Impression vom Leaders‘ Dialogue auf der Hannover Messe 2026

Leaders‘ Dialogue auf der Hannover Messe 2026: Cedrik Neike, Member of the Managing Board, Siemens AG und CEO Digital Industries, Siemens AG. (Quelle: Plattform Industrie 4,0, Victor Hedwig)

Was braucht es, damit KI-Projekte schneller aus Pilotphasen in die industrielle Anwendung kommen?

D. Vielsäcker: Der Schritt vom Pilotprojekt zur industriellen Skalierung gelingt nur, wenn die Ergebnisse einfach integrierbar, wiederverwendbar und auf unterschiedliche Unternehmen und Produktionsumgebungen übertragbar sind. Wir müssen deshalb weg von hochindividuellen Einzellösungen und hin zu offenen Standards, modularen Bausteinen, Referenzarchitekturen und interoperablen Schnittstellen.

Ein zentraler Punkt ist die Einbindung bestehender Produktionsumgebungen. Ein großer Teil der industriellen Wertschöpfung findet in sogenannten Brownfield-Umgebungen statt – also mit Maschinen und Anlagen, die bereits seit vielen Jahren im Einsatz sind. Nur wenn auch diese Systeme niederschwellig an neue Daten- und KI-Infrastrukturen angebunden werden können, lässt sich industrielle KI in der Breite skalieren.

Ebenso entscheidend ist eine belastbare Datenbasis. Produktionsdaten liegen heute häufig in Silos, sind unstrukturiert oder nicht ausreichend kontextualisiert. Sie müssen durchgängig verbunden und auf einer gemeinsamen semantischen Ebene zusammengeführt werden. Erst dann kann industrielle KI Informationen zuverlässig interpretieren und in fundierte Handlungsempfehlungen übersetzen.

Hinzu kommen praxistaugliche Rahmenbedingungen. Unternehmen brauchen Klarheit darüber, wie sie robuste, sichere, erklärbare und regulatorisch konforme KI-Anwendungen umsetzen können. Regulatorische Sandboxes und Reallabore können dabei helfen, Lösungen unter realistischen Bedingungen zu erproben und schneller in die Anwendung zu bringen. Hohe Anforderungen an Cybersecurity, Vertrauenswürdigkeit und funktionale Sicherheit sollten dabei nicht als Hindernis, sondern als Qualitätsmerkmal industrieller KI aus Europa verstanden werden.

Welche Ergebnisse oder Impulse sind aus der Neuausrichtung der Plattform zu erwarten?
D. Vielsäcker: Die Neuausrichtung ist kein vollständiger Neustart, sondern eine konsequente Evolution. Wir können auf wichtigen Ergebnissen der bisherigen Arbeit aufbauen. Mit der Initiative 8ra für ein Multi-Provider Cloud-Edge-Kontinuum wurden wichtige Grundlagen für eine robuste und skalierbare Infrastruktur geschaffen. Manufacturing-X und Catena-X haben zugleich den Weg für souveränen Datenaustausch, Datenökosysteme und gemeinsame Semantiken bereitet. Diese bestehenden Bausteine werden nun unter einem klaren Fokus auf industrielle KI zusammengeführt und weiterentwickelt.

Von der Plattform sind konkrete Impulse entlang des gesamten KI-Technologie-Stacks zu erwarten: von Cloud-Edge-Infrastrukturen und der Anbindung bestehender Anlagen über Data Alliances und gemeinsam nutzbare industrielle Datensätze bis hin zu Standards für Industrial Foundation Models und industrietaugliche KI-Anwendungen. Zugleich öffnen wir die Plattform gezielt für weitere Anwenderbranchen, Tech-Unternehmen, den Mittelstand und Start-ups und verbreitern damit das Strategienetzwerk für industrielle KI in Deutschland.

Ein weiterer Schwerpunkt wird der Transfer sein. Ergebnisse müssen stärker in die Breite der Industrie gelangen und insbesondere für mittelständische Unternehmen praktisch nutzbar werden. Gleichzeitig wollen wir bestehende Initiativen und Netzwerke enger miteinander verbinden, internationale Kooperationen vertiefen und praxistaugliche Empfehlungen für Standards und regulatorische Rahmenbedingungen erarbeiten.

Das gemeinsame Ziel ist, industrielle KI bis 2030 spürbar in der Breite der deutschen und europäischen Industrie zu verankern.

Lesen Sie dazu auch die Meldung: Plattform Industrie 4.0: Neuausrichtung mit klaren Zielen

Plattform Industrie 4.0 (ih)
2 / 2

Ähnliche Beiträge