Interview mit Torsten Singer

Abbildung von Torsten Singer

Bild 02: Schlegel-Produktmanager Torsten Singer erklärt, welche Rolle Funk in der Industrie spielt (Quelle: Schlegel)

Warum wird dann nicht viel häufiger auf Funklösungen gesetzt?

T. Singer: Die passende Lösung für ein bestimmtes Einsatzgebiet zu finden, ist bei Funk etwas komplexer als bei kabelgebundenen Systemen. Im Funkbereich sind viele Faktoren zu beachten, wie etwa andere Funksysteme, die im gleichen Frequenzbereich arbeiten oder das Umfeld, in dem das System verbaut werden soll. Selbst Umwelteinflüsse, wie das Wetter, können das Funksignal beeinflussen.

Und natürlich bietet Funk nicht nur Vorteile. Entscheidende Nachteile von Funk sind das offene System und die Störanfälligkeit. Im Grunde kann jeder, der sich in der Reichweite eines Funksystems befindet, dessen Signale empfangen und lesen. Daher ist zur Sicherung des Signals ein entsprechender Aufwand zu betreiben, etwa durch das Verschlüsseln der Daten.

Bei sehr sensiblen Daten müssen manchmal sogar Störsender angebracht werden, damit die Daten erst gar nicht von einer anderen Quelle empfangen werden können. Denn auch verschlüsselte Daten lassen sich mit entsprechendem Aufwand wieder entschlüsseln.

Gibt es technische Hilfen, um negative Einflüsse zu mindern?

T. Singer: Das Senden von Daten kann durch ein ungünstiges Umfeld, wie zum Beispiel Betonwände, oder durch Störsignale von anderen Funksystemen negativ beeinflusst werden. Während man bei dämpfenden Gegenständen das Signal durch verstärkende Repeater verbessern kann, muss man bei störenden Signalen anderer Funksysteme tiefer in die Trickkiste greifen. So nutzen manche Systeme zum Beispiel Frequenzsprünge, um in ein weniger belastetes Frequenzband zu wechseln, oder prüfen vorab, ob der Kanal frei ist, und senden erst dann die Daten.

Wichtig ist: Funksysteme entwickeln sich immer weiter, werden zuverlässiger und sicherer. Ein gutes Beispiel dafür ist das neue 5G-Netz, das sogar autonomes Fahren ermöglichen soll. Auch in der Industrie zeigen Statistiken einen stetigen Zuwachs an eingesetzten Funksystemen in den letzten Jahren und prognostizieren eine noch höhere Verbreitung in den nächsten Jahren, sodass man davon ausgehen kann, dass sich Funk auch in der Industrie weiter etablieren wird.

Gibt es technische Restriktionen oder Mindestanforderungen beim Einsatz von Funklösungen?

T. Singer: Konkrete Mindestanforderungen gibt es grundsätzlich nicht, außer natürlich, dass das Funksystem die Daten den Anforderungen und dem Umfeld entsprechend sicher und zuverlässig liefern können muss. Jedoch sind zwei wichtige Punkte zu beachten: die Frequenz, auf der gesendet werden soll und die gesetzlichen Richtlinien.

Es ist nicht erlaubt, auf einer beliebigen Frequenz zu senden, viele Frequenzen sind lizenzpflichtig, und zudem hat jedes Land seine eigenen Bestimmungen, welche Frequenz überhaupt genutzt werden darf. Und wer Funksysteme in Verkehr bringen will, muss sich außerdem mit der Richtlinie 2014/53/EU (Funkanlagen-Richtlinie beziehungsweise Radio Equipment Directive, RED) befassen, um die Konformität für das System erklären zu können.

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