Vier Fragen an Axel Zein

Dr. Axel Zein ist CEO der WSCAD GmbH

Dr. Axel Zein ist CEO der WSCAD GmbH (Quelle: WSCAD)

Künstliche Intelligenz ist derzeit Treiber für viele Entwicklungen. Axel Zein erläutert, warum WSCAD im Bereich E-CAD auf diese setzt.

Warum ist KI aus Ihrer Sicht so wichtig im Bereich E-CAD?

A. Zein: KI ist mehr als nur ein Schlagwort, das auf Konferenzen oder auf Titelseiten von Magazinen präsentiert wird. Sie verändert Branchen in einem Tempo, das traditionelle Ansätze alt aussehen lässt. KI kann zeitaufwendige und repetitive Aufgaben automatisieren und blitzschnell Erkenntnisse liefern. Sie verfügt über immer mehr ad-hoc-abrufbares Wissen. Kurzum: KI kann und wird Innovationen vorantreiben und Unternehmen auf das nächste Effizienzniveau führen. Wer KI ignoriert, wird über kurz oder lang versuchen, einen Marathon durch Treibsand zu laufen. Nehmen Sie Apple: Das Unternehmen hat die erste KI-Welle verpasst. Jetzt kämpft es darum, wieder aufzuholen. Aber selbst, wenn ein Unternehmen über die Ressourcen von Apple verfügt, ist es doch besser, den Anschluss erst gar nicht zu verpassen.

Was können oder sollten Unternehmen Ihrer Ansicht nach tun, um den KI-Zug nicht zu verpassen?

A. Zein: Auf keinen Fall KI als vorübergehenden Trend sehen, sondern als langfristige strategische Investition. Unternehmen müssen aktiv in KI-Projekte investieren, auch wenn der unmittelbare Nutzen nicht immer sofort sichtbar ist. Dazu gehört offen zu sein für neue Entwicklungen sowie Partnerschaften mit anderen Technologieunternehmen einzugehen. Außerdem sollten sie die internen Hürden identifizieren, die den Fortschritt bremsen – sei es eine veraltete IT-Infrastruktur oder eine Kultur der Stagnation. Es braucht eine innovationsfreundliche Umgebung, die Fehler toleriert und das Experimentieren erlaubt. Innovation, Führung, Flexibilität und eine starke Unternehmenskultur sind die Grundpfeiler für den Erfolg im Umgang mit KI.

Was bedeutet dies konkret für Führungskräfte und Mitarbeiter?

A. Zein: Für KI-Innovationen braucht es mehr als nur eine ausgeklügelte Technik. Mitarbeiter müssen ermutigt werden, neue Ideen auszuprobieren, ohne Angst vor Misserfolgen oder negativen Konsequenzen. Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ sind der absolute Bremsklotz. Führungskräfte müssen ein Umfeld schaffen, in dem KI und Innovationen gedeihen können. Bedeutet konkret: Hindernisse beseitigen, das Team motivieren, Katalysator sein. Die Devise lautet: Experimentieren fördern, aber gelenkt. Ein guter Ansatz sind interdisziplinäre Teams. KI-Innovationen gedeihen nicht in Silos. Wenn die Leute aus der F&E-Abteilung mit dem Marketingteam sprechen und die Produktdesigner mit den Datenwissenschaftlern zusammenarbeiten, eröffnen sich neue Perspektiven und echte Durchbrüche. Für Mitarbeiter reicht Talent allein nicht mehr aus – es braucht den Willen, komplexe Herausforderungen anzunehmen und zum Abschluss bringen zu wollen. Die besten Mitarbeiter sind oft jene, die neben Leidenschaft eine natürliche Neugier in Verbindung mit Ausdauer und Beharrlichkeit mitbringen.

Wo stehen wir Ihrer Meinung nach aktuell mit KI?

A. Zein: KI hat aktuell sehr unterschiedliche Ausprägungen. Nehmen Sie etwa ein Large Language Model, kurz LLM. Es kann menschliche Sprache in unterschiedlichen Dialekten geschrieben und gesprochen verstehen und demnächst wahrscheinlich visuell von den Lippen ablesen. Bei WSCAD haben wir als weltweit erster Hersteller gerade damit begonnen, Grundfunktionen und Erleichterungen in unsere E-CAD-Software zu integrieren. Über alles betrachtet vergleiche ich den aktuellen Stand der KI gerne mit einem Praktikanten, der nie schläft, keine Fristen verpasst und jeden einzelnen Datensatz, der jemals geschrieben wurde, lesen kann. Das ist fürs Erste doch schon mal ziemlich raktisch, oder? Konkret können Sie ein LLM eine Einladung oder ein Schreiben an eine Behörde verfassen lassen und mit der KI in unserer E-CAD-Software können Sie einzelne Konstruktionsvorgänge bis zu 99 % schneller abarbeiten als bisher. Weil Sie nicht mehr wissen müssen, wie die Software zu bedienen ist und die Menüstrukturen aufgebaut sind. Das ermöglicht weniger erfahrenen Anwendern ziemlich coole Dinge zu tun und Experten bekommen mehr Zeit, um sich auf kreative und strategisch wichtige Projekte zu konzentrieren. Und das ist erst der Anfang.

Literatur

  1. WSCAD GmbH, Bergkirchen: www.wscad.com 

 

Hans-Thomas Walker ist Fachjournalist und Geschäftsführer der Walkerbretting Corporate Publishing GmbH in Stuttgart.
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