Grafische Darstellung eines Ergebnisses aus der VDMA-Frühjahrsbefragung

Laut einer VDMA-Frühjahrsumfrage sind viele deutsche Maschinen- und Anlagenbauer von den Corona-bedingten Lockdowns und Restriktionen in China betroffen (Quelle: VDMA)

Die Frühjahrsumfrage des VDMA wurde unter den in China ansässigen 850 Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Von ihnen sieht sich die überwiegende Mehrheit zunehmend mit Faktoren konfrontiert, die ihren Geschäftsbetrieb in China behindern. Waren es im Herbst 2021 bereits 55 %, klagen nun 87 % über Bremsfaktoren. Als Hauptproblem werden aktuell die Lockdowns und Einschränkungen im Zusammenhang mit Omikron-Infektionen in verschiedenen Städten und Regionen des Landes angegeben – eine Herausforderung für 98 % der davon betroffenen Unternehmen. Fast jedes zweite Unternehmen (49 %) musste seinen Betrieb Lockdown-bedingt komplett einstellen, hiervon wiederum 40 % für mindestens drei Wochen, viele sogar länger. „Eine Beseitigung dieser Engpässe ist aktuell noch nicht in Sicht. Die Wiederaufnahme der Produktion vor allem in Shanghai läuft sehr schleppend. Die Auflagen für einen sogenannten ‚closed loop‘ –  die Beschäftigten arbeiten und wohnen auf dem Fabrikgelände – sind hoch, der Genehmigungsprozess zäh, und es ist mit zusätzlichen Kosten zu rechnen für Mitarbeiterzuschläge, für Betten, zur Desinfizierung und anderes,“ erläutert Claudia Barkowsky, Geschäftsführerin des VDMA in China.

Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge rückläufig

"Die Kapazitätsauslastung der Maschinen- und Anlagenbauer in China hat ihren bisher abruptesten Rückgang innerhalb von sechs Monaten erfahren", heißt es aus den VDMA-Reihen. Laut der Studie verzeichnen aktuell 37 % der Unternehmen eine unter dem langjährigen Durchschnitt liegende Auslastung. Im Herbst 2021 waren es 14 % gewesen und vor einem Jahr 7 %. Derzeit geben 26 % der Unternehmen eine über normal liegende Auslastung an und 37 % verzeichnen ein normales Niveau. „Der geringe Auslastungsgrad bei vielen Unternehmen rührt aber aktuell nicht von einem schwachen Auftragsbestand her, sondern ergibt sich vielmehr aus den erzwungenen temporären Schliessungen. Befindet sich das Unternehmen ausserhalb der Risikogebiete, kann nahezu normal gearbeitet werden“, erklärt C. Barkowsky.

Auch der Auftragseingang ist nach VDMA-Angaben in China rückläufig. Ein Drittel (32 %) der befragten Unternehmen berichten, dass sich der aktuelle Auftragseingang unter dem normalen Bereich befindet, im Herbst waren es 17 %. Die Aufträge aus dem Ausland sind gleichermaßen davon betroffen: 29 % gaben an, dass die Bestellungen über den Erwartungen liegen.

Ausblick

Nur eine Minderheit der Unternehmen (24 %) geht von einer Besserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten aus. Dagegen geben 29 % an, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird, 47 % rechnen mit einer gleichbleibenden Situation. Neben den Produktionsstillständen stellen auch die Engpässe bei Material und Rohstoffen nach wie vor ein Hindernis für Unternehmen dar. Grund dafür sind vor allem Transportschwierigkeiten innerhalb Chinas. Der Druck bei der Lokalisierung ist gestiegen: stellte das im Herbst 2021 für 3 % der Unternehmen eine Herausforderung dar, sind es mittlerweile 13 %.

Wie sich dies auf die Umsatzentwicklung auswirken wird, schätzen die VDMA-Experten wie folgt ein: "Die Umsatzentwicklung in China war 2021 für viele Maschinen- und Anlagenbauer überaus erfreulich. Im Herbst vergangenen Jahres schätzten die Teilnehmer ihr Wachstum für 2021 im Durchschnitt auf 22 %, realisiert wurden 21 %, wie die aktuelle Frühjahrsumfrage ergab. Die Erwartungen für 2022 liegen mit einem Wachstum von nur noch 3 % allerdings deutlich darunter. Im Herbst ging man noch von einem Wachstum von 10 % aus."

Grundsätzlich sehen 58 % der Unternehmen für dieses Jahr noch ein Wachstum voraus, 14 % erwarten ein Null-Wachstum und 28 % einen Rückgang. „Die Aussichten für 2022 waren bereits im Herbst 2021 verhalten optimistisch, für chinesische Verhältnisse. Unternehmen waren davon ausgegangen, dass es im Zuge der Olympischen Winterspiele im Februar zu Einschränkungen kommt, was dann aber nicht eintraf. Dass dagegen Omikron die wirtschaftlichen Aktivitäten derart stark zum Erliegen bringt, damit hat niemand gerechnet. Zuvor hatte es China immer geschafft, Infektionsherde schnell einzudämmen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu minimieren. Danach sieht es nun nicht aus“, resümiert die VDMA-China-Geschäftsführerin.

VDMA (ih)

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