Bild 01: Energiedatendashboard direkt aus dem Schaltschrank der Maschine (Quelle: In.hub)
„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt von morgen aussieht“ (Marie von Ebner-Eschenbach). Dass schnell gehandelt werden muss, daran besteht kein Zweifel mehr. Denn 2024 war das erste Jahr mit einer durchschnittlichen Erwärmung von mehr als 1,5 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau [1]. Einer Marke, die eigentlich im Pariser Klimaabkommen als Grenzwert definiert wurde – mit dem Zusatz, dass falls dieser nicht eingehalten wird, der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf jeden Fall deutlich unter 2 °C bleiben muss, um ein sicheres Auskommen der Menschheit auf der Erde zu erhalten. Um dieses Ziel noch zu erreichen, müssen daher die Emissionen zeitnah auf Netto-Null abgesenkt werden [2]. Spätestens ab 2050 sollen nicht mehr klimaschädliche Gase ausgestoßen werden, als der Atmosphäre durch sogenannte Kohlenstoffsenken (z. B. Wälder, Moore) entzogen werden. Diese „Treibhausgas-Neutralität“ kann nur erreicht werden, wenn die Weltwirtschaft schnell und entschieden handelt und bis zur Mitte dieses Jahrhunderts keinen Kohlenstoff mehr freisetzt (Dekarbonisierung) [3] – Netto-Null eben.
Unternehmerische Klimabilanz
Doch wie lässt sich das bewerkstelligen? Mit dem globalen Rohstoff- und Warenhandel sind Lieferketten immer komplexer geworden. Kaum nachvollziehbar sind all die Wege, die Materialien, Komponenten und Bauteile nehmen, dabei Ressourcen verbrauchen und schließlich als fertiges Produkt oder über den Lebenszyklus hinaus (Recycling) weiterhin Emissionen verursachen. Wie können die Treibhausgase, die ein Unternehmen und meine Produkte erzeugt, also qualitativ und quantitativ erfasst werden?
Die erste große Hürde ist, eine unternehmerische Klimabilanz (Corporate Carbon Footprint) zu erstellen, beispielsweise unter Anwendung des Greenhouse Gas Protocols [4]. Dabei werden alle Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in drei Scopes erfasst. Hilfestellungen für die Berechnung bieten u. a. Emissionsrechner, Softwaretools oder Consulting-Agenturen.
- Scope 1 umfasst die Treibhausgasemissionen, die direkt in den eigenen Produktionsstätten und im eigenen Fuhrpark (z. B. Autos, Lieferwagen, Lkw, Helikopter für Krankenhäuser usw.) entstehen. Hierunter fallen Emissionen aus Energieträgern, die am Unternehmensstandort entstehen, beispielsweise durch Brennstoffe, Kühlmittel, Erdgas – also alle Emissionen, die vom Unternehmen direkt verantwortet und kontrolliert werden.
- Scope 2 ermittelt die indirekten Emissionen, die bei der Produktion eingekaufter Energie in Form von Strom, Dampf, Fernwärme, aber auch Kälte entstehen.
- Scope 3 erfasst sämtliche Emissionen, für die das Unternehmen indirekt verantwortlich ist. Vorgelagerte Scope-3-Emissionen sind Emissionen aus den Vorketten, also aus der Herstellung von Rohstoffen (wie etwa Kunststoffen, Stahl, Aluminium etc.), Halbzeugen (z. B. Rohlingen) oder aus Dienstleistungen. Nachgelagerte Scope-3-Emissionen entstehen durch Nutzung und Transport der Produkte sowie deren Recycling.
Somit soll die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens erfasst und einer umfassenden Analyse hinsichtlich Energie- und Ressourcenverbrauch unterzogen werden. Dies bedeutet einen großen Aufwand, bietet gleichzeitig aber eine große Chance nachzujustieren, Energie- und damit Produktionskosten zu senken und sich für die Zukunft aufzustellen.
Herausforderungen bei der Berechnung des Energieverbrauchs
Die Berechnung des Energieverbrauchs und der damit einhergehenden Emissionen stellt an produzierende Unternehmen einige Herausforderungen – egal, ob diese direkt oder indirekt verursacht werden:
- Bei älteren Maschinen, Prozessstrecken oder Anlagen fehlen digitale Daten. Lastspitzen, unterschiedliche Auslastungen bei Schichtbetrieb und produktionsbedingte Stillstandzeiten können nur schwer erfasst und noch schwieriger in Zusammenhang gebracht werden.
- Mitunter hängen unzählige Verbraucher am Netz, Verschaltungen und Anschlüsse sind unklar und schlecht dokumentiert.
- Selbst wenn bereits Stromwandler installiert sind, können unterschiedliche Zählertypen von verschiedenen Herstellern oder veraltete Schnittstellen die Kommunikation und Datenweiterleitung erschweren.