Schutzstrategien für Überspannungsschutz und Spannungssteuerung

Bild 02: Der Sicherheitslaserscanner Microscan3 von Sick überwacht Schutzfelder und erkennt dynamisch Bewegungen zur Unterstützung der adaptiven Absicherung im industriellen Umfeld. (Quelle: Sick)

Bild 03: Der Miniatur-Schutzschalter FAZ-C10/2-NA von Eaton schützt Steuerleitungen und Hilfskomponenten vor Überstromereignissen in industriellen Automatisierungssystemen. (Quelle: Eaton)

Bild 04: Der Sicherheitscontroller Flexi Soft von Sick ermöglicht dezentrale Sicherheitslogik und modulare Erweiterung für fehlertolerante, verteilte Steuerung in Industrie-4.0-Robotersystemen. (Quelle: Sick)
Eine koordinierte Sicherheitsstrategie für Roboter erfordert sowohl Sicherheitsvorkehrungen auf der Bewegungsebene als auch eine zuverlässige Energiekontrolle. Die Transienten-Spannungsunterdrücker von Eaton begrenzen vorübergehende Überspannungen und Spannungsspitzen, um empfindliche Komponenten zu schützen. So schützen die Miniatur-Schutzschalter FAZ-NA, wie der FAZ-C10/2-NA (Bild 3), die Steuerleitungen und Hilfskomponenten vor Überstromereignissen. Zur Unterstützung der elektrischen Sicherheit und der Systemintegrität bietet der Hersteller auch eine breite Palette von Schaltungsschutz und Schaltern an, wie z. B. den Wippschalter BP-SRR, den Selektor M22SWKV-K11 und den Kippschalter BP-STE, die Gerätefunktionen und Betriebsarten steuern.
Die Power-NTC-Einschaltstrombegrenzer (ICL) und rücksetzbaren PTC-Sicherungen von Eaton schützen Stromkreise vor hohen Einschaltströmen beim Einschalten und im Fehlerfall. Thermische Schutzvorrichtungen – wie die TJD-Thermosicherung – bieten eine zusätzliche Sicherheitsebene, indem sie den Stromfluss unterbrechen, um einen übermäßigen und gefährlichen Wärmestau in eng integrierten Robotersystemen zu verhindern.
Fehlertolerante und verteilte Steuerungssysteme
Fabrikrobotersysteme müssen bei Sensorausfällen, Fehlfunktionen von Aktoren oder Netzwerkunterbrechungen eine sichere Betriebskontinuität aufrechterhalten. Hersteller verlassen sich auf verteilte Fehlererkennungs-, Isolierungs- und Wiederherstellungsarchitekturen (FDIR), um Ausfallzeiten zu minimieren und die Systemstabilität zu verbessern. Durch die Dezentralisierung der Steuerungslogik auf mehrere Knotenpunkte und die Möglichkeit der lokalen Fehlerbehebung verringern FDIR die Auswirkungen von Ausfällen einzelner Komponenten und tragen dazu bei, Störungen auf breiter Ebene zu verhindern.
Diese fehlertoleranten Strategien werden durch verteilte Steuerungssysteme mit Echtzeitdiagnose und eingebauter Redundanz umgesetzt. Verteilte Steuerungssysteme nutzen integrierte Diagnosen, um den Zustand und die Leistung kritischer Komponenten kontinuierlich zu überwachen. Redundante Sensoren und Kommunikationspfade sorgen für die Aufrechterhaltung der Steuerungsintegrität bei Ausfällen des Primärsystems, während Fehlerbehandlungsroutinen kontrollierte Abschaltungen oder Übergänge in definierte sichere Zustände ermöglichen.
Diese Strategien werden durch den Sicherheitscontroller Flexi Soft von Sick unterstrichen (Bild 4). Dieser unterstützt die FDIR-basierte Robotik der Industrie 4.0, indem er eine dezentrale Sicherheitslogik durch modulare Erweiterung und konfigurierbare Funktionen ermöglicht, die auf spezifische Systemanforderungen zugeschnitten sind. Die industrietauglichen Sensoren des Herstellers – darunter Encoder, Druckmessumformer, fotoelektrische Sensoren und Bildverarbeitungskameras wie die Ranger3 – liefern wichtiges Feedback für verteilte Robotersysteme. Diese Sensoren, die an wichtigen Kontrollpunkten integriert sind, unterstützen Echtzeitüberwachung, dynamische Positionierung, Objekterkennung und Diagnose auf Systemebene. Dies ermöglicht eine frühzeitige Fehlererkennung, eine lokale Reaktion und einen kontinuierlichen Betrieb in verteilten Umgebungen.
Edge-basierte Sensorik und Überwachung für eine intelligentere Automatisierung
Die Robotik für Industrie 4.0 nutzt in zunehmendem Maße Sensorik und Überwachung am Netzwerkrand (Edge), um den Einblick in das System, die Reaktionsfähigkeit und die Autonomie zu verbessern. Anstatt alle Daten zur Verarbeitung an zentrale Plattformen zu senden, führen moderne Robotersysteme wichtige Analysen näher an der Sensor- oder Geräteebene durch. Dies ermöglicht eine schnellere Fehlererkennung, eine effizientere Entscheidungsfindung und eine bessere Ausfallsicherheit bei Netzunterbrechungen.
Edge-fähige Geräte wie Industriekameras und Schaltkreisüberwachungen erweitern die lokale Intelligenz über die Steuerlogik hinaus. Sie erfassen Umwelt- und Betriebsdaten in Echtzeit und bieten so auf Maschinenebene Einblick in Bedingungen, die sich auf Sicherheit, Qualität und Betriebszeit auswirken. Diese Plattformen reduzieren die Latenzzeit, verringern die Bandbreitenanforderungen und verbessern die Koordination zwischen verteilten Robotersystemen.
Edge-Computing und eingebettete Intelligenz
Diese edge-basierten Strategien spiegeln sich in Produkten wie der Sensingcam Sec100 von Sick wider, die für die Industrie-4.0-Robotik Bilderfassung und -analyse am Netzwerkrand zur Verfügung stellt (Bild 5). Sie bietet hochauflösendes Streaming und ereignisgesteuerte Videoaufzeichnung für Objekterkennung, Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle. Die Industriekamera ermöglicht Echtzeiteinblicke in tote Winkel sowie dynamische Prüfbereiche und unterstützt die Ursachenanalyse durch die Erfassung von Bilddaten vor und nach auslösenden Ereignissen. Sie lässt sich leicht in bestehende Bildverarbeitungssysteme integrieren und unterstützt eine kontinuierliche Überwachung ohne Überlastung zentraler Ressourcen. Außerdem werden visuelle Aufzeichnungen für die Qualitätsdokumentation erstellt, z. B. für die Überprüfung der Verpackung und die Verfolgung der Komponentenmontage. Eingebettet in die Maschinenebene, bringt die Kamera die visuelle Intelligenz näher an den Ort des Geschehens.
Die Verlagerung hin zu lokaler Verarbeitung und Echtzeiteinblicken erstreckt sich auch auf die Energieüberwachung auf Anlagenebene. Das Touchscreendisplay PXBCM-Disp6-XV von Eaton ist mit dem Power-Xpert-Branch-Circuit-Monitor verbunden, um eine Echtzeit-Visualisierung von Spannungs-, Strom- und Leistungsdaten auf Schaltschrankebene zu ermöglichen (Bild 6). Es wird in allen Industriesystemen – einschließlich Roboterarbeitszellen – eingesetzt und hilft den Bedienern, Unregelmäßigkeiten zu erkennen, Fehler zu entdecken und den Energieverbrauch zu optimieren. Das Display unterstützt die vorausschauende Wartung und verbessert die Betriebstransparenz, indem es den Zugriff auf die Diagnose auf Schaltkreisebene vor Ort ermöglicht.
Strategien auf Systemebene für die Industrie-4.0-Robotik
Um sicher und effizient arbeiten zu können, benötigen Robotersysteme eine Einsatzstrategie, die Sensorik, Sicherheit, Steuerung und Vernetzung vereint. Sensoren und Sicherheitskomponenten müssen strenge Normen erfüllen und gleichzeitig adaptive Sicherheitsmaßnahmen und Echtzeit-Reaktionsfähigkeit in verteilten Umgebungen ermöglichen. Eine konsistente Leistung über verschiedene Fabriksysteme hinweg hängt von offenen Standards und Multiprotokollkommunikation ab, um Interoperabilität und Skalierbarkeit zu gewährleisten.
Steuerungskomponenten müssen große Datenmengen am Netzwerkrand verarbeiten und sichere Verbindungen mit geringer Latenzzeit zu übergeordneten Systemen herstellen. Die Koordinierung von Verarbeitung und Rückmeldung über verteilte Knoten hinweg erfordert eine präzise Synchronisierung und Zeitsteuerung. Deterministische Protokolle, Signalpfade mit geringem Jitter und zeitabhängige Regelkreise tragen dazu bei, dass das Verhalten unter dynamischen Bedingungen vorhersehbar bleibt. Fehlertolerante Architekturen unterstützen sichere Fallback-Zustände und einen kontinuierlichen Betrieb, während Systeme, die eine dezentrale Steuerung mit zentraler Überwachung kombinieren, flexible, rekonfigurierbare Fertigungsprozesse ermöglichen.
Zusammenfassung
Von Sensorfusion und funktionaler Sicherheit bis hin zu Edge-Computing und fehlertoleranter Steuerung – die Industrie-4.0-Robotik ist auf eng integrierte Systeme angewiesen, die einen sicheren, zuverlässigen sowie reaktionsschnellen Betrieb in komplexen Umgebungen gewährleisten. Lösungen von Digikey-Anbietern wie Sick und Eaton helfen bei der Vereinheitlichung von Sensorik, Stromversorgungsschutz und Steuerungsinfrastruktur – und erleichtern so die skalierbare Bereitstellung, die Einhaltung von Standards und die Anpassung der Performance.
Literatur
- DigiKey Germany GmbH, München: www.digikey.de
- Sick Vertriebs-GmbH, Düsseldorf: www.sick.com
- Eaton Electric GmbH, Bonn: www.eaton.com
- DIN EN ISO 13849: Sicherheit von Maschinen – Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen. Berlin: DIN Media
- DIN EN IEC 62061 (VDE 0113-50:xx-xx): Sicherheit von Maschinen – Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener Steuerungssysteme. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
- DIN EN ISO 10218: Industrieroboter – Sicherheitsanforderungen. Berlin: DIN Media
- DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06: Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen. Teil 1: Allgemeine Anforderungen. Berlin · Offenbach: VDE VERLAG
- ISO/TS 15066:2016: Robots and robotic devices – Collaborative robots. Vernier (Schweiz): International Organization for Standardization (ISO)
- DIN EN ISO 14119:2025-09: Sicherheit von Maschinen – Verriegelungseinrichtungen in Verbindung mit trennenden Schutzeinrichtungen – Leitsätze für Gestaltung und Auswahl. Berlin: DIN Media

