Tobias Schlichtmann, Vorstandsvorsitzender Namur e. V., bei der Eröffnung der 88. Namur-Hauptsitzung (Quelle: Namur e.V.)

Tobias Schlichtmann, Vorstandsvorsitzender Namur e. V., bei der Eröffnung der 88. Namur-Hauptsitzung (Quelle: Namur e.V.)

Europa steht unter Innovationsdruck. Um Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, muss die Prozessindustrie konsequent auf Digitalisierung, Standardisierung und Künstliche Intelligenz setzen. „Wir müssen die Effizienz und Flexibilität unserer Anlagen weiter steigern und dazu Automatisierung sowie autonome Funktionen als zentrale strategische Hebel nutzen. Sie ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung und eine schnelle Anpassung an ein dynamisches Marktumfeld – und eröffnen damit neue Chancen“, sagt Tobias Schlichtmann, Vorstandsvorsitzender Namur e. V.. Unter dem Leitthema „Der Weg zur autonomen Anlage als Schlüssel für Europas Wettbewerbsfähigkeit“ zeigten Attila Bilgic, CEO Krohne, und Dagmar Dirzus, VP Artificial Intelligence & Platform Business, im gemeinsam gehaltenen Hauptvortrag, wie dieser Weg durch drei zentrale Meilensteine realisiert werden kann:

1. Connectivity – Die digitale Grundlage
Die vollständige Vernetzung aller Feldgeräte und Systeme ist die Basis für moderne Automatisierung. Technologien wie Ethernet-APL, NOA und OPC UA ermöglichen eine sichere, strukturierte und herstellerunabhängige Datenübertragung – auch außerhalb klassischer Automatisierungsebenen. Diese Infrastruktur schafft die Voraussetzung für alle weiteren Digitalisierungsschritte.

2. Beyond Diagnostics – Mehr als nur Zustandsdaten
Moderne Messgeräte liefern nicht nur Diagnosedaten, sondern ermöglichen durch Predictive Maintenance und Plug & Produce eine tiefere Prozessanalyse. Interoperabilität und standardisierte Schnittstellen (z. B. Namur MTP, Verwaltungsschale/AAS) schaffen die Basis für effiziente Zusammenarbeit und Systemintegration.

3. Intelligence in Every Measure – KI als Prozessberater
Messgeräte werden zu intelligenten Informationsquellen. Digitale Zwillinge, KI-gestützte Analyse und lernende Systeme ermöglichen adaptive Steuerungsvorschläge und eine teilautonome Prozessführung.

„Das Messgerät der Zukunft wird weit mehr sein als ein einfacher Sensor – es entwickelt sich von der reinen Datenquelle zum intelligenten Knoten im Gesamtsystem. Wir erhöhen mit einfachen Mitteln die Zahl der Primärmesswerte in einem Messgerät und vervielfachen, unter anderem mit Hilfe eines KI-Agenten, die Anzahl der Prozessinformationen“, erläutert Attila Bilgic. „Mehr Messgrößen in einem Gerät bedeuten weniger Geräte bei gleicher Anzahl an Messparametern, dadurch weniger Planung, Wartung und Kosten. Gleichzeitig bekommen wir eine andere Qualität des Messens durch die Korrelation verschiedener Messgrößen und Auswertung durch KI.“

„Zukünftig werden wir deutlich weniger einfache Messstellen sehen, während die Zahl der intelligenten Messknoten leicht zunimmt“, ergänzt Dagmar Dirzus. „Das bedeutet erheblich verringerte Kosten für Instrumentierung, Wartung und Betrieb der Anlagen. Damit trägt Messtechnik nicht unerheblich zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Prozessindustrie bei.“

Positive Resonanz und weiterführende Inhalte

Das Feedback von Seiten der Namur-Organisation wie auch der Teilnehmer war durchweg positiv – sowohl hinsichtlich der fachlichen Qualität als auch der Atmosphäre der Veranstaltung.

„Die Namur-Hauptsitzung zeigt, wie konsequent wir als Community aus Anwendern und Herstellern an der Zukunftsfähigkeit unserer Branche arbeiten: mit innovativen Technologien wie Ethernet‑APL und NOA, offenen Standards und praxisnaher Unterstützung für die erfolgreiche Umsetzung. Wir schaffen damit nicht nur die Voraussetzung für kosteneffiziente Implementierungen und langfristige Investitionssicherheit, sondern begleiten die Anwender auch von der Projektaufstellung bis zur erfolgreichen Nutzung neuer Lösungen“, zieht T. Schlichtmann das Fazit.

Für Interessierte hat Krohne eine Webseite mit zur Hauptsitzung eingerichtet: namur.krohne.com Dort finden sich Videoaufzeichnungen des Hauptvortrags, der Krohne-Workshop-Präsentationen, Interviews mit Teilnehmern sowie Eindrücke von der begleitenden Ausstellung.

Namur e.V. (hz)

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