In seiner Keynote verdeutlichte der bekannte Autor Marc Elsberg anhand seines Bestsellers „Blackout“ sehr plastisch die Bedeutung von Versorgungssicherheit (Quelle. Janitza)

In seiner Keynote verdeutlichte der bekannte Autor Marc Elsberg anhand seines Bestsellers „Blackout“ sehr plastisch die Bedeutung von Versorgungssicherheit (Quelle. Janitza)

„Derzeit ist Blackout-Vorsorge unser Hobby.“ Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim, redet Klartext. Und er steht damit für die gesamte Veranstaltung. Es wurde keine Panik geschürt, aber auch nichts beschönigt. Doch von vorn. Janitza hatte wieder zum Energy Day geladen, diesmal ins Studio der liveFrame Production GmbH in Frankfurt, denn es sollte eine hybride Veranstaltung werden. So konnten zum ersten Mal 50 hochkarätige Besucherinnen und Besucher vor Ort mit dabei sein, per Internet beteiligte sich die beeindruckende Zahl von 600 Zuschauern. Sie konnten sogar per Chat Fragen stellen, die der Profi-Moderatorin Evren Gezer direkt aufs Tablet gespielt wurden. Fachlich unterstützt vom Janitza Senior Key Account Manager Holger Dietz führte sie souverän durch den Tag.

Ein erster Höhepunkt war gleich zu Beginn die Keynote des bekannten Autors Marc Elsberg. Er verdeutlichte anhand seines Bestsellers „Blackout“ sehr plastisch die Bedeutung von Versorgungssicherheit. In Form eines Thrillers beschreibt er die Folgen eines europaweiten Stromausfalls, der von Terroristen mittels einer manipulierten Software verursacht wurde. Das klingt zunächst nach spannender Unterhaltung, der Hintergrund ist jedoch mehr als beunruhigend: Im Rahmen seiner Recherche fragte Elsberg unter anderem IT-Sicherheitsleuten, wie sie das Stromnetz lahmlegen würden. Beunruhigend daran war nicht, dass dies prinzipiell möglich ist. Wirklich aufgeschreckt hat Elsberg, dass die Befragten ihm innerhalb kürzester Zeit eine ganze Reihe von gut konzipierten Möglichkeiten nannten, so einen Angriff durchzuführen.

Auf weitere Risiken ging auch der eingangs erwähnte Dr. Brühl ein, der in seinem Vortrag die Risiken und Herausforderungen beschrieb, mit denen sich Energieversorger und Netzbetreiber heute auseinandersetzen. Er machte dabei zwei schwerwiegende Probleme aus: Zum einen gibt es seit der Liberalisierung des Energiemarktes und der damit verbundenen Trennung von EVU und Netz keinen Gesamtverantwortlichen mehr. Das zweite Problem ist die Energiewende, die er knapp und pointiert als „langfristig richtig, aber kurzfristig teuer“ beschrieb. Die Konsequenz sind Sparmaßnahmen, denen teilweise auch Maßnahmen zur Versorgungssicherheit zum Opfer fallen. Das Blackout-Szenario von Marc Elsberg könnte real werden. Dabei gibt es Möglichkeiten, das Netz widerstandsfähiger zu machen.

Bedroht, aber nicht wehrlos

„Ein stabiles Stromnetz braucht auch ein stabiles digitales Netz“, fordert (Bild 6). Zusammen mit Marcel Karell, Account Manager Energieversorger bei Janitza, schlägt er ein Internet der Energie vor, das der Energiewirtschaft eine sichere Kommunikation unabhängig vom klassischen Internet ermöglicht. Seine Lösung sieht eine digitalisierte Lastflussmessung in Verteilnetzen, Ortsnetzstationen und Kabelverteilern in Verbindung mit dem Netzanalysator UMG 801 von Janitza vor. Damit lassen sich Energiedaten unabhängig von neuen Bedrohungslagen und den wirtschaftlichen und strategischen Interessen der wenigen, großen Player des Internets übermitteln.

Einen weiteren Aspekt brachte Christian Noll ins Spiel, Mitgründer und Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF). Er beschrieb, wie moderne Energieeffizienz mit Versorgungssicherheit zusammenhängt. Sein Punkt: Die sicherste, günstigste und sauberste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen. Dieses Potenzial wird bisher nicht ausreichend genutzt. So wurde mit den jüngsten Maßnahmen der Politik eher Konsum subventioniert als Energieeffizienzmaßnahmen gefördert. Dabei ließen sich vor allem in der Industrie beispielsweise bei Antrieben und Beleuchtung signifikante Einsparungen ohne Produktivitätsverluste erzielen. Entsprechende Produkte gibt es. Die Politik müsste hier mit einem gesetzlichen Rahmen für Planungssicherheit sorgen. Ein Energieeffizienzgesetz liegt bisher nur als Referentenentwurf vor.

Erste Lösungen

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. Wie sich Energie besser nutzen lässt, beschrieb Dr. Béla Waldhauser, CEO der Telehouse Deutschland GmbH. Er will die Abwärme seines Rechenzentrums nutzen, um das zukünftige Wohnquartier Westville im Frankfurter Gallusviertel mit Nahwärme zu versorgen. Dort entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft des Rechenzentrums gerade  1.330 Wohnungen, drei Kitas, Läden und Gastronomie. Rund 3.000 Menschen werden dort leben und arbeiten. Das Projekt von Telehouse ist aktuell in Deutschland das größte seiner Art. Waldhauser schränkt aber auch ein: Das Konzept ist nicht beliebig skalierbar. Der Bereich für die Nahwärme ist, wie schon der Name sagt, begrenzt. Aber bei einem Gesamtverbrauch aller deutschen Rechenzentren von 16 TWh bieten sich noch erhebliche Potenziale.

Eine sehr gut umsetzbare Lösung präsentierte Tobias Irouschek, Energiemanagementbeauftragter am Standort Dörzbach bei der Arnold Umformtechnik GmbH & Co. KG. Er nutzt die Netzvisualisierungssoftware GridVis von Janitza, um die Netzqualität und den Energieverbrauch gemittelt auf Tonnage im Werk zu überwachen. 600 Messgeräte liefern die erforderlichen Daten. Das Publikum konnte sich per LED-Screen unmittelbar von den Möglichkeiten des Monitorings überzeugen. Irouschek loggte sich vom Rednerpult aus direkt in die Anlage ein. Er konnte auch schon auf erhebliche Erfolge verweisen. Durch das Lastmonitoring fiel der hohe Energieverbrauch bei der Trocknung von Bauteilen auf. Durch eine Änderung im Prozess – die Teile wurden vor dem Trocknen kurz geschleudert – ließ sich der Energieverbrauch erheblich senken.

Tücken der Versorgungssicherheit

Wenn Hochverfügbarkeit gefordert ist, werden Netzersatzanlagen wie Notstromaggregate benötigt. Deren Betrieb ist alles andere als trivial, das beginnt schon mit der Baugenehmigung. Diesem Thema widmeten sich Frank Strobel, Geschäftsführer der PQ Professionals GmbH in Leipzig und Gerald Fritzen, Business Development Manager bei Janitza. Strobel beschäftigt sich bereits seit über 20 Jahren mit den Phänomenen der Spannungsqualität und der leitungsgebunden EMV. Zusammen mit Gerald Fritzen ging er auf Black-Building-Tests ein, also dem Anfahren einer Netzersatzanlage, wenn das öffentliche Netz ausgefallen ist. Diese Tests sind immens wichtig für kritische Infrastruktur, um bei tatsächlichen Netzausfallszenarien unabhängig zu sein und lebenswichtige Funktionen zu erhalten. Der reibungslose Ablauf ist jedoch nicht selbstverständlich. So ein kleines, lokales Netz reagiert auf Störungen wie Transienten oder Oberschwingungen viel empfindlicher, als die öffentliche Stromversorgung. Deshalb sind Tests und Untersuchungen wichtig, damit es im Ernstfall nicht zu einem versorgungstechnischen „Blindflug“ mit unvorhersehbaren Ausfällen kommt.

Juristisches zum Abschluss

„Der Rechtsrahmen für den Blackout – wer haftet, wenn es dunkel wird?“, so lautete der Titel des Vortrags von Dr. Michael Weise, Rechtsanwalt bei der bbh PartGmbB (Becker, Büttner, Held). Er rundete damit das weitgesteckte Themenfeld am Ende des Tages ab. Sein Fazit vorweggenommen: „Miteinander reden hilft. Das ist besser als streiten.“ Damit bezog er sich auf die verschiedenen Maßnahmen, die EVU und Netzbetreibern offenstehen, um das Netz zu stabilisieren. Der Gesetzgeber räumt den Unternehmen hier einige Handlungsspielräume ein, ohne dass sie Schadensersatzforderungen befürchten müssten. Damit soll vermieden werden, dass notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität aus Angst vor Klagen unterbleiben. Die Prozesse sind umfassend beschrieben. Neben technischen Maßnahmen, wie der Ausnutzung zulässiger Toleranzbänder, und Notfallmaßnahmen gehören dazu auch marktbezogene Maßnahmen.

Darunter fallen beispielsweise Erzeugungs- und Lastmanagement sowie vereinbarte ab- und zuschaltbare Lasten. Gerade hier sieht Weise noch viel ungenutztes Potenzial. Werden im Vorfeld Absprachen über mögliche (angekündigte) Abschaltungen und damit verbundene finanzielle Kompensationen getroffen, gewinnen alle Parteien Planungssicherheit.

Fazit

Die Netze müssen sicherer werden, aber die Werkzeuge und Methoden hierfür sind vorhanden. Konsequent angewandt können sie die Energieversorgung gegen alle möglichen technischen Probleme, aber auch kriminelle Angriffe schützen.

Janitza hat mit dem Energy Day 2023 das Thema Versorgungssicherheit aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und Handlungsoptionen aufgezeigt. Dank professioneller Studiotechnik und Moderation gelang es, das schwierige Thema praxisnah und spannend zu präsentieren.

Janitza (hz)

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