Mit S7-AIT bringt IBHsoftec künstliche Intelligenz dorthin, wo sie im Automatisierungsalltag besonders wertvoll ist: direkt an das SPS-Projekt und die reale Steuerung (Quelle: IBHsoftec)
Die eigenständige Windows-Anwendung greift über die Openness-Schnittstelle direkt auf Siemens-TIA-Portal-Projekte zu. Dabei analysiert sie Programmbausteine, Datenstrukturen und Querverweise und erläutert deren Zusammenhänge. Anwender können beispielsweise abfragen, welche Bedingungen eine Motorfreigabe verhindern, warum ein bestimmter Schritt einer Schrittkette nicht ausgeführt wird, an welchen Stellen ein Funktionsbaustein aufgerufen wird oder welcher Baugruppe ein bestimmter Eingang zugeordnet ist. Dies soll insbesondere die Einarbeitung in bestehende Anlagen sowie die Fehlersuche in umfangreichen SPS-Projekten erleichtern. Auch die Erstellung technischer Dokumentationen wird unterstützt.
Grafische Programmanalyse und Online-Diagnose
Eine Besonderheit ist die grafische Aufbereitung von SPS-Programmen. Der Copilot kann verfügbare Programmquellen in FUP (Funktionsplan), KOP (Kontaktplan) und Graph auswerten und daraus lokale grafische Ansichten rekonstruieren. So lassen sich beispielsweise GRAPH-Schrittketten einschließlich ihrer Schritte, Aktionen und Transitionen darstellen und gezielt auf die Bedingungen für einen Schrittwechsel untersuchen. Auch die logischen Verknüpfungen in Funktionsplänen können visualisiert werden. Die Ansichten bieten Zoomfunktionen, eine Netzwerkauswahl sowie die Möglichkeit, Darstellungen als PNG-Datei zu speichern. Bei Bedarf kann der betreffende Baustein direkt im Originaleditor des TIA Portals geöffnet werden.
Über eine Online-Verbindung zur ausgewählten Steuerung bezieht die Software zudem aktuelle Betriebsinformationen und Prozesswerte in die Analyse ein. Unterstützt werden Simatic S7-300, S7-400, S7-1200 und S7-1500 sowie WinAC RTX. Abhängig von Steuerungstyp, Firmware und Zugriffsberechtigungen lassen sich unter anderem der CPU-Status abfragen, Variablenwerte lesen und bei unterstützten Steuerungen Einträge aus dem Diagnosepuffer auswerten. Durch die Verknüpfung von Programmstruktur und tatsächlich gelesenen SPS-Werten können mögliche Fehlerursachen gezielter eingegrenzt werden. Dies ist insbesondere bei der Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung von Anlagen hilfreich.
Neben dem SPS-Programm berücksichtigt die Anwendung auch verfügbare Informationen aus der Hardwarekonfiguration und aus HMI-Projekten. Dazu zählen konfigurierte CPUs, Ein- und Ausgangsbaugruppen, Adressbereiche, Netzwerkinformationen sowie unterstützte HMI-Bilder und Variablen. Damit lassen sich auch komplexe Automatisierungsprojekte umfassender untersuchen und dokumentieren.
Verschiedene KI-Modelle und TIA-Portal-Versionen unterstützt
Bei der KI-Anbindung setzt IBHsoftec auf Flexibilität. Anwender können zwischen verschiedenen KI-Diensten wählen, darunter OpenAI, Google Gemini, Anthropic und Microsoft Foundry. Auch OpenAI-kompatible Schnittstellen werden unterstützt. Darüber hinaus ist die Anbindung eines eigenen Unternehmensservers vorgesehen. Damit können Unternehmen eine KI-Infrastruktur nutzen, die ihren betrieblichen und datenschutzrechtlichen Anforderungen entspricht. Die für eine Analyse benötigten Projektinformationen und gegebenenfalls aktuellen SPS-Werte werden gezielt dem jeweiligen KI-Dienst bereitgestellt. Bei vertraulichen Automatisierungsprojekten lässt sich ein entsprechend freigegebener Dienst oder Unternehmensserver nutzen.
Der IBH AI Copilot unterstützt Siemens TIA Portal von Version V13 bis V21, einschließlich V14 SP1 und V15.1. Beim Öffnen eines Projekts erkennt die Anwendung automatisch die passende installierte TIA-Portal-Openness-Version. Voraussetzung ist, dass die entsprechende TIA-Portal-Version auf dem Rechner installiert und der Openness-Zugriff verfügbar ist. Als eigenständige Windows-Anwendung ergänzt der Copilot die bestehende Engineering-Umgebung, ohne dass vorhandene SPS-Projekte umgestellt werden müssen.
Wichtig ist dabei die klare Trennung zwischen Analyse und Steuerungseingriff: Der IBH AI Copilot dient ausschließlich der Analyse und Diagnose. Er lädt keine Programme in die SPS, erzwingt keine Variablenwerte und verändert keine CPU-Betriebsarten. Die Kontrolle über die Steuerung verbleibt somit beim Anwender.