Interview mit Ralf Bühler

„Wir wollen Europas führende Beschaffungsplattform für technischen Bedarf werden“, formuliert Ralf Bühler, seit 2021 CEO bei Conrad Electronic, sein Ziel

„Wir wollen Europas führende Beschaffungsplattform für technischen Bedarf werden“,
formuliert Ralf Bühler, seit 2021 CEO bei Conrad Electronic, sein Ziel. (Quelle: Daniel Tkatsch)

Von Wernberg in die Welt: Rund 50 000 Pakete verlassen im Schnitt pro Tag das Conrad-Logistikzentrum

Von Wernberg in die Welt: Rund 50 000 Pakete verlassen im Schnitt pro Tag das Conrad Logistikzentrum. (Quelle: Conrad Electronic)

Der Conrad-Marketplace bietet sowohl auf dem Notebook als auch auf mobile Devices ein optimales Einkaufserlebnis

Der Conrad-Marketplace bietet sowohl auf dem Notebook als auch auf mobile Devices ein optimales Einkaufserlebnis. (Quelle: Graphicdeal– stock.adobe.com)

Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine umfassende Plattformökonomie aus und wie profitieren Kunden?

R. Bühler: Die Conrad Sourcing Platform ist ein Netzwerk aus Menschen, digitalen Lösungen, Services und Partnern, um Unternehmen alle Teile des Erfolgs zu liefern. Dazu gehört natürlich ein umfangreiches technisches Sortiment in gewohnter Qualität. Außerdem bieten wir maßgeschneiderte E-Procurement-Lösungen, die den Beschaffungsprozess von Unternehmen aller Größen vereinfachen und dabei Zeit, Geld und Ressourcen sparen. Dazu kommen unsere kundenzentrierten Services: Werden beispielsweise Produkte benötigt, die nicht auf unserer Plattform sind, dann gibt es das Team unseres Beschaffungsservice, das sich weltweit auf die Suche nach dem gewünschten Artikel macht. Und wir haben Services, die den Einsatz der bei uns angebotenen Produkte noch einfacher machen. Dabei bleibt es den Kunden überlassen, ob sie „nur“ ein Messgerät kalibrieren, ein Kabel konfektionieren oder sich von Conrad eine Turn-Key-Lösung liefern lassen möchten.

Bitte umreißen Sie kurz Ihre Angebotsbreite und Highlights, insbesondere auch für Industriekunden und die Automatisierung.

R. Bühler: Mit mehr als 9 Mio. Produktangeboten decken wir die gesamte Bandbreite des technischen Bedarfs ab und ermöglichen es Unternehmen, ihre C-Teile effizient aus einer Hand zu beschaffen. Wir verstehen uns aber nicht nur als Technikhändler, sondern agieren als Lösungsanbieter. Dementsprechend unterstützen wir unsere Geschäftskunden unter anderem mit Konzepten für die Ausstattungen von Werkstätten, Laboren, Makerspaces, Lehr- oder Seminarräumen, sei es im Bereich Messtechnik, Stromversorgung, 3D-Druck oder Verbrauchsmaterial. Im Zuge dessen stehen wir selbstverständlich auch bei Digitalisierungsprojekten mit Rat und Tat zur Seite.

Im Bereich Automatisierung unterstützen wir unter anderem beim Trendthema Cobots mit passenden Produkten und bei deren Auswahl. Und wir haben nicht nur die aktuellsten Steuerungen, wie etwa von Siemens die S7-1500 oder die Logo, im Sortiment, sondern beraten auch dazu. Außerdem bieten wir Web-Panels diverser Marken und passend für jede Anwendung an, beispielsweise für die Visualisierung von Abläufen oder die Statusüberprüfung von Anlagen. Und natürlich liefern wir auch das entsprechende Zubehör in Form von Relais, Signalleuchten und Sensoren.

Sie bedienen Kunden aus Kleinbetrieben und ebenso aus Konzernen: Wie gelingt es dabei, unterschiedliche Kundenanforderungen beim digitalen Einkaufserlebnis zu berücksichtige?

R. Bühler: Unser Anspruch ist es, jedem Geschäftskunden den für ihn passenden Zugang zu unserer Plattform zu ermöglichen, denn „one size does not fit all“. Egal ob ein Unternehmen über unseren Webshop kommt oder sich per E-Procurement anbindet: Unsere digitalen Einkaufslösungen wachsen mit den Anforderungen unserer Kunden und wir sind in der Lage, uns in bestehende Systeme einzubinden. Zu verstehen, wie wir Beschaffungsprozesse noch reibungsloser, schneller und sicherer machen können, hat dabei oberste Priorität, damit die C-Teile quasi wie von selbst beim Kunden ankommen.

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus mittlerweile schon sechs Jahren Conrad Marketplace?

R. Bühler: Mit unserem Markplatz wenden wir uns ausschließlich an Geschäftskunden. Bereits beim Launch unseres Marktplatzes im Jahr 2017 haben wir uns deshalb für ein kuratiertes Modell entschieden. Das heißt: Dort sind ausschließlich Seller zugelassen, die unserem Qualitätsanspruch gerecht werden und Artikel im Bereich des technischen Bedarfs anbieten. Sechs Jahre später wissen wir: Diese Entscheidung war richtig. Wir setzen also auch hier auf Qualität statt auf Quantität. Und unsere Geschäftskunden honorieren das.

KI hält in alle Bereiche immer weiter Einzug. Sie erwähnten bereits, dass auch Sie die Chance von KI nutzen. Bitte geben Sie detailliertere Einblicke. Und wie beurteilen Sie den aktuellen Trend hin zu generativer KI (ChatGPT) mit Blick auf Ihre Plattform?

R. Bühler: Bei Conrad nutzen wir künstliche Intelligenz, um das Einkaufserlebnis unserer Kunden zu verbessern und unseren Partnern eine höhere Performance ihrer Produkte zu ermöglichen. Das heißt: Unsere Seller können sich beispielsweise KI-basierte Nachfrageprognosen in ihren Dashboards anzeigen lassen. Wir haben auf unserer Plattform KI-Modelle, wie etwa eine Recommendation Engine, im Einsatz. Und ohne KI wäre es beispielsweise nicht möglich, dass in unserem Shop proaktiv Alternativprodukte angezeigt werden. Wir nutzen also KI, um Prozesse auf unserer Website und im Rahmen unseres täglichen Doings zu optimieren. Denn Fakt ist: Um E-Commerce fit für die Zukunft zu machen, ist und wird künstliche Intelligenz immer wichtiger. Auch die aktuelle Entwicklung im Bereich generative KI verfolgen wir: Large Language Models beispielsweise bieten großes Potenzial. Hier oder etwa mit Blick auf ChatGPT bzw. Llama 2 schauen wir uns Chancen aber auch Risiken genau an. Entscheidend ist am Ende immer: Der Einsatz von KI darf kein Selbstzweck sein, sondern muss Unternehmen, ihren Partnern und ihren Kunden echten Mehrwert bieten.

Bitte geben Sie abschließend noch einen Ausblick: Was haben Sie sich für die nächsten drei bis fünf Jahre auf Ihre To-do-Liste geschrieben?

R. Bühler: Auf unserer Agenda stehen drei große Themen: Erstens der Ausbau und die Weiterentwicklung unseres E-Commerce-Angebots und damit unserer Rolle als moderner Händler und Beschaffungspartner. Unser zweites Ziel ist es, noch mehr Unternehmen mit elektronischen E-Procurement-Lösungen bei der Optimierung ihrer Beschaffungsprozesse zu unterstützen. Und drittens haben wir die Internationalisierung des Conrad Marketplace im Fokus. In Österreich, den Niederlanden, Italien und Frankreich sind wir bereits mit einem Marktplatz präsent. Weitere Länder werden folgen.

Inge Hübner
2 / 2

Ähnliche Beiträge