Die regionalen Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren und Themenzentren mit ihren Stützpunkten (Quelle: Mittelstand Digital)

Innovative Unternehmen zeigen sich für Krisen besser gewappnet. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Juni 2020 veröffentlichte Studie der KfW. Demnach reagierte der deutsche Mittelstand auf die Corona-Krise zwar ideenreich: Immerhin 43 % der kleinen und mittleren Unternehmen passten ihre betrieblichen Abläufe sowie ihre Produkt- und Dienstleistungsangebote der neuen Situation an. Unternehmen, die bereits vor der Krise innovativ waren, nahmen jedoch sogar zu 57 % Änderungen vor. Verantwortlich für diese höhere Flexibilität ist nicht zuletzt der Grad der Digitalisierung in den Unternehmen.

So konnten Unternehmen, die schon vor der Corona-Krise ihren Mitarbeitern Homeoffice ermöglichten, in der Lockdown-Phase viele Arbeiten nahezu reibungslos digital weiterführen. Durch Geschäftsschließungen unterbrochene Absatzmöglichkeiten ließen sich durch Online-Vermarktungen zumindest teilweise kompensieren. Auch auf Workshops, Schulungen und den Austausch mit anderen musste dank digitaler Mittel nicht verzichtet werden.  

Digitalisierung jetzt vorantreiben

Das Gebot der Kontakteinschränkungen wird aller Voraussicht nach noch für die kommenden Monate gelten und könnte auch 2021 für Unternehmen eine wichtige Maßnahme des Betriebsschutzes bleiben. Es lohnt sich daher mehr denn je, jetzt in digitale Arbeitsmitteln zu investieren und sich mit Tools für Chats, Videokonferenzen und dem Datenaustausch auseinanderzusetzen. Die Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren unterstützen dabei mit einem ganzen Bündel von Angeboten. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie arbeiten sie anbieterneutral und kostenfrei. Insgesamt gibt es 26 Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren in ganz Deutschland.

Für den ersten Schritt in Richtung Digitalisierung empfiehlt es sich, den digitalen Reifegrad des Unternehmens zu erfassen. Die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren bieten dafür entsprechende Fragebögen, Checks sowie Online-Sprechstunden an. Auf der Basis individueller Anforderungen können so konkrete Empfehlungen für Digitalisierungsmaßnahmen gegeben werden. Die Teams der Kompetenzzentren vermitteln dabei stets einen Überblick über das jeweilige Markangebot und helfen bei der Orientierung im Angebotsdschungel.

Angebote für den Wissenstransfer und digitale Geschäftsmodelle

Die Anschaffung und der Ausbau der IT-Infrastruktur ist stets nur die eine Seite der Digitalisierung. Die andere Seite betrifft den Umgang mit den digitalen Hilfsmitteln im Unternehmen. Die Kompetenzzentren bieten auch für diesen Wissenstransfer zahlreiche Angebote an, wie Webinare zur sicheren Verwaltung von Daten oder Einführungen in Programme für interne Meetings und Kundentermine.

Einen weiteren Schwerpunkt der Angebote bildet die Entwicklung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle. Die Themenpalette reicht dabei von der Einrichtung und Nutzung von Online-Marktplätzen über digitale Identifikations- und Kennzeichnungssysteme bis hin zur Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen, dem Energiemanagement, den Einsatzmöglichkeiten von KI sowie dem Einstieg bzw. Ausbau in Industrie und Arbeit 4.0. Einsteiger in die jeweiligen Themen finden dabei ebenso passende Angebote wie diejenige, die vertiefte Informationen benötigen, um die Digitalisierung ihres Unternehmens weiter voranzubringen.

So bietet beispielsweise das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Berlin einen KI-Check an, der detailliert ausgewertet wird und in konkreten Empfehlungen mündet. Das Kompetenzzentrum Augsburg offeriert einen Onlinekurs zum Thema Maschinenanbindung, der Einblicke darüber verschafft, wie Produktionsmaschinen fit für die Nutzung von Industrie 4.0 gemacht werden können. Das Kompetenzzentrum Hamburg hat einen Leitfaden für modernes Projektmanagement entwickelt, das auf Kundenbindung, Agilität und Erfolgscontrolling setzt. Weitere Beispiele gibt es unter https://www.mittelstand-digital.de/MD/Redaktion/DE/Artikel/Themenbuehne/online-angebote.html.

Unterstützung zu rechtlichen und finanziellen Fragen

Zur Eindämmung der Pandemie wurden in den vergangenen Monaten diverse Restriktionen verhängt, die auch Auswirkungen auf das Miteinander in den Unternehmen haben. Welche Rechte und Pflichten gelten im Homeoffice? Ist der Datenschutz zu gewährleisten, wenn Mitarbeiter ihre Privatrechner für die Arbeit nutzen? Die Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren bieten auch Unterstützung für diese und ähnliche Fragen.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu mindern, haben der Bund und die Länder zudem einen sogenannten Schutzschild für Unternehmen aufgespannt. Das Maßnahmenpaket ist mittlerweile so groß, dass es nicht einfach ist, hier den Überblick zu behalten. Orientierung darüber, welche Maßnahmen für kleine und mittlere Unternehmen infrage kommen, bieten ebenfalls die regionalen Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren. Sie beziehen dabei auch regionale sowie reguläre Förderprogramme mit ein, die zur Förderung von Digitalisierungsmaßnahmen und digitaler Weiterbildung zur Verfügung stehen. Noch bis zum 31. Dezember 2020 können kleine und mittelständische Unternehmen einschließlich Freiberufler zudem eine Förderung für professionelle Beratungsleistungen bis zu einem Wert von 4.000 € beantragen.

Fazit

Die Corona-Pandemie kann und sollte von kleinen und mittleren Unternehmen als Chance genutzt werden, in die Digitalisierung zu investieren. Die 26 Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren bieten dem Mittestand kostenfrei Unterstützung auf diesem Weg an. Da Präsenzveranstaltungen vorerst entfallen müssen, werden alle Angebote bis auf Weiteres digital als Webinar oder Videokonferenz durchgeführt.

Martin Lundborg, Leiter der Begleitforschung von Mittelstand-Digital.

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