Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. (Quelle: VDMA)
Die elektrische und mechanische Antriebstechnik sowie die hydraulischen und pneumatischen Komponenten und Systeme der Fluidtechnik sind integraler Bestandteil moderner Automationsarchitekturen. Sie liefern Bewegung, Energie und Daten und bilden damit das Rückgrat vieler Industrie-4.0-Anwendungen. „Die thematische Ausrichtung der Hannover Messe rückt industrielle Automatisierung in den Fokus und bietet der Antriebs- und Fluidtechnik ein geeignetes Umfeld, ihre Leistungsfähigkeit und Systemrelevanz zu zeigen. Unsere Technologien sind zentrale intelligente Bausteine für effiziente, vernetzte und zukunftsfähige KI-integrierende Produktionsprozesse und damit ein wichtiger Bestandteil des industriellen Gesamtökosystems“, betont Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA.
Der VDMA-Stand in Halle 13, Stand E36, soll als zentrale Anlaufstelle für den Austausch zu Trends und Entwicklungen im Maschinen- und Anlagenbau allgemein, aber auch zu fachspezifischen Fragestellungen dienen. Expertinnen und Experten der Fachverbände Antriebstechnik, Fluidtechnik und Elektrische Automation begleiten den fachlichen Austausch zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Forschung, Normung und technischen Themen – gemeinsam mit dem Team der Abteilung Außenwirtschaft, Manufacturing-X sowie Ansprechpartnern für den Bereich Security and Defence Industry. Auf dem Gemeinschaftsstand der Plattform Industrie 4.0 in Halle 13, Stand C24, präsentiert das Verbundprojekt Fluid 4.0 Anwendungsbeispiele und Use Cases zur Digitalisierung in der Fluidtechnik, darunter Live-Demonstratoren zu Energieeffizienz, Datenintegration, Steuerung und Überwachung fluidtechnischer Systeme sowie Circular Economy.
Zusätzliche Perspektiven im verteidigungsnahen Umfeld
Mit der Defense Production Area in Halle 26, Stand E98, bietet die Hannover Messe 2026 dem Thema Produktionstechnologien für Verteidigung eine Heimat. Gezeigt werden Lösungen für flexible, skalierbare und resilient ausgelegte Fertigungsprozesse – von Automatisierung und Digitalisierung über Datenintegration und Rückverfolgbarkeit bis hin zu IT/OT-Security und KI gestützter Qualitätssicherung. Für die Antriebs- und Fluidtechnik eröffnen sich im verteidigungsnahen Umfeld zusätzliche Perspektiven. Angesichts einer geschätzten europäischen Marktgröße von rund 100 Mrd. Euro im Verteidigungsbereich ergeben sich für beide Branchen als Schlüsselzulieferer Marktpotenziale von etwa 5 % bis 10 %. Bis 2030 scheint ein jährliches Wachstum von annähernd 2 % in diesem Segment möglich. Dabei bringen beide Industriezweige ihre technologische Kompetenz dort ein, wo industrielle Zuverlässigkeit und hohe sicherheitsrelevante Anforderungen gefragt sind. Entsprechend beurteilt die überwiegende Mehrheit der Unternehmen dieser Branchen die aktuelle Geschäftslage im Defence-Umfeld als gut oder sehr gut und erwartet für die nahe Zukunft eine noch bessere Geschäftsentwicklung. Damit schafft der neue Ausstellungsbereich zusätzliche Anknüpfungspunkte für technologieorientierte Unternehmen und verbindet klassische industrielle Anwendungen mit sicherheitskritischen Produktionsanforderungen.
Internationale Marktperspektiven: Partnerland Brasilien
Mit Brasilien als Partnerland richtet die Messe den Fokus auf einen wichtigen Wachstumsmarkt für den Maschinen- und Anlagenbau. Auch für die Antriebs- und Fluidtechnik gewinnt Brasilien weiter an Bedeutung: Die deutschen Exporte stiegen zuletzt auf 325 Mio. Euro in der Antriebstechnik (+10,1 % gegenüber 2024; zum Vergleich: 2021: 247 Mio. Euro) und auf 178 Mio. Euro in der Fluidtechnik (+6,5 % und seit 2020 stetig steigend). Beide Branchen gehören damit zu den wachstumsstarken Liefersegmenten nach Brasilien. Der VDMA unterstützt seine Mitgliedsunternehmen seit 2013 mit seiner Brasilien-Repräsentanz bei der Markterschließung, bei Kooperationen und beim Austausch zu branchenspezifischen Entwicklungen. Die Leiterin des Büros in São Paulo ist auf der Hannover Messe vertreten.
Konjunkturaussichten der Antriebs- und Fluidtechnik
Die Antriebs und Fluidtechnik zählt weiterhin zu den exportstarken Bereichen des Maschinenbaus, auch wenn das Geschäftsjahr 2025 schwächer ausfiel: Die Antriebstechnik erzielte in Deutschland einen geschätzten Umsatz von 17,6 Mrd. Euro (-2 % nominal gegenüber 2024). Für das Jahr 2026 wird ein Umsatzwachstum von nominal +3 % erwartet. Die Fluidtechnik erreichte im Jahr 2025 einen Umsatz von 8,3 Mrd. Euro (-2 % zu 2024), davon 5,3 Mrd. Euro in der Hydraulik (-3 %) und 3,0 Mrd. Euro in der Pneumatik (-2 %). Die Prognose für 2026 sieht ein nominales Wachstum von +3 % über alle Teilbereiche vor. Beide Branchen stehen wie zahlreiche andere Industriezweige unter dem Einfluss globaler Unsicherheiten und eines anhaltend herausfordernden Marktumfelds.
Die seit zehn Jahren unverändert hohen Welthandelsanteile von rund 20 % in der Antriebs- und Fluidtechnik bestätigen Deutschlands internationale Bedeutung als führende Exportnation auf Rang 1 vor China, den USA und Japan. „Die Technologieführerschaft böte jedoch ein noch deutlich höheres Wertschöpfungspotential in Deutschland, wären die Rahmenbedingungen besser”, so H. Rauen.