Offene Architektur statt geschlossener Systeme
ifm setzt bewusst auf offene Schnittstellen wie OPC UA, MQTT oder Modbus, um Daten aus unterschiedlichen Maschinenwelten einzubinden. „Unsere Lösung funktioniert nicht nur in der ‚orangen Welt‘ von ifm, sondern lässt sich mit bestehenden Systemen im Brownfield verbinden.“ Gerade für mittelständische Betriebe sei das ein wichtiger Aspekt, weil sie schnell starten und ohne lange Integrationsprojekte Mehrwert erzielen können. Hinzu komme der Kostenvorteil. „Wenn man sich gängige Systeme anschaut, spricht man schnell über Investitionen in Höhe von 100.000 € und mehr“, so M. Al Kadari. „Unsere Lösung startet inklusive Beratung bei etwa 5.000 €. Damit wird Digitalisierung auch für kleinere und mittlere Unternehmen realistisch.“
Dabei gelte für alle moneo-Projekte das Prinzip „Start smart & scale fast“. Viele Kunden beginnen mit einem kleinen Pilotprojekt, beispielsweise der Überwachung eines Filters. „Sobald der Mehrwert sichtbar ist, kann die Lösung schrittweise auf weitere Anlagen ausgerollt werden.“
Als anschauliches Beispiel für diesen niederschwelligen Einstieg nennt er den IO-Key. „Das ist unser kleinstes Edge-Gateway, an das zwei Sensoren angeschlossen und mit dem zum Beispiel ein dezentraler Tank überwacht werden kann. Der Füllstand wird dann direkt in der App angezeigt“, informiert er. Mit einem Preis ab rund 1 000 € sei das Gerät ideal, um in die Datenwelt einzusteigen. M. Al Kadari betont: „Unsere Kunden kaufen kein Gerät, sondern eine IIoT-Lösung. Und wenn sie sehen, dass sie damit einen simplen Use-Case wie eine Füllstandüberwachung lösen können, verstehen sie schnell, dass sich das Prinzip auf ganze Linien oder Standorte ausrollen lässt.“
Skalierbare Use-Cases vom Tank bis zur Pumpe
„Gerade bei Tankapplikationen und im Pumpenmonitoring sehen wir enorme Potenziale“, erklärt M. Al Kadari mit Blick in die Praxis. In der Lebensmittelherstellung sind die genaue Zusammensetzung und Durchmischung von Flüssigkeiten entscheidend für die Produktqualität. Jede Abweichung kann kostspieligen Ausschuss verursachen. „Um jeglichen Ausschuss zu vermeiden, setzen viele unserer Kunden auf einfache Tankapplikationen, die sich über Hunderte Tanks skalieren lassen. Das lässt sich technisch sehr einfach und wirtschaftlich abbilden und zudem ein schneller Return on Investment erzielen“, informierter weiter.
Ein ähnliches Bild zeige sich in der diskreten Fertigung, wo Pumpen häufig zu den kritischen Komponenten gehören. „Wenn eine Pumpe ausfällt, hat das oftmals unmittelbare Auswirkungen auf die gesamte Produktion oder Anlagenverfügbarkeit“, berichtet er. „Durch Schwingungsüberwachung können wir solche Ausfälle frühzeitig erkennen.“
Der Ansatz sei dabei immer der gleiche: präventiv statt reaktiv handeln. „Wir betrachten gemeinsam mit unseren Kunden, was es kostet, das Problem jetzt zu lösen – oder später“, erklärt M. Al Kadari. „Gerade im Bereich Maintenance liegen viele Daten vor, die zeigen, wie häufig Produktionsausfälle auf Pumpenschäden zurückzuführen sind. So lässt sich der Return on Investment sehr einfach nachvollziehen.“ Am Ende zähle, dass der Kunde energieeffizienter arbeitet, seine Instandhaltungskosten reduziert oder einen höheren Output generiert.
Mit Blick in die Zukunft sieht er große Potenziale in der Lebensmittelindustrie. Hier kann ifm seine Stärke ausspielen: ein breites Portfolio an Prozessinstrumentierung kombiniert mit digitalen Tools, die aus Messwerten Mehrwert generieren. „Wir differenzieren uns am Markt, weil wir nicht nur die Prozesssensoren liefern, sondern die gesamte Lösung – inklusive der Möglichkeiten, Daten sinnvoll zu nutzen“, stellt er noch einmal heraus. Als zweites Wachstumsfeld nennt er Asset Health, also die „Gesundheit“ von Maschinen und Anlagen. „Es geht darum, aus Schwingungen, Drücken und Temperaturen ein Gesamtbild zu erzeugen, das einen Überblick über den Maschinenzustand liefert. Damit lässt sich dann der Schritt von reaktiver zu vorausschauender Wartung realisieren. Auch hier profitieren unsere Kunden von unserem Produkt- und Prozess-Know-how.“
Einstieg und Skalierung so einfach wie möglich
Mittlerweile setzen mehr als 2.500 Kunden weltweit moneo ein – von kleinen Mittelständlern bis zu globalen Konzernen der Lebensmittel- und Automobilindustrie. M. Al Kadari ist sich allerdings bewusst: „Auch wenn wir schon länger Lösungen für Sensorik, Datenverarbeitung und Softwareintegration aus einer Hand anbieten, ist dieses Komplettangebot noch nicht in allen Köpfen angekommen. Weltweit haben wir rund 180.000 Kunden.“ Ein Großteil von ihnen nutze moneo bereits unbewusst, weil in die IIoT-Plattform die Parametrierungssoftware eingebunden ist: „Für jeden Sensor, den ein Kunde bei uns erwirbt, kann er auch moneo configure beziehen. Und das ist der Einstieg in unsere moneo-Welt.“
Um den Kunden die nächsten Schritte so einfach wie möglich und vor allem das Thema Skalierung optimal zu gestalten, hat ifm in den letzten Jahren weitere Verbesserungen an seiner IIoT-Plattform vorgenommen. Beispielsweise konnte sie ursprünglich nur on-premises betrieben werden. Mittlerweile wurde sie in eine cloudbasierte Architektur überführt. „moneo läuft jetzt in einer Managed-Architektur auf Microsoft Azure“, führt M. Al Kadari aus. Dabei sei der Schritt in die Cloud für ifm ein echter Meilenstein gewesen. „Dadurch haben wir sowohl in der Geschwindigkeit unserer Softwareentwicklung als auch beim Kunden vor Ort ganz andere Skalierungsmöglichkeiten.“ Denn über die Cloud können mehrere Standorte einfacher eingebunden und die Einstiegshürde für den Kunden gesenkt werden, weil er keine eigene IT-Infrastruktur oder Updates mehr managen muss. „Seit dem Cloud-Launch sehen wir deutlich mehr Dynamik und Akzeptanz“, lautet sein Fazit.
Ausblick: Generative KI und neue Module
Auch die Weiterentwicklung der Plattform läuft auf Hochtouren. „Die nächste Evolutionsstufe kommt jetzt mit generativer KI“, kündigt M. Al Kadari an. „Ein KI-basiertes Modul wird den Anwendern künftig über Sprachsteuerung intuitiv Auskunft über den Zustand ihrer Maschinen geben.“ Der digitale Assistent kann beispielsweise Fragen beantworten wie: Wann steht der nächste optimale Wartungszeitpunkt an? Die Informationen basieren auf den Live-Daten aus der Produktion.
Parallel arbeitet ifm an einem neuen Modul im Bereich Asset Health, das sich speziell auf rotierende Komponenten, wie Motoren, Lüfter oder Pumpen, konzentriert. „Mit diesem können Anwender künftig nicht nur Anomalien erkennen, sondern auch deren Ursache identifizieren“, erläutert M. Al Kadari. „Das heißt, der Anwender bekommt im Ticketing-System künftig nicht nur eine Warnung, dass etwas passiert ist, sondern auch warum – das ist Root-Cause-Analyse in Echtzeit.“
Und noch ein Thema ist ihm wichtig: Einen weiteren Schritt, um den Einstieg in die Digitalisierung zu vereinfachen, sieht er in der Bereitstellung vorkonfigurierter Lösungen für typische Brownfield-Szenarien. „Wir haben die gängigsten Use-Cases dokumentiert– von der Pumpenüberwachung bis zur Lüfterdiagnose. Wir liefern komplette Pakete aus Sensorik, Verkabelung und moneo-Bausteinen, mit denen Kunden sofort starten können.“ Gerade für Bestandsanlagen sei das ein entscheidender Vorteil: „Viele unserer Kunden fragen: Was brauche ich eigentlich, um loszulegen? – und genau das beantworten wir jetzt mit fertigen Lösungspaketen“, nennt er den Nutzen. Damit schließt sich der Kreis von der einfachen Datenerfassung über intelligente Analytik bis hin zur KI-gestützten Ursachenanalyse.
Fazit
Zusammenfassend erklärt M. Al Kadari: „Wir nehmen unseren Kunden die Komplexität, aus Daten Informationen zu machen. Der Anwender muss kein Data Scientist sein, um Trends zu erkennen oder Wartungsentscheidungen zu treffen. moneo führt ihn intuitiv zu den relevanten Erkenntnissen.“ Wichtig ist es ihm dabei, dem Kunden Eigenständigkeit zu geben, mit Technologie, die Komplexität zu reduzieren und Mehrwert sofort sichtbar zu machen. „Mit moneo bieten wir unseren Kunden eine offene und skalierbare Plattform, die gemeinsam mit ihren Bedürfnissen, ihren Anforderungen und ihrem Reifegrad wächst – Schritt für Schritt, vom Sensor bis in die Cloud.“
SPS: Halle 7A, Stand 302

