Normen und Nachweise als Betriebsrealität

Gerald Fritzen, Business Development Manager Rechenzentren & RCM bei Janitza (r.), im Gespräch mit Chefredakteur Ronald Heinze

Bild 02: Gerald Fritzen, Business Development Manager Rechenzentren & RCM bei Janitza (r.), im Gespräch mit Chefredakteur Ronald Heinze (Quelle: VDE VERLAG)

Dashboardübersicht im Verteiler

Bild 03: Dashboardübersicht im Verteiler (Quelle: Janitza)

Energiemonitoring für Rechenzentren - Schnelle Übersicht der wichtigsten Werte

Bild 04: Energiemonitoring für Rechenzentren - Schnelle Übersicht der wichtigsten Werte (Quelle: Janitza)

Hochverfügbarkeits-Report aus der Netzvisualisierungssoftware Gridvis

Bild 05: Hochverfügbarkeits-Report aus der Netzvisualisierungssoftware Gridvis (Quelle: Janitza)

Energiemonitoring und RCM in einem Gerät - Der Netzanalysator UMG 96RM-E

Bild 06: Energiemonitoring und RCM in einem Gerät - Der Netzanalysator UMG 96RM-E (Quelle: Janitza)

Parallel zur technischen Komplexität steigen die regulatorischen Anforderungen. Normen wie die DIN EN 50600 definieren klare Vorgaben für Betrieb, Verfügbarkeit und Monitoring von Rechenzentren. Gleichzeitig verlangen Kunden, Auditoren und Hersteller zunehmend belastbare Nachweise.

„Normung ist keine Theorie, sondern gelebte Praxis“, betont G. Fritzen. „Die DIN EN 50600 beschreibt sehr konkret, welche Überwachungsfunktionen erforderlich sind.“ Dazu gehören unter anderem Spannungsqualitätsanalysen, Fehlerstromüberwachung und die Bewertung von Redundanzkonzepten.

Auch vertragliche Anforderungen spielen eine wachsende Rolle. ServiceLevel-Agreements zwischen Betreibern und Kunden definieren Grenzwerte für Spannungsqualität und Versorgungssicherheit– mit direkten wirtschaftlichen Konsequenzen. „Wenn bestimmte Parameter nicht eingehalten werden, können Vertragsstrafen fällig werden. Diese Nachweise müssen automatisiert und belastbar erbracht werden.“

Selbst Hersteller von IT-Infrastruktur verlangen zunehmend dokumentierte Versorgungsqualität. „Bei hochpreisigen Systemen ist die Stromversorgung ein kritischer Faktor. Ohne entsprechende Nachweise kann es sogar Auswirkungen auf die Gewährleistung geben“, so G. Fritzen.

Effizienz zwischen Wettbewerb und Regulierung

Energieeffizienz ist im Rechenzentrum längst mehr als ein Nachhaltigkeitsthema – sie ist ein wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor. Der Power Usage Effectiveness (PUE) entscheidet unmittelbar über die Kostenstruktur eines Standorts. „Ein schlechter PUE bedeutet schlicht höhere Energiekosten – und damit einen Wettbewerbsnachteil“, weiß G. Fritzen. Entsprechend intensiv arbeiten viele Betreiber seit Jahren an der Optimierung ihrer Anlagen.

Durch das Energieeffizienzgesetz entstehen zusätzliche Anforderungen. Betreiber müssen Kennzahlen erfassen, dokumentieren und teilweise auch veröffentlichen. G. Fritzen bewertet dies differenziert: „Im privaten Markt war Effizienz schon immer ein Thema. Aber im öffentlichen Bereich sehen wir teilweise noch erheblichen Nachholbedarf.“ Kritisch sieht er hingegen nationale Sonderregelungen, die über europäische Vorgaben hinausgehen. „Wenn unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden, führt das vor allem zu mehr Bürokratie – ohne dass der tatsächliche Nutzen steigt“, ergänzt G. Fritzen.

Zugleich zeigt sich ein strukturelles Problem: Neue Rechenzentren erreichen ihre Zielwerte oft erst im laufenden Betrieb, wenn genügend IT-Last vorhanden ist. „In der Anlaufphase passen Theorie und Praxis nicht immer zusammen“, so G. Fritzen

Spannungsqualität neu gedacht

Mit der Energiewende und der zunehmenden Elektrifizierung rückt auch die Spannungsqualität im lokalen Netz stärker in den Fokus. Rechenzentren werden dabei häufig als potenzielle Störfaktoren betrachtet – nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Anschlussleistungen.

Die Praxis zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. „Moderne Rechenzentren mit entsprechender USV-Technik sind im Wesentlichen stabile Verbraucher“, erklärt G. Fritzen. Eigene Auswertungen hätten gezeigt, dass sie die Spannungsqualität nicht verschlechtern – im Gegenteil.

Perspektivisch könnten Rechenzentren sogar eine Rolle als Regelenergieteilnehmer spielen. „Die vorhandene Infrastruktur – USV-Anlagen, Generatoren, große Anschlussleistungen – bietet enormes Potenzial.“ Voraussetzung sei allerdings ein regulatorischer Rahmen, der solche Anwendungen ermöglicht. „Die Technik ist da. Was fehlt, ist die notwendige Offenheit.“

KI verändert die Physik des Rechenzentrums

Mit dem Aufstieg von KI und High-Performance-Computing verändert sich die physische Realität im Rechenzentrum grundlegend. Leistungsdichten steigen drastisch, Kühlkonzepte verschieben sich in Richtung Flüssigkeitskühlung, und Lastverläufe werden deutlich volatiler.

„Wir sehen heute Racks mit enormen Leistungsdichten und gleichzeitig Wasser in unmittelbarer Nähe zur Stromversorgung“, stellt G. Fritzen heraus. „Das bringt ganz neue Risiken mit sich.“ Entsprechend rückt die Messtechnik näher an die Last heran – bis hinein in einzelne Racks.

Gleichzeitig verändert sich das Lastverhalten. „KI-Workloads sind nicht konstant. Sie verhalten sich eher wie industrielle Verbraucher“, erklärt G. Fritzen. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Lastmanagement und Steuerung. „Wir werden künftig stärker in Richtung aktiver Laststeuerung und Peak-Shaving gehen müssen.“

Vom Messen zum Steuern

Diese Entwicklung markiert einen grundlegenden Wandel: Energiemesstechnik entwickelt sich zur Steuerungs- und Entscheidungsplattform. Daten dienen nicht mehr nur der Erfassung, sondern der gezielten Optimierung von Betriebsstrategien.

Janitza arbeitet daher zunehmend an integrierten Lösungen, die Messung, Analyse und Steuerung miteinander verbinden. Standardisierte Reports, automatisierte Auswertungen und flexible Schnittstellen sorgen dafür, dass Informationen dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden – von der technischen Betriebsführung bis zur kaufmännischen Abrechnung. „Der Anwender soll nicht mehr alles selbst entwickeln müssen“, sagt G. Fritzen. „Die Systeme liefern die Informationen so aufbereitet, dass sie direkt nutzbar sind.“

Intelligenz beginnt bei den Grundlagen

Auch das Thema künstliche Intelligenz spielt dabei eine Rolle – allerdings mit einem klaren Fokus auf Praxistauglichkeit. „Alle reden über KI, aber oft fehlt das Verständnis für die Grundlagen“, führt G. Fritzen aus. Für ihn beginnt jede Form von „Intelligenz“ mit sauber erfassten und korrekt interpretierten Messdaten.

Ein nächster Schritt sei daher mehr lokale Intelligenz direkt im Messgerät. „Das System soll selbst erkennen, wenn sich etwas vom Normalzustand entfernt, und diese Information aktiv melden.“ Darauf aufbauend lassen sich über Schnittstellen und Cloudplattformen weitergehende Analysen realisieren.

Fazit

Rechenzentren entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit weiter – technisch, wirtschaftlich und regulatorisch. Die Anforderungen an Verfügbarkeit, Effizienz und Transparenz steigen gleichermaßen. Energiemesstechnik schafft die technische Voraussetzung für die Erfüllung dieser Anforderungen.

Oder, wie G. Fritzen es formuliert: „Ohne Energietransparenz kann man solche Anlagen gar nicht mehr verstehen.“ Genau hier setzt Janitza an – mit Lösungen, die aus Daten belastbare Entscheidungen generieren und damit den Betrieb moderner Rechenzentren transparaent und steuerbar machen.

Literatur

  1. Janitza electronics GmbH, Lahnau: www.janitza.com
Ronald Heinze
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