Interview: Herr Peter Jung
Das heißt, Sie decken mit Ihren Box-PC gleichzeitig das nächste Hypethema, Edge Computing, ab. Wie beurteilen Sie diesen Trend?
P. Jung: Edge Computing heißt ja, dass ein aufwendiger Algorithmus lokal gerechnet wird. Das ist möglich, wenn die Rechenleistung eben nicht aus der Cloud kommt, sondern mit Industrie-PC wie unseren Camcollects direkt an der Anlage zur Verfügung steht. Damit verbinden Anwender die Nutzung Künstlicher Intelligenz mit einem hohen Maß an Datensicherheit und Schutz vor Zugriffen von außen: Die entsprechenden KI-Modelle werden von einem Supercomputer in der Cloud gerechnet, auf dem sich der Nutzer Rechenleistung für begrenzte Zeit mieten kann. Anschließend werden die Modelle auf einem Embedded-Industrie-PC implementiert. Bei den Aprotech-Box-PC sind dafür gängige Anwendungen, wie Microsoft Azure oder AWS, direkt installierbar. Im Ergebnis können die Rechenmodelle dann ohne Onlinezugriff ausgeführt werden, sodass kein unbefugter Zugriff von außerhalb auf die Anlage möglich ist und die aktuellen Daten der Maschine nicht in eine Cloud exportiert werden müssen. Das sehen wir als eine sehr interessante Möglichkeit zum Einsatz künstlicher Intelligenz.
Bitte geben Sie abschließend noch einen kurzen Ausblick, wie die Welt der Panel-PC, Touchmonitore und Box-PC in der Industrie von morgen, also der Industrie 4.0, Ihrer Ansicht nach aussehen wird.
P. Jung: Es ist ja, wie vorhin erwähnt, ein gängiges Muster, dass Innovationen aus dem Consumermarkt Einzug in die Industrie halten, sobald sie ausgereift sind und ausreichend Erfahrung zu Robustheit und Lebensdauer bestehen. Eine Vorhersage über bevorstehend Paradigmenwechsel oder wie Innovationen unsere Welt verändern, traue auch ich mir nicht zu.
Sicherlich sind wir nicht alleine, andere Unternehmen ziehen nach. Einige Mitbewerber bieten ebenfalls schon Technologien wie Optical Bonding an. Sie lassen es sich aber, als Option, extra bezahlen. Ansonsten bedeutet die zunehmende Digitalisierung, dass mehr Daten verarbeitet werden müssen – sprich eine größere Rechenleistung benötigt wird. Dafür wird zunehmend GPU-Hardware, die auf neuronalen Netzen basiert, zum Einsatz kommen.
Daten nutzen und auswerten, heißt ja immer auch, sie zu visualisieren und darauf entsprechend zu reagieren. Dazu werden immer mehr Maschinen und Anlagen mit Displays ausgestattet sein, die dem Anwender einen Blick auf Kennwerte und Alarme bieten und die Steuerung der Prozesse ermöglichen. Insofern sehen wir die Entwicklungen rund um die Industrie 4.0 als sehr positiv für alle Branchen.
Aprotech wird seinen Kunden künftig noch mehr entgegenkommen, wenn es darum geht, komplette Lösungen aus einer Hand zu erhalten sowie Software und Design-Services direkt mit den Geräten anzubieten. Die große Nähe zu den Kunden ist und bleibt uns wichtig – und das sehen wir als große Chance und Vorteil für alle Beteiligte. (ih)
Literatur
[1] Aprotech GmbH, Nürnberg: https://aprotech.de
