E-CAD wandelt sich vom Zeichenwerkzeug über KI-Assistenz zur Engineering Intelligence. (Quelle: WSCAD)
Die Diskussion über KI in der Elektrokonstruktion konzentriert sich bislang stark auf Copiloten und Assistenzfunktionen. Diese unterstützen Konstrukteure bei einzelnen Aufgaben, stellen Informationen bereit oder automatisieren Prozessschritte. WSCAD verfolgt diesen Ansatz seit Ende 2024 mit Electrix AI. Die assistierende KI wird auch künftig eine zentrale Rolle spielen und in Electrix AI konsequent weiterentwickelt. Parallel dazu beginnt jedoch eine zweite, grundlegendere Entwicklung.
Bereits im Titelbeitrag in der openautomation 3 Warum KI die Logik der Elektrokonstruktion neu definiert) hatte WSCAD diese Entwicklung in drei Stufen eingeordnet: von der klassischen Digitalisierung und Automatisierung über die assistierende KI bis hin zum sogenannten AI-native Engineering. Mit Electrix OS nimmt diese nächste Stufe nun konkretere Formen an.
Eine KI-Ebene über dem E-CAD-System
Electrix OS ist nicht als weiterer Copilot innerhalb der bestehenden E-CAD-Software angelegt. Das System bildet vielmehr eine eigene „Engineering-Intelligence“-Ebene, die zwischen Elektrokonstrukteur und E-CAD-Anwendung tritt.
Zum besseren Verständnis lohnt ein Blick auf die bisherige Arbeitsteilung, die sich wie folgt gestaltet: Der Konstrukteur entwickelt die technische Lösung, trifft Entscheidungen und steuert die E-CAD-Software. Diese setzt die Vorgaben um und erzeugt Pläne sowie Dokumentation. Oder anders ausgedrückt: Elektrokonstrukteur → E-CAD-Software → Pläne und Dokumentation.
Mit Engineering Intelligence verschiebt sich diese Architektur hin zu: Der Konstrukteur definiert weiterhin Ziele, technische Anforderungen und Randbedingungen. Die KI-Ebene interpretiert diese Vorgaben, entwickelt daraus technische Lösungswege und stößt anschließend die notwendigen Schritte im E-CAD-System an beziehungsweise führt sie aus. Mensch und KI können damit Engineering-Aufgaben anstoßen, auf technische Informationen und Strukturen zugreifen und die E-CAD-Software steuern. Die fachliche Bewertung und Verantwortung verbleiben beim Menschen. Der neue Workflow wäre also: Elektrokonstrukteur → Electrix OS → E-CAD-Software.
Wesentlich ist dabei, den Konstrukteur nicht zu ersetzen, sondern dank Engineering Intelligence eine Art digitalen Kollegen an die Seite gestellt zu bekommen. Dabei wartet dieser nicht nur auf einzelne Anweisungen, sondern kann Engineering-Aufgaben übernehmen und die dafür notwendigen Arbeitsschritte im E-CAD-System ausführen.
Damit unterscheidet sich der Ansatz grundlegend von klassischen KI-Assistenten. Während ein Copilot innerhalb der vorhandenen Bedienlogik arbeitet und einzelne Arbeitsschritte beschleunigt, kann Electrix OS komplette Engineering-Aufgaben bearbeiten. Das ist ein deutlich größerer Entwicklungsschritt als lediglich „CAD mit KI“.