Applikation: Analyse
Das zweite wichtige Anwendungsfeld von Crealizer ist die Analyse. „Nutzer können neue Funktionen zur Erkennung von Anomalien und vorausschauender Wartung realisieren“, sagt D. Wyss. So ist es beispielsweise möglich, den Alterungsprozess eines Kranseils basierend auf hoch aufgelöstem Drehmoment und anderen Stressauslösern abzubilden. „Damit müsste ein Seilwechsel erst dann durchgeführt werden, wenn er tatsächlich notwendig ist. Dadurch lassen sich die Unterhaltskosten reduzieren“, nennt er einen konkreten Anwendungsfall inklusive Kundenvorteil.
Und noch ein weiterer Aspekt spielt hier mit hinein: „Wir sind Antriebs- und Softwareexperten, aber das tiefe Prozess-Know-how liegt in der Regel beim Kunden. Nehmen wir das Beispiel eines Kompressorherstellers. Wichtig für ihn ist es, Druckstöße im Kompressor zu verhindern. Meist wird die dazu erforderliche Surge Protection übergeordnet ausgeführt. Alternativ könnte man einen Teil direkt im Antrieb umsetzen. Dann wären gewisse Anpassungen, zum Beispiel das Ansprechverhalten betreffend, über diesen möglich. Das erforderliche Know-how liegt eindeutig beim Anwender. Mit Crealizer bieten wir ihm nun ein Tool, mit dem er eine solche Applikation erstellen, validieren sowie realisieren und dann auf dem Antrieb implementieren kann“, verdeutlicht der Experte.
Ausblick
Aus Sicht von D. Wyss ist es generell wichtig, neben etablierten Programmiermethoden wie nach IEC 61131-3 dem Thema No Code/Low Code Beachtung zu schenken. „Gerade junge Menschen, die in C++ oder Python programmieren, fühlen sich in ihrer gewohnten Umgebung wohler. Ebenso wie Mechaniker oftmals mit Matlab & Simulink vertraut sind und deshalb eben gerne damit arbeiten. Diese Aspekte müssen wir in unseren Lösungen berücksichtigen“, führt er anschaulich aus. Als weitere Trends im Bereich der Softwareentwicklung nennt er Cyber Security und KI. „Um Cyber Security wird künftig kein Softwareentwickler mehr herumkommen“, lautet seine Einschätzung. Und bei KI verweist er auf Microsoft Copilot, der Entwickler zukünftig noch stärker bei der Programmerstellung unterstützen wird.
Bei Crealizer wird KI bzw. Machine Learning zukünftig unter anderem bei der Anomalieerkennung weitere Potenziale eröffnen. „Wir nutzen selbst Crealizer und Machine Learning für unsere Drive-internen Analytics-Funktionen, zum Beispiel zur Detektion von Kühlungsanomalien“, so D. Wyss. Zum Thema Cyber Security fügt er an: „Durch die Möglichkeit, mit Crealizer alle Programme zu signieren und zu verschlüsseln, bieten wir dem Anwender ein Höchstmaß an Sicherheit. Das ist auch ein entscheidender Unterschied zur IEC-61131-3-Programmierung, wo das nicht möglich ist.“
Auch wenn die neue Softwarelösung dafür ausgelegt ist, dass Anwender Applikationen selbst entwickeln, unterstützt ABB ihre Kunden auf Wunsch bei der Softwareentwicklung. „Im nächsten Schritt werden wir selbst Applikationen entwickeln und unseren Kunden zur Verfügung stellen. Ferner werden sicherlich auch Start-ups ihren Beitrag für die Community leisten“, ist D. Wyss überzeugt.
Abschließend fasst D. Wyss zusammen: „Mit Crealizer unterstützen wir das agile innovationsgetriebene Vorgehen, das eine schnelle Markteinführung ermöglicht. Das sind wichtige Vorteile, mit denen OEM, Systemintegratoren und natürlich auch Endkunden Innovationen schnell und unabhängig von Software-Updates umsetzen können. Aus unserer Sicht ist das ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung der softwaredefinierten Zukunft.“