Unterschiedliche Sicherheitsklassen
Da jede Anwendung unterschiedliche Sicherheitsanforderungen hat, bietet Profinet drei aufeinander aufbauende Security Classes für unterschiedliche Use-Cases an. Die Security Classes beschreiben die minimalen Security-Fähigkeiten, die ein Gerät mitbringen muss.
Die Security Class 1 (Robustheit) sieht in der Regel die Abschottung des Systems nach außen, die Segmentierung des Produktionsnetzes, den Zugriffsschutz und weitere Maßnahmen vor (Defense-in-Depth-Konzept). Dies wurde bereits in einigen Punkten erweitert. Dazu gehört die Möglichkeit, SNMP-Default-Strings zu ändern. DCP-Set-Befehle, die eine aktive Verbindung stören könnten, lassen sich deaktivieren und GSD-Dateien können durch Signieren vor unbemerkten Änderungen geschützt werden. Profinet Security Class1 ist nun in die konkrete Umsetzung übergegangen. Zu diesem Zweck hat PI eine Infrastruktur für die Signierung von GSD aufgebaut.
Für die Security Class 2 (Integrität und Authentizität) wird zusätzlich zur Security Class 1 die Integrität und Authentizität der Datenkommunikation spezifiziert. Dies ist beispielsweise bei Systemen der Fall, die nicht einfach in Zonen unterteilt werden können oder bei denen der Zugang von außen nicht gesichert ist, zum Beispiel bei Außenanlagen. Die Security Class 2 und 3 bieten auch einen kryptografischen Schutz von Profinet-Nachrichten. Mit der Authentifizierung und Autorisierung auf der Grundlage von X.509-Zertifikaten erhält der Anwender Informationen über die Identität des Absenders. Dies dient dem Aufbau von Vertrauen zwischen zwei Kommunikationspartnern. Außerdem kann der rechtmäßige Empfänger Manipulationen erkennen und Dritte können Nachrichtenfelder nicht verändern, ohne dass der berechtigte Empfänger dies bemerkt.
Außerdem führt Security Class 2 eine standardisierte Ereignisprotokollierung ein. Dadurch lassen sich sicherheitsrelevante Ereignisse wie fehlgeschlagene Authentifizierungsversuche nachvollziehen. Dies ist besonders wichtig, um Angriffe frühzeitig zu erkennen, forensische Analysen durchzuführen und im Ernstfall geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Zusätzlich ermöglicht Security Class 2 eine sichere Inbetriebnahme. Damit lassen sich neue Geräte sicher in das Netzwerk integrieren, ohne dass unautorisierte Komponenten eingeschleust werden können. Dies erhöht nicht nur die Betriebssicherheit, sondern vereinfacht auch die Inbetriebnahme und optimiert den Lebenszyklus von Anlagen. Durch die Unterstützung automatisierter Verfahren wird zudem ein reibungsloser Austausch von Geräten (Device Replacement) möglich, ohne dabei die Sicherheit zu beeinträchtigen. So lassen sich defekte oder ausgetauschte Komponenten trotz Sicherheitsmaßnahmen effizient und zuverlässig in bestehende Systeme einbinden. In der Security Class 3 ist auch die Vertraulichkeit von Daten spezifiziert. Mit einer authentifizierten Verschlüsselung können Dritte die übertragenen Daten zusätzlich nicht lesen. Dies ist beispielsweise notwendig, wenn aus diesen Daten (Betriebs-)Geheimnisse abgeleitet werden können. Dabei umfasst Security Class 3 selbstverständlich alle Schutzmechanismen der Security Class 2. Auf dieser Basis wird die Sicherheitsstufe um die Vertraulichkeit erweitert.
Die grundlegenden Elemente für die Security Class 2 und 3 wurden in den Spezifikationen festgelegt, darunter die Definition von Krypto-Algorithmen und das Handling von Zertifikaten. Dadurch konnten Hardware- und Firmwarehersteller bereits mit der Entwicklung beginnen. Derzeit werden weitere Funktionen, die teilweise auch von der IEC 62443 abgeleitet sind, im Detail spezifiziert.
Fazit
Anwender profitieren von der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung von Automatisierungssystemen. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen PI, Herstellern und Anwendern beim Thema Cybersecurity unabdingbar. Während PI für die Entwicklung und Pflege von Sicherheitsspezifikationen, Leitlinien und bewährten Verfahren zuständig ist, müssen Hersteller die Sicherheitsmaßnahmen in Geräten und Systemen umsetzen. Und nicht zuletzt müssen sich Anwender an die Sicherheitsrichtlinien und Best Practices halten. PI begleitet diesen Prozess und unterstützt durch seine Technologien diesen Weg, damit Anwender auch in Zukunft auf der sicheren Seite sind.
Einladung zur Mitarbeit
Ausführliche Informationen zum Thema Cybersecurity für die PI-Technologien bietet die PI-Webseite. Neben dem Profinet-Forum für technische Fragen zu Profinet Security haben Mitglieder von PI auch Zugriff auf Whitepaper, Leitfäden, Beschreibungen und weitere Dokumente, Informationen sowie Videos. Denn Basis für diese umfangreichen Informationen ist die aktive Community mit mehr als 1.000 Experten, die sich regelmäßig in ihren 80 Arbeitsgruppen treffen und die PI-Themen weiterentwickeln. Diese bieten die Chance, neue Themen mitzugestalten, aber auch bereits in einer frühen Phase die neuesten Informationen zu erhalten, neue Anforderungen kennenzulernen, die jeweiligen Experten zu treffen und sich aktiv mit der Community auszutauschen.
SPS: Halle 5, Stand 210

