Interview mit S. Rangarajan

Bild 02: Sridharan Rangarajan, Vice President & Global Product Group Manager Software, B&R: „Die wettbewerbsfähigsten Maschinen von heute zeichnen sich durch ihre Software aus. Mit modernen Entwicklungswerkzeugen und KI helfen wir OEM, innovative Ideen schnell in marktreife Lösungen umzusetzen und ihre Produktivität zu steigern.“ (Quelle: B&R)
KI-Assistenten beim Codieren werden immer häufiger eingesetzt. Was ist das Besondere an Automation Studio Copilot?
S. Rangarajan: Der Unterschied ist folgender: Diese KI versteht tatsächlich die Maschinenautomatisierung. Wenn man ChatGPT bittet, „Structured Text“ zu schreiben, erhält man etwas Generisches. Automation Studio Copilot wurde jedoch mit B&R-spezifischem Wissen trainiert – unseren Bibliotheken, unseren Best Practices.
Das bedeutet, dass es beispielsweise einen Code-Abschnitt im Kontext erklären, realistische Optimierungen vorschlagen oder sogar neue Funktionen auf der Grundlage einer einfachen Eingabe in natürlicher Sprache generieren kann. Es ersetzt keine Programmierer, sondern nimmt ihnen einen Großteil der Routinearbeit ab, sodass sie mehr Zeit für die Lösung tatsächlicher Automatisierungsprobleme haben, anstatt Standard-Code zu schreiben.
Entwickler haben ganze Workflows um Automation Studio herum aufgebaut. Wie disruptiv ist die Einführung dieser neuen Umgebung?
M. Sánchez: Wir wussten, dass die Softwareprogrammierer uns die Tür vor der Nase zuschlagen würden, wenn wir ihnen sagen würden: „Hier ist ein neues Tool, jetzt migriert alles.“ Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass Automation Studio Code Seite an Seite mit der bestehenden Automation-Studio-6-Umgebung funktioniert. Es ist keine Migration erforderlich. Es gibt keine Nacharbeiten. Nutzer öffnen dasselbe Projekt einfach in der für sie gerade am besten geeigneten Umgebung.
Wer erst einmal reinschnuppern möchte, beginnt mit Automation Studio Code für einen Teil des Workflows –vielleicht für das Debugging oder die KI-gestützte Codierung. Es muss nicht sofort alles umgestellt werden.
Denken Sie, dass softwarebasierte Entwicklungsworkflows wie KI-gestütztes Engineering, integrierte Quellcode-Verwaltung und Standard-IDE in fünf Jahren zum Standard werden?
M. Sánchez: Auf jeden Fall. Schon jetzt sehen wir, wie viel einfacher und schneller die Arbeit wird, wenn Automatisierungstechniker Zugang zu intelligenteren Tools haben. In ein paar Jahren werden das manuelle Durchsuchen jedes einzelnen Fehlers und das Hin- und Herschicken von Projektdateien genauso veraltet sein wie die Verwendung eines Faxgeräts. Die Branche ist zunehmend bestrebt, die neuesten Softwareentwicklungs-Tools einzusetzen, da diese die Einstiegshürden senken und die Effizienz erheblich steigern. Entwickler sind von Natur aus neugierig und lösungsorientiert. Wenn ihnen neue Tools dabei helfen, schneller Lösungen zu finden, werden sie diese mit Begeisterung in ihren Arbeitsalltag integrieren.
Was verpasse ich als Maschinenbauer, wenn ich diese Tools nicht einsetze?
S. Rangarajan: Ganz ehrlich? Sie riskieren, hinter Ihre Mitbewerber zurückzufallen. Die Branche bewegt sich in Richtung schnellerer Iterationszyklen, KI-gestützter Entwicklung und effizienterer Entwicklungs-Workflows. Wenn ein Team noch immer mit langen Debugging-Zeiten, manueller Versionskontrolle und unzusammenhängenden Workflows zu kämpfen hat, dann verbringt es mehr Zeit damit, mit Tools zu kämpfen, als ausgezeichnete Maschinen zu bauen.
Bei Automation Studio Code geht es nicht darum, Veränderungen zu erzwingen, sondern Nutzern die Tools an die Hand zu geben, mit denen sie das Tempo der heutigen Automatisierung mitgehen können.
Haben Sie noch ein paar abschließende Worte für Softwareentwickler, die sich fragen, ob es sich lohnt, es auszuprobieren?
M. Sánchez: Ich würde sagen: Einfach mal ausprobieren. Man muss nicht alles über Nacht umstellen, sondern kann klein beginnen – ein Projekt debuggen, Copilot für eine Codierungsaufgabe verwenden, die neuen Tools entdecken und lernen, wie man sie in den täglichen Arbeitsablauf integrieren kann. Sobald Nutzer die Zeitersparnis selbst erlebt haben, wird es ihnen wahrscheinlich schwerfallen, wieder zurückzuwechseln.
S. Rangarajan: Es geht darum, die Entwicklungsarbeit angenehmer und weniger frustrierend zu gestalten. Denn wenn Entwickler sich voll und ganz auf die Suche nach Lösungen konzentrieren können, statt wertvolle Zeit mit der Fehlersuche bei Tools zu verschwenden, entstehen echte Innovationen.
Literatur
- B&R Industrie-Elektronik GmbH, Friedberg: www.br-automation.com
