Die Industrietechnik bietet für Bosch enormes Wachstumspotential. Seinen Umsatz will das Unternehmen in dem Bereich von derzeit 7 Mrd. € bis 2028 auf über 10 Mrd. € steigen. (Bild: Bosch)
Mit der Übernahme des US-amerikanischen Hydraulik-Unternehmens HydraForce und seinen rund 2 100 Mitarbeitenden entfällt die derzeit größte Akquisition von Bosch auf die Industrietechniksparte. Durch den Zusammenschluss baut Bosch Rexroth seine weltweit führende Position in der Hydraulik aus, liefert Technik für Bagger, Krane, Traktoren und für Maschinen und Anlagen in der Fabrik.
Industrietechnik bietet für Bosch enormes Wachstumspotential. Getrieben wird dies durch den zunehmenden Bedarf an Automatisierung und Industrie 4.0-Lösungen, das „Verschmelzen“ von Elektrik und Hydraulik und die steigende Nachfrage bei GreenTech für den ökologischen Umbau der Wirtschaft. „Mit der Stärkung der Industrietechnik balancieren wir unsere Geschäftsfelder noch besser aus. Die breite Aufstellung als globales diversifiziertes Technologieunternehmen erhöht die Schaffenskraft und Resilienz von Bosch“, sagt Hartung. Dabei übernimmt die Industrietechnik zusätzlich die Funktion als wichtiger interner Dienstleister, rüstet die rund 240 Bosch-Werke weltweit mit Fertigungstechnik aus, um ressourcenschonend und kundenspezifisch zu produzieren. Jährlich verbleiben so Aufträge in Höhe von über 0,5 Mrd. € im Konzern. Auf der Hannover Messe (17.–21. April 2023) stellt Bosch sein Industrietechnik-Portfolio vor, darunter Neuheiten bei kollaborativer Robotik, Steuerungstechnik für Industrie 4.0, energieeffizienter Hydraulik, elektrifizierten Arbeitsmaschinen, stationären Brennstoffzellen für Gebäude und Fabriken sowie automatisiertes Batterierecycling.
Industrie 4.0: Bosch-Software schont Ressourcen
Energie, Material, Rohstoffe – Ressourcen sind rar und kostbar. „Knappheiten begegnen wir mit Effizienz. Wer nachhaltig fertigen will, setzt auf Industrie 4.0“, sagt Hartung. Die Industrie-4.0-Software Nexeed von Bosch Connected Industry beispielsweise steigert die Anlageneffektivität in Fabriken im Schnitt um 5 Prozent, verringert die Instandhaltungskosten um 25 Prozent und reduziert den Ausschuss. Eingesetzt wird Nexeed bereits in mehr als der Hälfte der rund 240 Bosch-Werke und bei über 100 internationalen Kunden. Software hilft auch, konventionelle Technik mit Neuem zu verbinden. Beispiel Hydraulik: Seit über 200 Jahren kommt die Fluidtechnik immer dann zum Einsatz, wenn es gilt, große Lasten mit minimalem Kraftaufwand zu bewegen, etwa bei Kunststoffmaschinen oder Pressen. Dank lastabhängiger Regelung arbeiten drehzahlvariable Pumpenantriebe von Bosch Rexroth heute stets im optimalen Betriebsmodus. Wird keine Leistung benötigt, schalten sie automatisch auf Standby. Im Vergleich zu konventionellen Antrieben senkt das den Energieverbrauch der Hydraulik um bis zu 80 Prozent.
Automatisierung: Bosch-Technik reduziert Komplexität
Demografischer Wandel, Arbeitskräftemangel, begrenzte Ressourcen allgemein: die Herausforderungen nehmen zu. Bosch setzt auf eine Bildungs- und Trainingsoffensive und Technik, die Unternehmen unterstützt und Mitarbeiter entlastet. Der Automatisierungsbaukasten ctrlX AUTOMATION von Bosch Rexroth beispielsweise versteht über 30 Programmiersprachen und ermöglicht Nutzern, eigene Apps und Dienstleistungen zu entwickeln. Über 600 Kunden setzen bereits auf diese zukunftsweisende Form der Automatisierung. „Die drängenden Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wir nur, wenn wir Kräfte bündeln, um gemeinsam mehr zu bewegen. ‚Co-Creation‘ und die Öffnung von Systemen sind dabei wichtige Elemente“, sagt Dr. S. Hartung. Diesen Ansatz verfolgt Bosch Rexroth auch in der Hydraulik. War Regelungstechnik bislang an Hardware gebunden, hat das Unternehmen diese jetzt in Softwarebausteine überführt: Maschinenbauer können so bestehende Automatisierungsarchitekturen weiter nutzen, spezifisches Hydraulik-Know-how ist nicht mehr erforderlich.
Automatisierung hilft zudem, Mitarbeiter unmittelbar zu entlasten, etwa bei monotonen oder anstrengenden Tätigkeiten. Auf der Hannover Messe zeigt Bosch Rexroth gelenkige, motorisch feine Leichtbau-Cobots, die mit sieben Achsen über Ecken greifen und Mitarbeiter beim Beladen, Palettieren und Prüfen von Werkstücken unterstützen. Die Nachfrage ist da. Der weltweite Markt für industrielle Automation wächst rasant: Betrug der Umsatz mit Automatisierungstechnik 2021 knapp 200 Mrd. €, soll der weltweite Markt bis 2030 auf mehr als 400 Mrd. € Umsatz wachsen – mit jährlichen Steigerungsraten von über acht Prozent (Quelle: Precedence Research, 2022). „Megatrends wie Digitalisierung, demografischer Wandel und das Streben nach mehr Nachhaltigkeit forcieren den Bedarf an Automatisierung. Fabrikautomation ist für Bosch ein strategisches Geschäftsfeld, in dem wir jedes Jahr zweistellig wachsen wollen – und damit stärker als der Markt“, so Dr. S. Hartung.