COO Ulrich Leidecker von Phoenix Contact GmbH & Co.KG auf der SPS Smart Production Solutions 2025 (Quelle: VDE VERLAG)

COO Ulrich Leidecker von Phoenix Contact GmbH & Co.KG auf der SPS Smart Production Solutions 2025 (Quelle: VDE VERLAG)

Auf der SPS Smart Production Solutions 2025 hat U. Leidecker folgendes Statement  gehalten:

"Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind weiterhin angespannt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die erhofften Impulse durch den Regierungswechsel sind bislang ausgeblieben. Eine industriepolitische Aufbruchsstimmung ist nicht spürbar, und die Überregulierung hemmt Innovationen. Selbst bei Themen, die schon lange diskutiert werden, wie dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder dem CSRD-Reporting gibt es keine spürbaren Lockerungen. Allerdings werden diese gebraucht, um der Industrie die Sicherheit zu geben, um sich wieder auf Innovationen konzentrieren zu können.

Wir erleben, dass die Unternehmen in Deutschland ihre Strukturen neu ausrichten müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch wir bei Phoenix Contact sehen uns gezwungen, unsere Unternehmensstrukturen an die Gegebenheiten anzupassen, um Resilienz und Wertschöpfung zu sichern. Wir sind gefordert, unsere Wertschöpfung näher an die Absatzmärkte zu bringen und unsere Strukturen international auszurichten.

Ein aktuelles Beispiel für die Herausforderungen in der Lieferkette ist die Liefersperre beim Hersteller Nexperia. Phoenix Contact hat sofort nach Bekanntwerden der Sperre begonnen, das Portfolio zu analysieren und die Lieferketten der betroffenen Bauteile für die nächsten Monate abzusichern. Da es sich überwiegend um standardisierte Elektronikbausteile handelt, gibt es häufig alternative Bauteile oder Lieferketten. Nach jetziger Einschätzung der Situation sind somit für die kommenden Monate kaum Einschränkungen bei der Lieferverfügbarkeit von Seiten Phoenix Contact zu erwarten. Dennoch zeigt dieses aktuelle Beispiel, wie wichtig Resilienz in den Lieferketten ist. Während chinesische Unternehmen weiterhin beliefert werden, sind wir in Europa gut beraten, alternative Lösungen zu finden.

Wir können es uns als Unternehmen nicht erlauben, ausschließlich in Deutschland zu fertigen. Die aktuelle Situation unterstreicht zudem die Notwendigkeit, eine starke Halbleiterindustrie in Deutschland und Europa aufzubauen, um die Abhängigkeit von Nordamerika und Asien zu reduzieren.

Globale Herausforderungen

Der Markt hat sich durch die veränderten Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren signifikant anders entwickelt als erwartet. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist keine klassische konjunkturelle Krise, sondern zeigt eine grundsätzliche Veränderung der geopolitischen Strukturen. Internationalität und Globalisierung waren in den vergangenen Jahren ein wichtiger Treiber für das wirtschaftliche Wachstum. Perspektivisch sehen wir aber zunehmend protektionistisch gelenkte Regionen mit den beiden Wirtschaftsräumen USA und China sowie Europa in der Mitte.

Die deutsche Industrie steht vor einer entscheidenden Frage: Sind wir als Industrienation zu fragmentiert, zu bürokratisch und zu wenig kooperativ? Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir lernen, stärker zusammenzuarbeiten. Die Fragmentierung der Industrie und die Vielzahl an Einzelinteressen erschweren es, gemeinsame Standards zu setzen und Innovationen voranzutreiben.


Ein Beispiel dafür ist die Elektromobilität: In China werden Standards schnell und konsequent gesetzt, was den Unternehmen dort einen klaren Vorteil verschafft. In Europa hingegen führen langwierige Diskussionen und unterschiedliche Interessen dazu, dass wir den Anschluss verlieren. Das hat bereits zu zahlreichen Unternehmensschließungen im Bereich Elektromobilität geführt.

Phoenix Contact E-Mobility

Vor diesem Hintergrund hat auch die Phoenix Contact E-Mobility seine globalen Fertigungsstrukturen neu aufgestellt und für den europäischen Markt in Polen gebündelt. Wenngleich wir von einer positiven Marktentwicklung ausgehen, erwarten wir, dass der Konsolidierungsdruck auf den Produktionsstandort Europa mittelfristig bestehen bleibt. Ziel der Neuaufstellung war auch, die Lieferketten durch eine Zusammenfassung der Montage- und Logistikkapazitäten im polnischen Werk in Rzeszów zu vereinfachen. Europäische Kunden für die Ladeinfrastruktur können direkt beliefert werden. Somit wird die Lieferkette vereinfacht, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. 

Phoenix Contact E-Mobility fokussiert fortan ihr Geschäft auf Lösungen und Komponenten im Bereich Ladeinfrastruktur und stärkt gleichzeitig den Fokus auf Komponenten für die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen. Diese Entscheidungen waren wirtschaftlich notwendig, um die Ressourcen gezielt einzusetzen und zukunftsfähig zu bleiben.

Für die Elektromobilität sind klare Rahmenbedingungen notwendig. Denn diese sorgen für eine höhere Investitionsbereitschaft und die notwendige Marktdurchdringung. Dafür bedarf es auch einer klaren politischen Priorität, zu der der Infrastrukturausbau, Rahmenbedingungen für bidirektionales Laden sowie günstiger Mobilitätsstrom zählen.

Auswirkungen auf die Unternehmensaufstellung

Einfluss auf die Entscheidungen von Phoenix Contact haben auch globale Herausforderungen wie Zölle und geopolitische Unsicherheiten. Die politischen Rahmenbedingungen sind volatil, und wir müssen als Unternehmen flexibel und anpassungsfähig bleiben.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung spürt Phoenix Contact bereits länger. Investitionen in Deutschland sind deutlich gehemmt oder werden umgelenkt auf die Regionen Nordamerika und Asien. Durch die Politik der neuen US-Regierung, insbesondere mit der Einführung von Zöllen, wird sich die Entwicklung getrennter Wirtschaftsräume weiter verschärfen. Der Wettbewerbsdruck in Europa wird sich hierdurch erheblich verstärken.

Phoenix Contact hat auf diese wirtschaftlichen, wie geopolitischen Herausforderungen reagiert. Für das globale Wachstum, das insbesondere in den Kernregionen China, Indien und USA stattfindet, wird sich das Unternehmen zukunftsorientiert aufstellen. Dazu baut Phoenix Contact in diesen Ländern seine lokalen Wertschöpfungsketten weiter aus.

Internationale Entwicklungen

Die Entwicklung in China ist für Phoenix Contact weiterhin positiv. Wir sind dort als „chinesisch-deutsches Unternehmen“ bekannt und profitieren von unserer langjährigen Präsenz und unserem guten Ruf. Der chinesische Markt kommt zurück, und wir sehen dort wieder zufriedenstellende Umsätze. Auch in anderen Regionen, wie den USA und Mexiko, entwickeln sich die Märkte stabil. Wir setzen auf eine ausgewogene internationale Präsenz, um Risiken zu streuen und Chancen zu nutzen.

Investitionen

Bei der Wettbewerbsfähigkeit geht es nicht nur um den Standort. Globale Lieferketten hängen von Kapazität, Technologie und Geschwindigkeit ab. Aus diesem Grund investiert Phoenix Contact in der Region Querétaro, Mexiko. Zwischen Golf und Pazifik gelegen und in der Nähe des US-Markts, wird dieser Standort eine zentrale Rolle in unserem globalen Produktionsnetzwerk spielen. Der Standort wird 20.000 Quadratmeter umfassen, davon 10.000 Quadratmeter für die Produktion. Bis 2032 werden hier 700 Mitarbeitende mit fortschrittlicher Automatisierung und ERP-Integration arbeiten. Der Produktionsstandort wird es uns ermöglichen, schneller auf die steigende Nachfrage zu reagieren und zuverlässig nach Nordamerika und darüber hinaus zu liefern.  Die Region Querétaro liegt in Zentralmexiko zwischen den zentralen Häfen Veracruz und Manzanillo und ist logistisch gut an die USA angebunden.

Anfang November hat Phoenix Contact seinen neuen Standort in Vietnam eröffnet. Dieser ist ein strategischer Meilenstein für Phoenix Contact in Südostasien. Die Anlage in der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt kombiniert Produktion und Logistik, um unsere Kerngeschäfte Power Reliability und Automatisierung auszubauen und weiter zu stärken. Mit rund 100 Mitarbeitern und modernen Fertigungsverfahren verbessern wir unsere Fähigkeit, regionale und globale Märkte zu bedienen. Diese Investition stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit und ist ein klarer Schritt in unserer langfristigen Strategie für Innovation und nachhaltiges Wachstum im In- und Ausland.

Mit unserem Erweiterungsbau zum bestehenden Logistikgebäude in Blomberg bekennen wir uns aber auch klar zum Standort Deutschland. Die Fertigstellung dieses Gebäudes planen wir für 2028. Das vollautomatische Logistikgebäude wird 200.000 m³ zusätzlichem Lagervolumen bieten und ist mit über 100 Millionen Euro die größte Einzelinvestition des Unternehmens. Die Entscheidung für das Logistikgebäude ist eine zukunftsgerichtete Investition.

Wirtschaftliche Situation

Phoenix Contact verzeichnet in diesem Jahr eine moderate Markterholung im oberen einstelligen Bereich. Im Vergleich zu 2024 ist dies eine positive Entwicklung. Dennoch sind die Umsatzrückgänge aus dem Jahr 2023 damit noch nicht aufgeholt. Mit den bestehenden Unwägbarkeiten am Markt wird es weitere Zeit dauern, bis Phoenix Contact sein Umsatzergebnis von 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 wieder erreicht. Die Fokussierung auf das Kerngeschäft sowie eine nachhaltige Anpassung der Strukturen werden weiterhin bestehen bleiben. Phoenix Contact wird das Jahr 2025 voraussichtlich mit einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro abschließen.

Innovation und Nachhaltigkeit

Trotz aller Herausforderungen sind wir überzeugt, dass Technologie der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft ist. Unser diesjähriges Messemotto lautet daher: „Collaborate. Innovate. Create Impact Now.“ Denn wir setzen auf Innovation, Kooperation, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sowie Cyber Security und Energie-Resilienz. Diese Themen sind die Hebel, mit denen wir die Zukunft gestalten wollen. Ein Beispiel hierfür ist unser Engagement im Bereich Künstliche Intelligenz. Wir entwickeln Lösungen, die nicht nur innovativ, sondern auch industrietauglich und praxisnah sind. Es geht uns dabei um bodenständige Anwendungen, die unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten.
Nachhaltigkeit bleibt nach wie vor ein zentrales Thema für Phoenix Contact. Wir sind überzeugt, dass nachhaltiges Wirtschaften und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind. Allerdings fordern wir eine praxisnahe Regulierung, die Innovationen fördert und nicht hemmt. Die aktuelle Regulierungsdichte erschwert es den Unternehmen, nachhaltige Lösungen schnell und effizient umzusetzen. Wir arbeiten gezielt und kontinuierlich daran, unsere Prozesse und Produkte von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Logistik nachhaltiger zu konzipieren.

Messeauftritt SPS

Den Mittelpunkt unseres Messeauftritts bilden in diesem Jahr vier zentrale Themenbereiche, mit klarem Fokus auf die Zielgruppe der Automatisierungs-Experten:

  1. PLCnext Technology als offenes Ecosystem für grenzenlose Automatisierung,
  2. Automation and Safety mit leistungsstarken Steuerungs- und Sicherheitslösungen für maximale Anlagenverfügbarkeit
  3. Digitalisierung and Security mit ganzheitlichen Konzepten für vernetzte und geschützte Produktionsumgebungen
  4. Power and Efficiency mit intelligenten Lösungen für Energieversorgung, Power-Reliability und Energiemanagement.

Ausblick

Aktuell gehen wir 2026 von einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich aus. Die aktuelle Volatilität am Markt machen valide Aussagen zur Marktentwicklung und somit zur Umsatzentwicklung des Unternehmens im Jahr 2026 kaum möglich. Unser vorrangiges Ziel ist es, Phoenix Contact am Markt flexibler und resilienter aufzustellen."

Phoenix Contact (hz)

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