Die Automatisierungsplattform ctrlX Automation ermöglicht durchgängige Agentic AI über den gesamten Lebenszyklus von Maschinen und Anlagen. (Quelle: Bosch Rexroth AG)
Bosch Rexroth verankert Agentic AI auf Plattformebene. KI kann auf Engineering-Werkzeuge, Apps, Dokumentationen sowie Daten und Funktionen von ctrlX Automation zugreifen und diese im jeweiligen Kontext nutzen. So entsteht eine Architektur, in der KI nicht als Assistenz neben der Automatisierung arbeitet, sondern mit ihr.
„Unser Anspruch ist es nicht nur, den nächsten Copiloten für die SPS-Programmierung zu entwickeln, sondern KI soll Automatisierung verstehen und aktiv mit ihr arbeiten können. Wir haben damit einen entscheidenden Schritt vollzogen: den Übergang von assistierender zu agentischer KI“, sagt Steffen Winkler, Vertriebsleitung der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth.
Vom Assistenten zum handelnden KI-Agenten
Ein klassischer KI-Assistent wie der Chatbot Ask iXi von Bosch Rexroth beantwortet Fragen, erklärt Dokumentationen oder generiert Code. Die Fähigkeiten des neuen KI-Agenten iXi gehen darüber hinaus: Der KI-Agent kann Aufgaben in einzelne Schritte übersetzen und die dafür erforderlichen Funktionen der Automatisierungsumgebung nutzen.
Beim Coding wird dieser Unterschied deutlich: ctrlX Automation bietet mit Hochsprachen, offenen API und dem ctrlX Automation SDK (Software Development Kit) bereits die Grundlage für KI-gestützte App- und Programmentwicklung mit Coding-Assistenten wie GitHub Copilot. Mit den neuen Model Context Protocol-Schnittstellen zu den Software-Tools ctrlX PLC Engineering und ctrlX I/O Engineering ermöglicht Agent iXi weit mehr: Der KI-Agent erzeugt IEC-61131-3-Code direkt im Engineering-Kontext und konfiguriert IOs automatisch. Aus assistierter Codeerzeugung wird damit agentisches Engineering.
Der KI-Agent wird so zum Bindeglied zwischen dem Anwender und der Automatisierungsumgebung. Er kann unterschiedliche Aufgaben übernehmen und dafür jeweils auf das benötigte Wissen und die erforderlichen Funktionen zugreifen. Das Spektrum reicht von der assistierten Komponenten- und Topologieauswahl über Motion- und Drive-Setup sowie IO- und HMI-Design bis hin zu Programmierung, System-Monitoring und Dokumentation.
Die neuen Möglichkeiten zeigt das Beispiel eines dreiachsigen Handling-Systems. Im klassischen Engineering müssen Achsen angelegt, eine Kinematik konfiguriert und das SPS-Programm erstellt werden. Das erfordert zahlreiche einzelne Arbeitsschritte wie das Konfigurieren von Koordinatensystem, Bewegungsgrenzwerten und Achswichtungen. Beim neuen Ansatz erhält Agent iXi eine einfache Spezifikation in Form einer Skizze des Aufbaus mit den wesentlichen Angaben und eine Aufgabe in natürlicher Sprache. Daraufhin legt er Achsen und Kinematik an und erstellt das SPS-Programm für die gewünschte Bewegung.
„Die Arbeit des Anwenders verändert sich grundlegend: Statt jeden einzelnen technischen Schritt selbst auszuführen, beschreibt er zunehmend das gewünschte Ergebnis. Der Agent übernimmt die dafür erforderlichen Engineering-Schritte und setzt sie in eine funktionierende Automatisierungslösung um, jederzeit nachvollziehbar für den Anwender “, erklärt Steffen Winkler.
MCP öffnet Agenten den sicheren Zugang zur Automatisierung
Damit der Agent mit der Automatisierungsumgebung interagieren kann, setzt Bosch Rexroth auf das Model Context Protocol (MCP). Der offene Standard verbindet Large Language Models bzw. KI-Agenten mit Software und Systemen. Bosch Rexroth integriert diesen Ansatz in ctrlX Automation und schafft damit einen standardisierten Zugang für KI zu unterschiedlichen Bereichen der Automatisierung.
Agent iXi kann dadurch beispielsweise auf Engineering-Werkzeuge, das Betriebssystem ctrlX OS und die darauf laufenden Apps zugreifen. Der ctrlX Data Layer schafft dabei den durchgängigen und sicheren Zugang zu Daten und Funktionen innerhalb der Plattform. Die Kommunikation über MCP ist verschlüsselt und authentifiziert; zugleich berücksichtigt der Agent die Berechtigungen des jeweils angemeldeten Nutzers. So lässt sich gezielt steuern, auf welche Daten und Funktionen der Agent beziehungsweise das angebundene KI-Modell zugreifen kann. Damit entsteht die technische Verbindung, über die der Agent nicht nur Informationen erhält, sondern mit der Automatisierungsumgebung arbeiten kann.