter Automatisierung: Anforderungen können priorisiert, der Fortschritt überwacht und komplexe Fahrszenarien in virtuellen Simulationen getestet werden. Dadurch lassen sich nicht nur Entwicklungszeiten verkürzen, sondern auch die Sicherheit aller neuen Funktionen erhöhen. Darüber hinaus ermöglicht KI die Erstellung von prädiktiven Analysen, um potenzielle Risiken oder Probleme frühzeitig zu identifizieren, beispielsweise den Materialverschleiß bei Fahrzeugkomponenten. Durch solche vorausschauenden Analysen können Entwickler präzisere Entscheidungen treffen, was die Langlebigkeit, Sicherheit und Effizienz moderner Fahrzeuge in Zukunft weiter verbessern wird.
Mehr Qualität, weniger Ausschuss
Ein hoher Kostenfaktor ist die Produktion – und genau diesen kann KI mit optimierten Prozessen und minimierten Fehlerquoten reduzieren. Denn durch die Analyse des Produktionsflusses kann KI Engpässe frühzeitig erkennen, Arbeitsabläufe anpassen und den Ressourcenverbrauch effizient steuern. Dies hilft nicht nur, Materialverschwendung zu vermeiden, sondern unterstützt gleichzeitig die Reduzierung von Energiekosten und CO₂-Emissionen. Ebenso trägt sie zur Verbesserung der Qualitätssicherung bei, indem sie mithilfe von Bilderkennung und Machine Learning jedes Bauteil, Lackierungen oder Schweißnähte auf mögliche Mängel überprüft. Darüber hinaus ermöglichen KI-gesteuerte Sensoren die frühzeitige Erkennung von Produktionsfehlern in Echtzeit und liefern automatisierte Lösungsvorschläge, sodass Ausschussraten signifikant reduziert und kostspielige Nachbesserungen vermieden werden. Durch diese intelligenten Technologien wird die Fahrzeugproduktion nicht nur präziser und ressourcenschonender, sondern auch flexibler und zukunftssicherer.
Unterstützung für eine widerstandsfähige Lieferkette
Durch den Einsatz von KI wird die Lieferkette nicht nur effizienter, sondern auch widerstandsfähiger gegenüber globalen Herausforderungen. GenAI und Automatisierungen erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Zulieferern und Logistikpartnern, indem sie Vertragsmanagement, Produktionskapazitäten und Lieferzeiten in Echtzeit analysieren. Dadurch lassen sich Engpässe schneller identifiziert und der Produktionsablauf darauf angepasst werden. Zudem sorgt KI für mehr Transparenz in der Lieferkette, indem sie Echtzeit-Daten zu Zulieferern und Bauteilen auswertet. So lassen sich potenzielle Lieferverzögerungen frühzeitig erkennen und alternative Strategien entwickeln – etwa durch die automatische Empfehlung kompatibler Ersatzbauteile. Auch die Logistik profitiert von KI, sei es durch eine Automatisierung der Lagerverwaltung oder das Anpassen der Routenplanung, wenn aktuelle Verkehrsdaten eine Änderung erfordern. Ebenso kann eine vorausschauende Wartung von Transportfahrzeugen dabei helfen, unerwartete Ausfälle zu verhindern. So wird die Lieferkette generell nicht nur effizienter, sondern auch widerstandsfähiger und transparenter.
Fazit: KI als Treiber der Automobilindustrie
Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Automobilbranche in zentralen Bereichen grundlegend zu transformieren. Durch deren gezielten Einsatz werden Unternehmen nicht nur effizienter und innovativer, sondern auch nachhaltiger und widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Herausforderungen. Deshalb ist es wichtig, das frühzeitig in Schulungen für Mitarbeiter:innen investiert wird, um das Potenzial von KI vollständig auszuschöpfen und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern zu können."