ValveInsight von Bürkert ist ein Algorithmus für die Magnetventilserie Whisper Valve. Er überwacht Ventile direkt beim Schalten, zusätzliche Sensorik ist nicht erforderlich. So lassen sich kostengünstig und mit geringem Aufwand wertvolle Ressourcen einsparen. (Quelle: Bürkert Fluid Control Systems)
Angesichts begrenzter natürlicher Ressourcen, volatiler Rohstoffmärkte und wachsender regulatorischer Anforderungen lässt sich aus Sicht von Bürkert eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht über reine Effizienzsteigerung erreichen. „Regeneratives Wirtschaften bedeutet mehr als Nachhaltigkeit“, sagt Hendrik Faustmann. Ziel sei es, im Rahmen der Produktherstellung und -nutzung eine Netto-Verbesserung von Ökosystemen zu erreichen. Dabei würden neben den Umwelt- auch die ökonomischen und sozialen Einflüsse betrachtet. „Auch Bürkert ist noch nicht bei Netto-Null-Emissionen angekommen“, erklärt er weiter. „Aber wir haben uns ein festes Ziel zur Orientierung gesetzt: ,Let’s create fluidics for a regenerative economy‘ ist unsere Unternehmensvision – das ist unser Nordstern.“
Neues Bewusstsein und Geschäftsmodelle schaffen
Den Fluid-Experten ist bewusst, dass es bis zum regenerativen Wirtschaften ein langer Weg ist, an dessen Anfang sie derzeit stehen. Aus diesem Grund spricht Bürkert zum aktuellen Zeitpunkt von Lösungen mit „regenerativen Anteilen“. Diese Anteile sollen schrittweise vergrößert und der negative Einfluss nach und nach in einen positiven verwandelt werden. „Parallel wollen wir unsere Geschäftsmodelle im Sinne eines Abrechnungsmodells weiterentwickeln und zwar entlang der einzelnen Stationen auf dem Weg zum regenerativen Wirtschaften – also von konventionell über grün, nachhaltig, restaurativ bis hin zu regenerativ. Das bedeutet eine Transformation von der etablierten Einmalzahlung pro Produkt hin zum Equipment-as-a-Service-Modell, also pay per use bzw. pay per outcome“, erklärt H. Faustmann. Damit einher ginge die Abkehr von der linearen Wirtschaftsform, also ein Produkt kaufen, nutzen und entsorgen, hin zu einer zirkulären, die die Wiederverwendung der Bestandteile des entsorgten Produkts vorsieht.
Ihre Kunden wollen die Experten dabei auf allen Ebenen der Produktentwicklung und des Produktlebenszyklus von der einzelnen Komponente über die Optimierung von Applikationen bis hin zur prägenden Einflussnahme in einzelne Industriezweige hinein mitnehmen und unterstützen.
Intelligente Ventile für Diagnose und vorausschauende Wartung
Die Zahl der Anwendungsgebiete ist groß und reicht von der klassischen Food&Beverage-Industrie über New Food, die Pharma&Kosmetikindustrie bis hin zur Wasserstofferzeugung. Für all diese Einsatzbereiche liefert Bürkert optimale Produkte und Lösungen. Zudem setzt KI weitere Potenziale frei. Ein Beispiel ist die Ventildiagnose ValveInsight. „Hier nutzen wir KI-Algorithmen sowohl zur Eigendiagnose der Ventile als auch zur Prozessdiagnose“, sagt H. Faustmann. Konkret überwacht KI bei der Magnetventilserie Whisper Valve den Strom beim Schaltvorgang. Die Messkurve lässt Rückschlüsse zu, zum Beispiel ob der Prozess normal abläuft. In Kombination mit Prozesswissen lassen sich zudem Rückschlüsse auf Ursachen ziehen. „Mittelfristig wird es möglich sein, über die Sammlung großer Datenmengen in verschiedenen Prozessen mit unterschiedlichen Medien in Kombination mit AI-gestützter Auswertung immer präzisere Informationen über potenzielle Probleme und dafür geeignete Lösungsansätze zu finden“, gibt er weiter an. Da ValveInsight ohne zusätzliche mechanische Bauteile auskommt, sparen Anwender Material, Energie und Zeit. Da Fehler im Ventil und im Prozess früh erkannt werden, lassen sich Ausschuss oder Ressourcen reduzieren. „Außerdem ist die Technologie offen gestaltet und kann einfach in bestehende Systeme, die Whisper Valves nutzen, integriert werden“, gibt H. Faustmann an. Die Lösung wurde mit dem Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg 2025 in der Kategorie „Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Digitalisierung, Industrie 4.0“ ausgezeichnet.