Bild zeigt humanoider Roboter von Bosch Rexroth, wie er ein Bauteil im Regal greift

Ein humanoider Roboter von Bosch Rexroth greift ein Bauteil im Regal. (Quelle: Bosch Rexroth)

Bosch sieht sich mit seiner breiten Kompetenz gut positioniert, um am Wachstum des Robotik-Markts zu partizipieren. Das Unternehmen sieht in diesem Umfeld das Potenzial, um ein Geschäft in Milliardenhöhe zu entwickeln und setzt dazu auf Synergieeffekte. „Wir kombinieren bewährte Technologien aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen mit visionären Innovationen, um die industrielle Skalierung von Robotik – bis hin zu Humanoiden – voranzutreiben“, sagte Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, anlässlich des Branchentreffs „Bosch Connected World“ (BCW) in Berlin. „Mit unserem Engagement möchten wir auch den Technologiestandort Europa stärken.“ Durch den gezielten Einsatz von Automatisierung steigert Bosch zudem die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Werke im globalen Vergleich und wirkt dem sich zuspitzenden Fachkräftemangel entgegen.

Robotik braucht Fingerspitzengefühl

„Bosch bewegt die Zukunft – auf Rädern und mit Armen“, sagte Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH. Das Unternehmen nutzt seine domänenübergreifende Automatisierungsexpertise – vom Auto über die Fabrik bis in den Haushalt – als entscheidenden Vorteil, um diesen Wachstumsmarkt zu gestalten. Dabei will man sich nicht als Hersteller humanoider Roboter positionieren, sondern als führender Lieferant und Partner für das „Gehirn und Nervensystem“ moderner Automatisierung und Robotik. Herzstück für diese flexiblen Lösungen ist die offene Plattform ctrlX Automation von Bosch Rexroth. „Wir machen damit Robotik zugänglich, modular und schnell integrierbar. So ermöglichen wir es unseren Kunden schon heute, beispielsweise fahrerlose Transportsysteme mit hochpräzisen Roboterarmen zu kombinieren, die dann stabil und flexibel Aufgaben in bestehenden Prozessen übernehmen können“, so T. Rückert. Der Geschäftsbereich Bosch Rexroth realisiert aktuell mehrere Kundenprojekte in diesem Umfeld, wird ergänzend berichtet.

Damit Roboter sicher und präzise mit ihrer Umwelt interagieren können, brauchen sie einen feinen Tastsinn. Dieses Gespür für Berührung verleihen ihnen mikroelektromechanische Systeme, sogenannte MEMS-Sensoren. Sie sind der Schlüssel, der es Robotern ermöglicht, Objekte mit der nötigen Finesse zu handhaben und auf physischen Kontakt sensibel zu reagieren. Beispielsweise, wenn ein Roboter ein robustes Wasserglas oder ein zartes Stielglas greift – genau diese feinfühlige Unterscheidung ermöglichen die Sensoren. Bosch gibt an, Weltmarktführer in diesem entscheidenden Technologiefeld der MEMS-Sensoren zu sein, das am Halbleiter-Standort Reutlingen eine zentrale Rolle spielt. „Ein Mensch hat vier Millionen Tastsensoren. Würde man Roboter bauen, die ebenso viele Sensoren haben, reichte die weltweite Sensoren-Produktion von vier Jahren gerade einmal für 12.500 Roboter“, sagte S. Hartung. Diese Zahl verdeutlicht das immense Potenzial und die zentrale Rolle von Bosch für die Zukunft der Automatisierung und Robotik. Das Unternehmen verweist auf das Marktforschungs- und Strategieberatungsunternehmen Yole Group, laut dem der Markt für MEMS-Sensoren bis 2030 voraussichtlich auf über 19,2 Mrd. US-$ anwachsen wird – mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 4 %.

Weiterentwicklung kognitiver Roboter

Um die Entwicklung in der Automatisierung und Robotik zu beschleunigen, setzt Bosch auf eine Kombination aus gezielter interner Innovation und einem offenen Ökosystem-Ansatz. Dafür gründete das Unternehmen mit der Robert Bosch Robotics GmbH eine spezialisierte Einheit, die sich auf die Entwicklung und Industrialisierung neuer Robotik-Lösungen konzentriert. Parallel dazu will das Unternehmen die industrielle Skalierung weiter durch strategische Partnerschaften vorantreiben. Gemeinsam mit dem deutschen Start-up Neura Robotics wird an der Weiterentwicklung kognitiver Roboter gearbeitet. "Dank seiner tiefen Fertigungsexpertise agiert Bosch zudem als zentraler Partner für führende Robotik-Start-ups aus aller Welt, darunter Humanoid aus Großbritannien sowie Kooperationen in den USA und China, um deren Prototypen im Manufaktur-Maßstab zur Serienreife zu bringen. Speziell die Aktivitäten in China bündelt Bosch im Anfang des Jahres gegründeten Bosch Robotics Center China (BROC) – dieses treibt die Entwicklung von sogenannter Physical AI und die Industrialisierung von Robotik-Lösungen voran", wird in einer Meldung berichtet.

Neben der „Intelligenz“ der Roboter liegt die Stärke von Bosch auch in den entscheidenden Komponenten, die ihnen ihre physische Leistungsfähigkeit verleihen. "Bosch Rexroth hat ein umfassendes Portfolio an Schlüsselkomponenten für die moderne Robotik und Fabrikautomation im Portfolio. Dazu gehören beispielsweise hochpräzise Elektromotoren und leistungsstarke Servoantriebe, die für dynamische und exakte Bewegungen sorgen, aber auch ctrlX Automation zur smarten und flexiblen Steuerung von Robotern für unterschiedliche Umgebungen und Anforderungen. Darüber hinaus bietet Bosch komplexe Baugruppen und Subsysteme an, die Robotern die nötige Kraft, Geschwindigkeit und Präzision verleihen und somit das technologische Rückgrat für unterschiedliche Automatisierungsaufgaben bilden. Zudem unterstützt Bosch auch bei der Fabrikausrüstung für die Robotik-Produktion, zum Beispiel mit Fördersystemen von Rexroth", wird weiter informiert.

Datenschatz aus über 230 Werken weltweit

Künstliche Intelligenz (KI) ist der Motor, der Automatisierung und Robotik neue Fähigkeiten verleiht, gibt das Unternehmen ferner an. „Die Verbindung aus hochmoderner Elektronik und Mechanik mit KI ermöglicht erhebliche technologische Durchbrüche in der Automatisierung und Robotik“, sagte T. Rückert. „Sie ermöglicht es beispielsweise, dass Roboter ihre Umgebung wahrnehmen, Vorgänge verstehen und aus Erfahrungen lernen.“ Bosch will diese Schlüsseltechnologie tief in seiner Strategie verankern und sie auf zwei Ebenen nutzen: Einerseits bringt das Unternehmen KI-Modelle aus der Cloud direkt in seine physischen Produkte, um ihnen automatisiertes Agieren zu ermöglichen. Andererseits wird KI bereits in der eigenen Fertigung eingesetzt, beispielsweise bei der Optimierung von Produktionsabläufen, der vorausschauenden Wartung oder der optischen Fehlererkennung. Das Fundament für diese lernenden KI-Systeme bildet ein nach eigenen Angaben  in der Industrie einzigartiger Datenschatz aus über 230 Bosch-Werken weltweit. „Unser entscheidender Wettbewerbsvorteil sind nicht die Maschinen allein, sondern die Daten unseres globalen Fertigungsverbunds“, betont T. Rückert. „Dieser Datenschatz ist der Rohstoff, aus dem wir die intelligenten Automatisierungslösungen der Zukunft entwickeln.“ Um menschliche Expertise in maschinenlesbare Daten zu übersetzen, nutzt Bosch zudem spezielle Datenanzüge, die komplexe Bewegungsabläufe als Trainingsgrundlage erfassen. Diese Expertise bringt das Unternehmen gezielt in die Partnerschaft mit Neura Robotics ein, um die Entwicklung kognitiver Roboter zu beschleunigen.

Ergänzend zum Thema KI: Der Bosch Tech Compass, eine Umfrage bei insgesamt mehr als 11.000 Personen in weltweit sieben Ländern, zeigt, dass die Mehrheit der Menschen KI als die einflussreichste und positivste Technologie der kommenden Jahre sieht. Als eine Schlüsselerkenntnis wird die steigende Begeisterung für KI weltweit genannt, wobei 70 % der Befragten sie als entscheidend für die Zukunft betrachten.

Bosch (ih)

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