sensorEDGE FIELD von Hilscher kombiniert eine Container-Umgebung und Device Management mit einfacher IO-Link-Sensoranbindung. (Quelle: Hilscher)
Herr Meyer, warum ist Device Management heute so ein zentrales Thema im Maschinenbau?
M. Meyer: Mehrere Entwicklungen treffen derzeit zusammen: Zum einen der Wettbewerbsdruck – Maschinenbauer müssen digitale Innovationen vorantreiben, um sich im Markt zu behaupten, sei es durch Mehrwertdienste oder durch Kosteneinsparungen. Hinzu kommt der Fach- und Arbeitskräftemangel – sowohl bei den Maschinenbauern als auch bei deren Kunden: Erfahrene Mitarbeiter gehen in Rente, Nachfolger mit gleichem Know-how sind kaum zu finden. Schließlich verschärfen gesetzliche Vorgaben wie der Cyber Resilience Act (CRA) oder NIS 2 den Handlungsdruck. Diese Trends führen dazu, dass Device Management nun in den Fokus rückt – nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck: Effizienz steigern, neue Services ermöglichen und Sicherheit gewährleisten.
Ein Schlüsselthema sind Schnittstellen. Welche Rolle spielen dabei Protokolle wie MQTT oder OPC UA?
M. Meyer: Maschinen und Anlagen sprechen eine Vielzahl an „Dialekten“ – von klassischen Feldbussen über Real-Time Ethernet bis zu modernen IoT-Schnittstellen. Um an Daten zu gelangen oder Steuerungen einzubinden, setzen wir konsequent auf Standards. OPC UA und MQTT kombinieren wir beispielsweise so, dass die Daten nicht nur sicher übertragen, sondern auch in einem einheitlichen Format strukturiert werden. Wenn wir Daten über MQTT verschicken, nutzen wir auch das Datenformat von OPC UA Pub/Sub. Der MQTT-Standard schreibt nicht vor, wie Daten formatiert sind. MQTT ist nur ein Mechanismus zur Datenübertragung, aber nicht zur Beschreibung der Datenstruktur. Durch die Nutzung von Standards erreichen wir Interoperabilität – und erleichtern zugleich die Anbindung an Cloud-Plattformen wie AWS, Azure oder Google. Oder auch an unsere Plattform netFIELD Cloud. Wenn die Daten einmal im Edge-Gateway im richtigen Format vorliegen, ist die Datenübertragung nicht mehr das wesentliche Problem.
Viele Geräte, viele Maschinen – klingt nach hoher Komplexität. Wie bleibt das für den Nutzer beherrschbar?
M. Meyer: Unser Ziel ist, den Aufwand pro Maschine für den Maschinenbauer zu minimieren. Funktionen müssen mit wenigen Klicks erreichbar sein, Software-Updates effizient ausgerollt werden können. Am Ende zählt: Wie viel Aufwand hat ein Kunde, um eine Flotte von hunderten Maschinen weltweit zu managen? Effizienz und einfache Bedienung gehen dabei Hand in Hand.
Cyberangriffe auf Industrieanlagen nehmen zu. Wie verändert sich das Bedrohungsbild aus Ihrer Sicht speziell für den Maschinenbau?
M. Meyer: Das tatsächliche Bedrohungsbild hat sich meiner Meinung nach gar nicht so stark geändert wie das sichtbar wahrgenommene. Die Risiken sind nicht neu – Maschinen waren schon vor 20 Jahren Angriffen ausgesetzt. Neu ist das Bewusstsein dafür und der gesetzgeberische Druck mit Regularien wie CRA, NIS 2 u.a. Mit der zunehmenden Vernetzung steigt die Zahl potenzieller Einfallstore. Unternehmen müssen bestehende Eigenlösungen kritisch prüfen: Sind sie CRA-konform oder nicht? 2027 ist praktisch übermorgen – Handeln ist jetzt gefragt.