Bild 01: Schutzeinrichtungen müssen in der vom Hersteller der Maschine vorgegebenen Zeit reagieren – dies gilt auch nach dem Austausch von Komponenten wie beispielsweise Schütze. (Quelle: ABB)
Das Vorgehen ist dann nicht mehr so einfach: In vielen Betrieben wird mit Anlagen produziert, bei denen die Bediener regelmäßig in den Gefahrenbereich der Maschinen eingreifen müssen. Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen sind zwingend erforderlich, beispielsweise in Form einer optischen Schutzeinrichtung. Dringt der Bediener einer Anlage mit einem Körperteil in den Gefahrenbereich einer Maschine ein, löst die Schutzeinrichtung mittels optoelektronischer Sensoren einen Maschinenstopp aus. Entscheidend ist dabei, dass die Schutzeinrichtungen in der vom Hersteller der Maschine vorgegebenen Zeit reagieren. Denn von der Reaktionszeit bis zum Maschinenstopp hängt der Sicherheitsabstand ab.
Anforderungen beachten beim Tausch von defekten Bauteilen
An dieser Stelle zeigt sich, warum dem Tausch von defekten Bauteilen, die die Arbeitssicherheit betreffen, ein besonderes Augenmerk gilt. Mit der Zeit verschleißen beispielsweise die Schütze, die in Kombination mit in einer berührungslos wirkenden Schutzeinrichtung wie beispielsweise dem Lichtgitter Orion von ABB [1] verbaut sind (Bild 1). Ist dies der Fall, steht die Maschine still. Damit die Produktion wieder aufgenommen werden kann, muss nun das defekte Schütz schnellstmöglich getauscht werden. Um kein Sicherheitsrisiko einzugehen, muss jedoch zwingend darauf geachtet werden, dass das Ersatzteil alle Anforderungen, unter anderem auch an die Reaktionszeit, vollumfänglich erfüllt.
Verlängerte Reaktionszeit bedeutet größerer Sicherheitsabstand
Schütze sind für eine bestimmte Schaltleistung ausgelegt – diese liegt in der Regel zwischen 3 kW und 900 kW. Zudem haben Schütze eine genau definierte Reaktionszeit – dieser Punkt wird oft beim Tausch eines defekten Schützes übersehen. Wird ein defekter Schütz mit einer besonders schnellen Ausschaltzeit von 30 ms, wie sie etwa die AF und AFS-Schütze von ABB aufweisen, durch einen Schütz mit einer längeren Reaktionszeit ersetzt, hat das gleich mehrere schwerwiegende Konsequenzen (Bild 2).
Einerseits dauert es länger als vorgesehen, bis eine Maschine stoppt – was ein Sicherheitsrisiko für den Bediener der Anlage darstellt. Durch die verlängerte Reaktionszeit vergrößert sich somit der einzuhaltende Sicherheitsabstand zur Gefahrenzone der Maschine. Um beim Beispiel der berührungslos wirkenden Schutzeinrichtung Orion zu bleiben, müsste in diesem Fall der Abstand zur gefahrbringenden Bewegung entsprechend vergrößert werden.
CE-Konformität erlischt
Zum anderen kann der Einbau eines Schützes mit einer längeren Reaktionszeit dazu führen, dass die CE-Konformität der Maschine erlischt. Das CE-Zeichen zeigt an, dass ein Produkt vom Hersteller geprüft wurde. Es erfüllt somit alle EU-weiten Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz. Dementsprechend kann der Einbau eines Bauteils, das nicht mehr mit den ursprünglichen Unterlagen des Herstellers übereinstimmt, wiederum das Problem nach sich ziehen, dass die CE-Kennzeichnung ungültig wird. Bei Einbau eines Schützes mit einer längeren Reaktionszeit kommt es dementsprechend also zu schwerwiegenden Haftungsfolgen: Ungeeignete Ersatzteile führen zu Sicherheitsrisiken, die dann vollumfänglich derjenige trägt, der das Ersatzteil eingebaut hat.