Janitza-Energy-Day-Moderatoren-Duo Julia Nestle (Moderatorin, Hit Radio FFH) und Holger Dietz (Senior Key Account Manager, Janitza electronics) (Quelle: Janitza electronics GmbH)

Janitza-Energy-Day-Moderatoren-Duo Julia Nestle (Moderatorin, Hit Radio FFH) und Holger Dietz (Senior Key Account Manager, Janitza electronics) (Quelle: Janitza electronics GmbH)

Pünktlich um 09:00 Uhr startete die Live-Übertragung, durch die die von Radio FFH bekannte Moderatorin Julia Nestle und der Janitza Senior Key Account Manager Holger Dietz führten (Bild 1). Normalerweise prägen Ideen, Strategien, Lösungen und ein sachlicher Optimismus die Stimmung bei Veranstaltungen, wie dem Janitza Energy Day. Das war am 01. Februar nach dem ersten Vortrag vorübergehend anders. Es herrschte betroffenes Schweigen. Dabei hatte Patrick Steiß, Umwelt- und Energiemanager bei Janitza, nur Fakten aufgezählt. Aber die hatten es in sich, denn Ökosysteme und damit die menschliche Existenz sind unmittelbar bedroht.

Keine Zeit mehr zu verlieren

Patrick Steiß stellte das Konzept der Earth Kommission zu neun planetaren Grenzen vor. Diese beziehen sich beispielsweise auf den Klimawandel, neuartige Substanzen, die die Ozonschicht beeinflussen, Luftverschmutzung, Ozeanversauerung, Stoffkreisläufe und die Biosphäre. Das Konzept wirkt abstrakt, hat aber sehr klar definierte Grenzen. Bei der letzten Aktualisierung 2023 waren sechs von neun Grenzwerten überschritten. Das Konzept umfasst auch die Dimensionen des menschlichen Wohlergehens und der sozialen Gerechtigkeit. Auch hier sind schon zwei von drei Grenzwerten überschritten.

Was das bedeutet, erläuterte Patrick Steiß am Beispiel der Erderwärmung: Eine Erwärmung um 1,5 °C ist ökologisch noch verkraftbar. Die soziale Grenze, die sich auf die menschliche Zivilisation bezieht, liegt aber bei maximal 1 °C. Und die sind bereits deutlich überschritten. Damit bricht nicht alles zusammen, aber das Risiko ist drastisch gestiegen, dass es zu Tipping Points, zu Kipp-Punkten, kommt.

Die Folgen sind sichtbar: Bereits jetzt leiden 3,6 Milliarden Menschen mindestens einen Monat im Jahr unter extremem Wassermangel. Hauptsächlich in Afrika. Bis 2050 werden dreiviertel der Menschheit bedroht sein.

Durch den Anstieg des Meeresspiegels leiden Küstenregionen unter Sturmfluten, Überschwemmungen, Versalzung der Böden und Erosion. Damit gehen diese Lebensräume für Menschen und Tiere für immer verloren. Bei 1,5 °C wird der Anstieg noch moderat ausfallen. 200 Millionen Menschen werden darunter leiden. Bei 2 °C sind es 630 Millionen. Das wird auch Lebensräume wie die Region Hamburg oder die Niederlande betreffen.

Erfolgsmodell Reduktion

Nach der aufwühlenden Einführung betrat Reinhold Messner die Bühne. Neben spannenden Berichten aus seinem Schaffen präsentierte er seinen persönlichen Lösungsansatz: „Wir sollten freiwillig, nicht aufgezwungen, auf Konsum verzichten. Ein Drittel weniger würde uns überhaupt nicht stören.“ Wie gut das geht, verdeutlichte er anhand seiner spektakulären Besteigungen des Nanga Parbat. Bei der Ersten nahm er an einer Expedition 1970 teil, die aus 18 Teilnehmern bestand und rund neun Tonnen Material erforderte. 1978 wiederholte er den Aufstieg allein – mit 60 kg Gepäck.

R. Messner bestätigte die Warnungen von Patrick Steiß: „Ich bin kein Wissenschaftler, sehe aber seit über 50 Jahren an den Bergen sehr klar, was passiert.“ Als Hauptproblem in den Alpen identifizierte er den Schwund des Permafrostes, der die Felsmassen zusammenhält. Mit dem Schmelzen fallen riesige Felsstücke, ja ganze Wände zusammen, wodurch nicht nur viele Regionen in den Alpen unbewohnbar werden, sondern auch die Wasserversorgung von Städten wie München oder Mailand gefährdet wird. Dabei machen die Alpengletscher nicht einmal 1 % des Erdeises aus. Das meiste liegt in der Antarktis, fast 90%. Aber auch am Nordpol schwindet das Eis. Mittelfristig wird dies den Golfstrom verändern, mit noch nicht absehbaren Konsequenzen.

Die Szenarien sind bedrückend, aber noch ist es nicht zu spät, die schlimmsten Folgen abzuwenden, wie die nachfolgenden Vorträge bewiesen.

Efficiency First: Vom Energie- zum Klimamanagement

Den nächsten Vortrag bestritt Christian Noll, Vorstandsvorsitzender der Deneff, der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. Rund 240 Unternehmen vom Startup bis zum Großunternehmen sind in dem Verein vertreten, darunter auch Janitza. Das Motto lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Die beste Kilowattstunde ist die, die ich nicht verbrauche.“ Der Stromverbrauch muss nicht nur auf grün umgestellt, sondern reduziert werden.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das EnEfG (Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland), das zu Jahresbeginn in Kraft trat. „Dafür hat sich die Deneff 13 Jahre lang eingesetzt“, so C. Noll. “Es gibt schon lange ein Erneuerbare-Energien-Gesetz. Wir haben uns gefragt, warum es kein Gesetz für die eingesparte Kilowattstunde gibt.“ Alle seriösen Klimaszenarien sprechen dafür. Um die Erderwärmung zu stoppen, muss der Endenergiebedarf um etwa 40% reduziert werden (Bild 2). Strom wird dabei der wichtigste Energieträger bleiben. Er wird in vielen Anwendungen sogar andere Energieträger ersetzen, was zu einem höheren Stromverbrauch führen kann. Der Gesamtenergieverbrauch wird jedoch sinken und damit vor allem der CO2-Ausstoß, da mehr und mehr grüner Strom fossile Energieträger ersetzen wird. Noll betont, dass mit dem Verbrauch nicht die Wirtschaft schrumpfen, sondern die Effizienz gesteigert werden muss. Technische Lösungen sind vielfach schon vorhanden.

Emissionen eines Unternehmens lassen sich in drei Scopes unterteilen. Scope 1 umfasst direkte Emissionen und Scope 2 den vorgelagerter Energiebezug. Die größte Herausforderung ist Scope 3, die vorgelagerte Wertschöpfungskette.

Auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung fangen die meisten Unternehmen mit Scope 2 an, etwa mit dem Wechsel des Stromanbieters. Danach stehen Investitionen in Energieeffizienz an, oft auch Eigenerzeugung. Auch Abwärme spielt eine große Rolle. Soweit sie sich nicht vermeiden lässt, kann sie im Unternehmen selbst verwendet oder in öffentliche Netze eingespeist werden.

Einen einfachen Einstieg in die Thematik sind Energiemanagement-Systeme, die für Unternehmen ab einem Jahresverbrauch von 7,5 GWh verpflichtend sind. Bereits ab 2,5 GWh müssen Unternehmen Energieaudits durchführen und Umsetzungspläne veröffentlichen.

Die Deneff begleitet und unterstützt Unternehmen auf diesem Weg, wie C. Noll am Beispiel von Rechenzentren verdeutlicht, auf die rund 3 % des Stromverbrauchs in Ballungszentren entfallen. Ein Großteil dient der Kühlung. Die Abwärme geht meist noch ungenutzt verloren. Die Deneff möchte dies ändern. Auf der Homepage sind etliche Hilfsmittel zu finden, unter anderem ein Wirtschaftlichkeitsrechner, der eine erste Abschätzung zu Investitionsbedarfen und Wirtschaftlichkeit neuer Abwärmeprojekte erlaubt. Dazu ein Matching-Tool, das Abwärmepotenziale aufzeigt und so Anbieter und Abnehmer von Rechenzentren-Abwärme zusammenbringt. Abgerundet wird das Angebot von best-practice-reports und einer Übersicht über Regularien und Fördermengen. „Salopp gesagt: Von der Aalzucht bis zur Zentralheizung gibt es Einsatzmöglichkeiten“, schließt C. Noll ab.

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