Am 21.10.2025 war die etz wieder auf Tour – diesmal zu Wago nach Minden: Im Mittelpunkt des Besuchs steht das Thema OT-Security, also die Absicherung von Steuerungs- und Netzwerksystemen in der industriellen Automatisierung. Wie Unternehmen Cyberrisiken erkennen, bewerten und ihnen vorbeugen können, zeigt Wago mit praxisnahen Ansätzen – von zertifizierten Controllern bis hin zu individuellen Security-Konzepten für den Maschinen- und Anlagenbau. Der Besuch führt uns auf den Wago-Campus in Minden, wo wir mit Experten über die aktuelle Bedrohungslage, den Einfluss des Cyber Resilience Act und die Umsetzung der Norm IEC 62443 sprechen werden. Außerdem erfahren wir, warum Sicherheitsbewusstsein immer auch Unternehmenskultur bedeutet. Ein spannender Einblick in ein Thema, das die Automatisierung künftig noch stärker prägen wird.

Wir, Ronald Heinze und Olaf Schneider, sind heute auf dem Weg zu WAGO in Minden. Dort treffen wir uns mit den Experten Jens Sparmann, Dr. Christopher Tebbe und Jens Krake, um mehr über den ganzheitlichen OT-Security-Ansatz des Unternehmens zu erfahren.

Angesichts steigender Schäden durch Cyberangriffe und neuer EU-Richtlinien wie dem Cyber Resilience Act (CRA) wird ganzheitliche Cybersecurity für Unternehmen immer wichtiger.

Wie WAGO diesen Herausforderungen begegnet, will die etz-Redaktion heute erfahren. Wir befinden uns nun am Stadtrand von Minden an der Weser.

etz@tour: WAGO hat seinen Hauptsitz in Minden. Die Mission des Unternehmens: Empower connections! Mit jedem kleinen Schritt, der durch Strom- und Datenflüsse zu verlässlicheren Ergebnissen führt, kommt WAGO seiner Vision ein Stück näher: das Rückgrat einer nachhaltigen und intelligent vernetzten Welt zu sein. Denn gerade in einer Welt von exponentieller Komplexität und digitaler Geschwindigkeit braucht es verlässliche Verbindung an den Schnittstellen. Diese bedienen die Experten mit zuverlässigen Lösungen und partnerschaftlicher Beratung. Im Bild zusehen: Jens Krake, Dr. Christopher Tebbe, beide WAGO, etz-Chefredakteur Ronald Heinze und Jens Sparmann von WAGO (v.l.n.r.)

Ganzheitliche Sicherheit für die OT: Cyberangriffe auf industrielle Netzwerke, Systeme und Geräte können Prozesse lahmlegen, die Sicherheit beeinträchtigen und hohe Kosten verursachen. Um dem wirksam zu begegnen, ist es entscheidend, OT und IT gleichermaßen zu schützen. WAGO verfolgt dafür einen integrierten Ansatz, der die Cyberresilienz seiner Kunden stärkt und auf den Säulen Consulting, Produkte, Branchenexpertise, PSIRT und Richtlinien basiert.

Dr. Christopher Tebbe, Security Technology Management bei WAGO: „Automatisierungsunternehmen stehen heute vor der Aufgabe, gleichzeitig die Anforderungen des Cyber Resilience Act und der NIS-2-Richtlinie umzusetzen. Während der CRA darauf abzielt, vernetzte Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg gegen unbefugten Zugriff und Manipulation abzusichern – inklusive der verpflichtenden, zeitnahen Bereitstellung von Security-Updates – legt die NIS-2 den Fokus auf den Betrieb digitaler Infrastrukturen. Sie verschärft die bisherigen Vorgaben der NIS-1 und verpflichtet Unternehmen je nach Branche und Einstufung zu einem umfassenden Risikomanagement, das die Sicherheit ihrer digitalen Infrastrukturen und Services gewährleistet.“

Netzwerksichtbarkeit und Anomalieerkennung: WAGO Cybersecurity Network Sight bietet volle Transparenz in OT-Netzwerken und erkennt Abweichungen vom Normalverhalten sofort. Die Lösung inventarisiert automatisch alle Assets, überwacht Kommunikationsprotokolle sowie Geräteaktivitäten und bewertet sicherheitsrelevante Ereignisse nach Schweregrad. Dank integriertem Schwachstellenmanagement und kontinuierlichem Abgleich mit aktuellen Bedrohungsinformationen werden Risiken frühzeitig erkannt, False Positives reduziert und die Einhaltung neuer Cybervorschriften unterstützt. Damit stärken Betreiber nachhaltig ihre Cyberresilienz und erhöhen die Sicherheit ihrer Anlagen.

Jens Sparmann von WAGO Thema Security Consulting: „Wir bieten mit unserem Security Consulting ein ganzheitliches Konzept, um OT- und IT-Systeme gleichermaßen abzusichern und den aktuellen Anforderungen von CRA und NIS-2 gerecht zu werden. Dabei werden maßgeschneiderte Hardware- und Softwarelösungen eingesetzt, ergänzt durch detaillierte Risikoanalysen, Audits und kontinuierliches Monitoring. Durch die Kooperation mit Radiflow können wir außerdem spezialisierte Tools wie „Cyber Security Network Sight“ und „Cyber Security Analysis“ anbieten, mit denen Kunden ihre OT-Netzwerke sichtbar machen, Schwachstellen erkennen und gezielt Maßnahmen zur Netzsegmentierung umsetzen. Ziel ist nicht nur Compliance, sondern eine langfristig belastbare Cyberresilienz.“

WAGO hat ein zertifiziertes Sicherheitskonzept etabliert, das sich über den gesamten Produktlebenszyklus zieht – von der Planung und Entwicklung über die Herstellung bis hin zur Wartung und dem Auslauf. Gemäß IEC 62443-4-1 werden in diesem Konzept Prinzipien wie Secure-by-Design, Secure-by-Implementation und Secure-by-Default konsequent umgesetzt.

Dabei werden Hardware und Software gleichermaßen betrachtet und Schwachstellen proaktiv identifiziert und behoben. Ziel ist es, Produkte so zu gestalten, dass sie über ihre gesamte Lebensdauer hinweg möglichst resistent gegen digitale Bedrohungen sind.

Wie schafft man es, ein komplexes Thema wie Industrial Security greifbar zu machen? WAGO hat dafür eine außergewöhnliche Herangehensweise gewählt. Im Bild: Dr. Christoper Tebbe, David Wutzke, Justine Kleine und Jens Sparmann, alle WAGO (v.l.n.r.)

In interaktiven Formaten wie der Go Security Arena oder einem Escape-Room rund um Cybergefahren lernen Mitarbeitende, worauf es bei Security wirklich ankommt – spielerisch, praxisnah und mit Aha-Effekt.

Unser Fazit: Wer Security erlebbar macht, verändert auch das Bewusstsein im Unternehmen.

Ein spannender Einblick in eine Kultur, die Sicherheit nicht als Pflicht, sondern als gemeinsame Verantwortung versteht.

Dr. Christopher Tebbe, Security Technology Management bei WAGO: „Die Security unserer Produkte ist uns sehr wichtig. Deshalb setzen wir seit längerem auf die internationale Normreihe IEC 62443 und ganz konkret auf die Teile -4-1 und -4-2. Die Anwendung dieser Normteile stellt sicher, dass die Security unserer Produkte über ihren gesamten Lebensweg gewährleistet ist. Dazu zählen beispielsweise auch das Schwachstellenmanagement und die Security-Dokumentation für den Kunden. Deshalb gehen wir davon aus, dass durch Anwendung der IEC 62443 auch die Konformität unserer Produkte zum CRA erreicht wird.“

Compact Controller 100: kompakt, vielseitig und in Kürze nach IEC 62443-4-1/-2 zertifiziert:
„Mit der neuen Konformität unterstreicht WAGO sein Engagement für höchste Produktsicherheit. Der Compact Controller 100 kombiniert die Leistungsfähigkeit einer vollwertigen Steuerung mit einem schlanken Design und unterstützt Anwender dabei, ihre Anlagen zuverlässig gegen Cyberbedrohungen zu schützen. Damit erfüllt er nicht nur zentrale Anforderungen des Cyber Resilience Act, sondern bietet zugleich ein zukunftssicheres Fundament für moderne Automatisierungsaufgaben“, betont Jens Krake von WAGO im Gespräch mit etz-Chefredakteur Ronald Heinze.

Dr. Christopher Tebbe, Security Technology Management bei WAGO: „Bei der Veröffentlichung von Sicherheitsinformationen arbeiten wir eng mit unserem Partner CERT@VDE zusammen. Dieser informiert über Schwachstellen und deren Behebung in sogenannten Advisories und stellt dafür auch einen RSS-Feed bereit. Über die vom VDE etablierte Plattform für Schwachstellenmanagement erhalten Anwender zudem eine zentrale Anlaufstelle, die Sicherheitsmeldungen bündelt und konkrete Handlungsempfehlungen gibt.“

Wir haben heute viele interessante Details zur ganzheitlichen OT-Security von WAGO erfahren. Wir bedanken uns bei Jens Krake (2. v.l.), Dr. Christopher Tebbe (3. v.l.), Jens Sparmann (2. v.r.) sowie Justine Kleine und David Wutzke für den freundlichen Empfang in Minden. Ausführliche Infos finden Sie auch in einer nachfolgenden Printausgabe der etz.
Interview mit Jens Sparmann von Wago zu den Security-Highlights von WAGO auf der SPS 2025
Cybersecurity zum Anfassen – direkt von der SPS! Nach unserer etz@tour zu WAGO im Oktober hat sich Ronald Heinze auf der SPS – Smart Production Solutions noch einmal den Cybersecurity-Experten Jens Sparmann geschnappt, um über die Security-Highlights von WAGO auf der Messe zu sprechen. Im kurzen Video-Interview verrät er, welche Neuheiten WAGO präsentiert. Klar, Messe ist laut, voll und hektisch – aber wenn’s um Cybersecurity geht, hört man eben doch genau hin.