Bild zeigt Hartmut Rauen, stellv. VDMA-Geschäftsführer

Hartmut Rauen, stellv. VDMA-Geschäftsführer: "KI ersetzt keine Fachkräfte im Maschinenbau – sie verschiebt Aufgaben und erhöht die Anforderungen an Qualifikation."

"International entwickelt sich der Maschinen- und Anlagenbau stabil und wächst, nicht so in Deutschland. Die Maschinenproduktion hierzulande sinkt. Die Wachstumsperspektiven für Unternehmen sind im Ausland zunehmend besser als im Inland. Dies hat auch negative Effekte auf die Beschäftigung in Deutschland", berichtet der VDMA in seiner Meldung.

Aus einer aktuelle VDMA-Umfrage wird zitiert: Rund drei Viertel der Unternehmen erwarten kurzfristig einen Beschäftigungsrückgang in der Branche. Auch mittelfristig, über drei bis fünf Jahre, überwiegen die negativen Erwartungen. Für das eigene Unternehmen fällt das Urteil jedoch deutlich milder aus: Viele Betriebe rechnen eher mit Stabilität als mit starkem Stellenabbau. Nach wie vor sehen wir bei der Mehrheit der Unternehmen einen anhaltenden Engpass vor allem bei Fachkräften und Auszubildenden.

"Die Ergebnisse sind ein klares Warnsignal", betont Hartmut Rauen, stellvertretender Geschäftsführer des VDMA, "unsere Branche bleibt innovativ und wettbewerbsfähig – aber die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland bremsen Investitionen und Beschäftigung erheblich. Deutsche Maschinenbauer investieren im Ausland, aber das Ausland nicht in Deutschland."

KI schafft neue Jobs 

Auch der Einsatz von KI wurde in der Befragung thematisiert: Die befragten Unternehmen erwarten durch den Einsatz von KI nur einen moderaten Rückgang der Beschäftigung bei Fachkräften und Auszubildenden, jedoch einen stärkeren Rückgang bei Akademikerinnen und Akademikern.

Bei den Fachkräften wird die KI weiterhin einfache, sich wiederholende Aufgaben übernehmen. Bei den akademischen Tätigkeiten werden insbesondere Menschen mit Management- und Office- Aufgaben betroffen sein und weniger Ingenieurinnen und Ingenieure in der industriellen Praxis. Darauf weist die VDMA-Ingenieurerhebung aus dem Herbst des vergangenen Jahres hin. Demnach gehen die Unternehmen davon aus, dass der Einsatz von KI tendenziell sogar zu einem steigenden Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren führt.

"Vor allem der Mittelstand nutzt KI zur Stärkung seiner Innovationsfähigkeit. Das erhöht den Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren", so H. Rauen. "KI ersetzt keine Fachkräfte im Maschinenbau – sie verschiebt Aufgaben und erhöht die Anforderungen an Qualifikation."

Ausbildung bleibt wichtig

Trotz der insgesamt eingetrübten Perspektiven ist die betriebliche Ausbildung laut VDMA ein zentraler Stabilitätsfaktor: Die Beschäftigungserwartungen für Auszubildende sind vergleichsweise stabil, Engpässe bleiben durch die demografische Entwicklung absehbar.

"In der aktuellen Phase des Umbruchs setzen die meisten Unternehmen bewusst auf eigene Ausbildung", erklärt Dr. Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung im VDMA. "Sie sichern sich damit die Fachkräfte, die sie künftig brauchen."

VDMA-Aufruf: Deutschland muss wettbewerbsfähiger werden

"Die aktuellen Entwicklungen markieren eine Abkehr von den vergangenen Jahren mit starkem Beschäftigungsaufbau im Maschinen- und Anlagenbau. Als innovative Schlüsselbranche bietet der Maschinenbau jedoch weiterhin große Zukunftschancen für qualifizierte Beschäftigte", stellt der VDMA in seiner Meldung heraus. 

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse fordert der Branchenverband entschlossene Reformen: "Deutschland muss international wieder den Anschluss finden und wettbewerbsfähiger werden – bei Kosten, Regulierung und Investitionsbedingungen", so H. Rauen. "Wir wollen auch in Zukunft Deutschlands größter industrieller Arbeitgeber sein."

VDMA (ih)

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