Bosch testet KI-Lösungen für die Industrie im eigenen Werk in Feuerbach. (Quelle: KI-generiert)
Mehr als 100 Jahre Fertigungstradition treffen auf KI-Agenten, digitale Zwillinge und softwarebasierte Automatisierung: Das Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach ist ein passender Ort, um über die Fabrik der Zukunft zu sprechen. Denn anders als auf der grünen Wiese müssen neue Technologien hier in bestehende Strukturen, Anlagen und Abläufe integriert werden.
"KI ist der entscheidende Hebel, um die Industrie im globalen Wettbewerb zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH und verantwortlich für den Unternehmensbereich Industrial Technology. Bosch verstehe KI dabei als „Teamsport“: Eigene Produktions- und KI-Erfahrung werde mit Softwarekompetenz und Partnern kombiniert. "Damit machen wir KI in der Fertigung greifbar, profitabel und schaffen einen echten Mehrwert - für unsere Kunden, die Beschäftigten und den Wirtschaftsstandort Europa."
Von der Morgenrunde zum KI-Einsatz
Den Brownfield-Ansatz stellte Bosch bei einer Presseveranstaltung im Oktober in den Mittelpunkt. Beim Rundgang durch das Werk in Feuerbach zeigten Unternehmensvertreter an mehreren Stationen, wie Digitalisierung und KI bereits heute eingesetzt werden bzw. künftig stärker ineinandergreifen sollen.
Dass Digitalisierung nicht erst bei hochkomplexen KI-Anwendungen beginnt, zeigte die erste Station. Feuerbach fungiert im internationalen Bosch-Fertigungsverbund als Leitwerk für die Transformation von Fertigungsabläufen, deren weltweite Koordination sowie die Mitarbeiterqualifikation. Ein vergleichsweise alltäglicher Prozess verdeutlicht, welchen Unterschied Digitalisierung bereits machen kann: die tägliche Führungsroutine der Meister. Aus der früher analogen Morgenrunde ist ein verschlankter und automatisierter digitaler Prozess geworden. Bosch zufolge spart dies den Meistern vier bis fünf Stunden pro Woche – Zeit, die unter anderem für Verbesserungsarbeit und Mitarbeiterführung zur Verfügung steht. Künftig soll auch KI diesen Prozess unterstützen.
Auf der Pressetour zeigten die Experten auch die Bedeutung des Begriffs Lernwerk auf. Hintergrund ist, dass Mitarbeiter auf dem Weg zur Fabrik der Zukunft grundlegende digitale Skills benötigen. Die Initiative Lernwerk hat ein Modell entwickelt, um Mitarbeitern digitale Kompetenzen direkt für die Anwendung im Produktionsumfeld zu vermitteln. "Bei einem Hackathon entwickelten Mitarbeiter vom Shopfloor bis zur Digitalisierungsabteilung gemeinsam eine KI-Anwendung, um die Vorbereitung der täglichen Führungsroutine zu optimieren", erzählten die Speaker. Sie wird derzeit in Feuerbach in die Praxis überführt und soll bei Erfolg weiter ausgerollt werden.