Anke Uhlig, Konjunkturexpertin beim VDMA

"Handels- und geopolitische Unsicherheiten bleiben eine Belastung für das Exportgeschäft", so Anke Uhlig, Konjunkturexpertin beim VDMA. (Quelle: VDMA)

„Geopolitische Spannungen, die US-Zollpolitik und das weiterhin schwache Chinageschäft haben die Maschinenausfuhren im ersten Halbjahr belastet. Ein weitgehend stabiles zweites Quartal und insbesondere das kräftige Exportplus von 6,8 % im Juni begrenzten das Halbjahresminus jedoch auf 0,8 %“, kommentiert VDMA-Konjunkturexpertin Anke Uhlig die Halbjahresbilanz der Exporte.

Regionale Entwicklung: USA stabil, China schwach, EU uneinheitlich

Im Exportgeschäft in die USA bremsten die US-Zollpolitik und der starke Euro spürbar. Dennoch konnten die Ausfuhren in die USA im ersten Halbjahr um 0,5 % zulegen, was auch auf eine Stabilisierung der Exporte im zweiten Quartal zurückzuführen ist. Ein anderes Bild zeigt sich bei den Ausfuhren nach China, die Exporte dorthin brachen um 13,8 % ein.

Die Europäische Union entwickelte sich besser als der Durchschnitt und konnte mit einem kleinen Plus von 1,3 % ein stabiles Ergebnis erzielen. Auch hier ist das insgesamt positive Ergebnis auf ein positives Quartalsende zurückzuführen. Innerhalb der EU zeigte sich jedoch ein uneinheitliches Bild: Frankreich und die Niederlande, auf den Plätzen 3 und 5 der wichtigsten Ausfuhrländer, legten um 3,6 % beziehungsweise 5,1 % zu. Das auf Platz 4 der Rangliste liegende Italien musste einen leichten Rückgang von 0,5 % verkraften. Mit einem Exportanteil von 45,9 % blieb die EU die wichtigste Absatzregion für den Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland.

Das sonstige Europa hat einen Exportanteil von 12,8 % und konnte ebenfalls ein leichtes Plus von 0,5 % im Vorjahresvergleich verbuchen. Unter den Einzelmärkten lagen die USA mit einem Anteil von 13,1 % weiter an der Spitze, gefolgt von China (7,1 %) und Frankreich (6,9 %). Bei den Importen aus den Top-10-Lieferländern konnten Frankreich (plus 8,5 %), China (plus 8,0 %) und Österreich (plus 4,7 %) besonders stark zulegen.

Lichtblicke innerhalb der EU sind insbesondere die Ausfuhren nach Dänemark (plus 22,5 %) und Schweden (plus 11,4 %). Außerhalb Europas stachen vor allem Indien (plus 11,1 %) und Kanada (plus 10,0 %) mit zweistelligen Wachstumsraten positiv hervor.

Ausblick verhalten – Unsicherheiten belasten

Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte bleiben unsicher. Die militärischen Auseinandersetzungen in der Golfregion belasten die Weltkonjunktur, im US-Geschäft wirken Zölle auf Stahl- und Aluminiumderivate sowie drohende neue Zollschocks bremsend. Im China-Geschäft dürfte sich der seit 2022 anhaltende Exportrückgang fortsetzen. Der Markt verliert folglich für den Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland weiter an Gewicht. Dennoch bleibt China wegen seines weiterhin großen Anteils einer der zentralen Exportmärkte. Der schwache Auftragseingang aus den Euroländern dämpft die Aussichten innerhalb der EU.

„Handels- und geopolitische Unsicherheiten bleiben eine Belastung für das Exportgeschäft. Die jüngste Erholung der Ausfuhren in die USA steht weiterhin unter dem Vorbehalt einer unsicheren Zollpolitik. In China dämpfen die schwache Nachfrage und der wachsende Wettbewerbsdruck die Absatzperspektiven. Zugleich verschärft die zunehmende Präsenz chinesischer Anbieter auf den Weltmärkten den Wettbewerb. Um die Exportmärkte breiter aufzustellen, braucht die Industrie zügig weitere Freihandelsabkommen und einen leistungsfähigeren europäischen Binnenmarkt“, resümiert A. Uhlig.
 

VDMA (af)

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