Interview mit Tobias Best

Der Proof-of-Concept-Demonstrator – Durchbruch im Labor: IoT-Sensorknoten auf Wiegand-Basis. Links: Die beiden Wiegand-Harvester zwischen den Stabmagneten (unter der weißen Umhausung) und die Sende-Platine mit Mikrokontroller, Temperatursensor und UWB-Sendemodul. Rechts: Die 60 m entfernte Empfängerstation, welche die Daten per Funknetz einsammelt (Quelle: Fraba)
Also entwickeln Sie von Singapur aus die Technologie weiter und Fraba kann so seine Produkte verbessern?
T. Best: Unser Technologie-Team, das den größten Teil der Entwicklungsarbeit leistet, ist hauptsächlich in Aachen ansässig. Von Singapur, dem Firmensitz von Fraba in Asien, koordiniere ich die weltweite Ubito-Initiative, die nicht nur interne Prozesse, wie die Produktentwicklung, den Vertrieb und das Produktions management unserer Fabrikenin Europa und neuerdings auch in Malaysia umfasst, sondern bewusst auch externe Partner einschließt. Am Ende eines Ubito-Projekts muss nicht zwingend ein Produkt stehen, das unter der Marke Posital oder Ubito gelabelt ist. Gezielt suchen wirstrategische Partner, die mit unserem Know-how ihre eigenen innovativen Produkte und Lösungen erfolgreich in den Markt bringen. Genau das ist die Besonderheit: Als Start-up sind wir ein echter „Enabler“ von neuen Lösungen. Aktuell haben wir über 50 Applikationen auf dem Schirm, die sich als Kandidaten für den Einsatz von Wiegand- Systemen eignen könnten und die wir im engen Dialog mit den unterschiedlichsten Partnern auf ihre praktische Umsetzung hin durchleuchten.
Konnten Sie die Wiegand-Technologie schon vorantreiben? Bisher ließen sich ja nur geringe Ströme über geringe Reichweiten übertragen.
T. Best: Ständig optimieren und erweitern wir die Möglichkeiten der Wiegand-Technologie. Einen ganz wichtigen Meilenstein konnten wir letztes Jahr erreichen: Im Rahmen des BMBF-Projekts, das auf die signifikante Output-Steigerung unserer Systeme abzielte, konnte unser F&E-Team einen leistungsstarken Wiegand-Harvester präsentieren, der genug Energie erzeugt, um autark einen Temperatursensor zu betreiben und die dabei akquirierten Daten drahtlos zu übertragen. Erreicht wurde dies, ohne die einzigartigen Eigenschaften der Wiegand-Technologie (keine mechanischen Teile, Impulse unabhängig von der Bewegungsgeschwindigkeit) zu beeinträchtigen. Mit dem „Proof-of-Concept-Demonstrator“, den wir auch auf der SPS 2022 live präsentierten, können Daten an einen mehr als 50 m entfernten Empfänger übertragen werden. Dabei wird der vernetzte Sensorknoten – inkl. Temperatursensor, Mikroprozessor und IC sowie die komplette Übertragungselektronik – ausschließlich mit Wiegand-Power betrieben.
Welche Anwendungsfelder sehen Sie durch die neue Leistungsfähigkeit?
T. Best: Mit der drahtlosen Übertragung von Ereignisund Sensordaten rückt eine Vielzahl potenzieller Anwendungen in den Fokus: Das Spektrum reicht von der Versorgung einzelner IoT-Geräte bis zum energieautarken Betrieb komplexer Sensorknoten, die unterschiedlichste Prozessdaten, wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit erheben. Neben der ereignis basierten Energie gewinn unghaben wir auch die Themen Signalerzeugung sowie die drahtlose Übertragung elektrischer Energie auf dem Schirm. Weitgediehen ist die Nutzung des Wiegand-Pulses als Signalgeber für eigensichere Näherungsschalter. Für Logistik und Warehousing werden batterielose Real-Time-Location-Systeme auf UWB Basis zu einer Option, mit der sich Produkte in Echtzeit orten lassen.
