Plattform in zwei Ausführungen

Das Board

Bild 02: Das Board lässt sich nicht nur horizontal über angereihte Schaltschränke hinweg aufbauen, sondern auch vertikal etwa für kompakte IT-Anwendungen. (Quelle; Rittal)

Sammelschienenhalter

Bild 03: Da bei dem System die Kupferschienen ohne spezielle Sammelschienenhalter direkt im Board verbaut sind, lassen sich die Aufbau-Komponenten einfach durchgängig planen und montieren. (Quelle: Rittal)

Raphael Görner

Raphael Görner ist Geschäftsbereichsleiter Business Unit Energy & Power Solutions bei Rittal. (Quelle: Rittal)

Je nach Anwendung des Kunden stehen zwei verschiedene Ansätze zur Verfügung: Dies sorgt für mehr Flexibilität im Einsatz. Die Plattform ist einerseits als schnell montierbares Komplettboard mit Kupferschienen für Rittal-AX-Kompakt und VX25-Anreihschränke bis 1 200 mm erhältlich, auch entsprechend direkt bei Lieferung im Schrank vormontiert. Dadurch eignet sich das Board für Standardanwendungen, in denen die Anforderungen bereits im Vorfeld bekannt sind. Nutzer sparen damit Kosten, steigern die Übersichtlichkeit und können das System ohne spezielle Vorkenntnisse bestücken.

Volle Gestaltungsfreiheit bietet hingegen die Ausführung als offener Modulbaukasten für den individuellen Systemaufbau bis 2,4 m oder auch darüber hinaus – auch flexibel per Anreihverbindung über Schaltschränke hinweg. Anwender benötigen nur die Länge der Montageplatte und können die Module in 200 mm Schritten individuell kombinieren. Dabei bleibt das Bohrmuster auf jeder Rittal-Standard-Montageplatte identisch. Für das System müssen dann nur noch Flachkupfer-Stromschienen zugeschnitten werden. Diese werden anschließend sicher im Board fixiert, sodass die Kurzschlussfestigkeit immer gewährleistet ist. 

Diese Variante ist auch als modularer Bausatz ohne Schienen erhältlich. Gerade bei internationalen Anwendungen ist es wirtschaftlich und ökologisch von Vorteil, kein schweres Metall auf andere Kontinente zu verschiffen. Bei RiLineX sind die Boards einfach vor Ort mit Standardschienen aus Kupfer oder Aluminium in verschiedenen Querschnitten nutzbar. Auch eine Anreihung über mehrere Schränke hinweg ist selbst nachträglich bei späteren Anlagenerweiterungen kein Problem. In der Planung unterstützt Rittal durch den neuen RiPower-Konfigurator oder auch einen Design-In-Service für die Umstellung der eigenen Projekte auf die Plattform.

Ausblick

Zu Beginn ist das System als dreipolige Lösung für Stromstärken bis 800 A verfügbar. Vollständig vierpolige Systeme kommen noch hinzu. Zudem ist die Plattform für den Einsatz in Gleichstrom-Anwendungen geeignet, die vor allem im Bereich von effizienten Industrieanwendungen und erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen. Ab der Hannover Messe 2025 sollen alle relevanten Anschlussadapter, Geräteadapter, NH-Trenner etc. für das System erhältlich sein.

Zwei Fragen an Raphael Görner

RiLineX ist als offene Plattform für die Stromverteilung konzipiert. Raphael Görner erläutert die Ziele bei der Entwicklung des Systems.

Sie sehen in gleich mehreren Branchen die Notwendigkeit für einen neuen Industriestandard in der Stromverteilung und wollen ihn mit der neuen Plattform setzen. Was treibt Sie an?

R. Görner: Vor allem der klare Bedarf der Anwender. Das haben zahlreiche Gespräche mit unseren Kunden gezeigt. Das reicht vom klassischen Steuerungs- und Schaltanlagenbauer, zum Beispiel für Maschinensteuerungen, bis hin zur Energiespeicherindustrie, dem Photovoltaikanlagenerrichter oder der IT-Branche. Sie alle haben wachsenden Kostendruck bei steigender Komplexität und knappen Fachkräften. Auch wenn die Anwendungen sich unterscheiden, ähneln sich die Wege zur Optimierung: Den gesamten Prozess schon von der Planung an mit einer durchdachten Systemplattform und digitaler Integration vereinfachen, dann die Montage durch standardisierte Komponenten beschleunigen und damit auch Fehler konsequent vermeiden. Standardisierung und Digitalisierung spielen dann auch im Betrieb und bei der Instandhaltung ihre Vorteile aus. Der Plattformansatz funktioniert umso besser, desto mehr Komponentenhersteller mitmachen.

Was unterscheidet eine Plattform von einem Schienensystem?

R. Görner: Neben mechanischen Vorteilen geht es vor allem um ein neues Maß an Offenheit und Vielseitigkeit. Bereits vor dem Verkaufsstart haben wir ein Plattform-Ökosystem mit Technologiepartnern angestoßen. Hersteller von Geräten und Komponenten erhalten lizenzfrei die notwendigen Schnittstellendaten für ihre Produktentwicklung. Zudem ist RiLineX nicht nur als schnell montierbares Komplettboard erhältlich, sondern auch als modulares System, sogar ohne Schienen. Durch das berührungsgeschützte Design senken wir durch den kompletten Entfall von Verschnitt deutlich den Kunststoffeinsatz. Zudem muss kein schweres Kupfer mehr aufwendig um die Welt verschifft werden. Und schließlich bringt RiLineX durch die Gleichstromfähigkeit die Anwendungsflexibilität auf ein neues Niveau und macht den schnellen Aufbau effizienter Infrastrukturen für die „All Electric Society“ möglich.

Literatur

  1. Rittal GmbH & Co. KG, Herborn: www.ritttal.com
Dr. Jörg Lantzsch ist freier Fachjournalist in Wiesbaden. Hans-Robert Koch ist Team Lead Strategy und Brand Communications bei der Rittal GmbH & Co. KG in Herborn.
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