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„Wirtschaft und Politik unterschätzen die Tragweite der künstlichen Intelligenz", sagt KI-Experte und Interim Manager Eckhart Hilgenstock. (Quelle: Eckhart Hilgenstock)

„Viele Menschen betrachten KI mit Denkmodellen aus dem Industriezeitalter und ordnen KI als eine IT-Technologie ein. Tatsächlich erleben wir jedoch den Beginn einer wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Revolution, deren Dynamik viele massiv unterschätzen“, erklärt Eckhart Hilgenstock.

Die von E. Hilgenstock definierten Irrtümer und seine Einordnungen (vollständiger Originaltext) lauten wie folgt:

1. Irrtum: Es wird schon nicht so schlimm werden

Viele Entscheider gehen davon aus, dass die Entwicklung langsamer verlaufen wird als von Experten vorhergesagt. Sie haben im Laufe ihres Berufslebens festgestellt, dass technologische Prognosen regelmäßig übertrieben sind und keineswegs so schnell eintreffen wie vorhersagt. „Diese Erfahrung des ‚Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird‘ stammt allerdings aus linearen Entwicklungen früherer Jahrzehnte“, sagt Eckhart Hilgenstock.

„Die Geschichte des digitalen Fortschritts wird jedoch durch exponentielle Wachstumskurven bestimmt“, erklärt der Wirtschaftsexperte und verweist auf Moore’s Law. Das von Intel-Gründer Gordon Moore 1965 formulierte Gesetz besagt, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Computerchip ursprünglich etwa jedes Jahr, später etwa alle zwei Jahre, verdoppelt. Dadurch steigt die Rechen­leistung exponentiell, während die Kosten pro Recheneinheit sinken. Hilgenstock stellt klar: „Nach zehn Verdopplungen erhält man nicht den zehnfachen, sondern den mehr als tausendfachen Wert. Was heute noch unausgereift erscheint, kann innerhalb weniger Jahre ganze Branchen verändern.“

Ein Blick auf die vergangenen drei Jahre verdeutlicht diese Dynamik: Von den ersten großen Sprachmodellen bis hin zu autonomen KI-Agenten, Robotik, Videogenerierung und wissenschaftlichen KI-Systemen sind Entwicklungsschritte erfolgt, für die frühere Technologien oft Jahrzehnte benötigt haben.

2. Irrtum: Die Zukunft wird linear gedacht

Menschen denken überwiegend in linearen Entwicklungen. Künstliche Intelligenz folgt jedoch exponentiellen Wachstumskurven. Verdoppeln sich Leistungsfähigkeit und Datenbestände in kurzen Abständen, entstehen Sprünge, die mit menschlicher Intuition kaum vorhersehbar sind.

Eckhart Hilgenstock: „Derzeit erleben wir, dass sich mehrere exponentielle Entwicklungen gegenseitig verstärken: immer leistungsfähigere Chips, größere Rechenzentren, bessere KI-Modelle, mehr Trainingsdaten, effizientere Algorithmen und sinkende Kosten pro KI-Transaktion. Dadurch entsteht ein Multiplikationseffekt, den manche Forscher als ‚Exponentials on top of exponentials‘ beschreiben.“ Er rechnet diese „Exponentialität auf mehreren Ebenen“ vor: „Verdoppeln sich vier Faktoren gleichzeitig – etwa Rechenleistung, Datenmenge, Algorithmen und Energieeffizienz –, ergibt sich nicht nur der doppelte Fortschritt. Aus 2 mal 2 mal 2 mal 2 wird bereits der 16-fache Gesamteffekt. Genau deshalb unterschätzen viele Menschen die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung.“

3. Irrtum: KI ist lediglich ein IT-Thema

Künstliche Intelligenz betrifft längst nicht mehr nur die IT-Abteilung. Sie verändert Einkauf, Produktion, Vertrieb, Marketing, Personalwesen, Forschung, Finanzen und Unternehmensführung gleichermaßen. Damit wird KI zu einer strategischen Managementaufgabe.

„KI automatisiert nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern komplette Wertschöpfungsketten“, gibt Eckhart Hilgenstock zu bedenken. „Damit wird sie zu einer Führungsaufgabe und kann sinnvollerweise nicht mehr ausschließlich an technische Abteilungen delegiert werden.“

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