Leistungsangebot der Asset Administration Shell
Durch den Einsatz der AAS als digitalem Zwilling im Konzept Industrie 4.0 können zahlreiche unterschiedliche Unternehmen sicher interagieren. Digitale Geschäftsmodelle und Prozessketten müssen dazu Daten selbstbestimmt und multilateral teilen, damit sie effizient sind. Die AAS bietet hier:
- Interoperabilität: Die AAS stellt keine neue technische Sprache oder Semantik dar, sondern eine Methode, mit der bestehende Definitionen und Standards, wie Eclass oder IEC CDD, sowie weitere beliebige Ontologien genutzt werden können. Durch die explizite Benennung des verwendeten Standards lassen sich Daten automatisiert interpretieren und einsetzen. Verschiedene Standards können durch Mapping interpretiert werden. Ein Use Case ist die interoperable und folglich effiziente Datennutzung in den Prozessketten einer Domäne mit einer domänenübergreifenden Interaktion in den Geschäftsmodellen Dies können zum Beispiel eine Energieeinsparung durch die intelligente Kopplung und ein Energiemanagement auf dem Unternehmenscampus sein, der Büro- und Produktionsgebäude umfasst.
- Einfache unternehmensübergreifende Kommunikation: Die AAS ist in der Lage, eine beliebige Anzahl von Unternehmen zu authentifizieren und in der Kommunikation einheitlich anzusprechen (sicherer Token). In der jeweiligen Interaktion muss dazu nicht jede Unternehmensverbindung einzeln ausgehandelt werden. Ein Anwendungsbeispiel ist das multilaterale Teilen von Daten sowie die Verwendung gemeinsamer Datenräume.
- Souveränes Agieren in Geschäftsmodellen: Hinsichtlich der Bereitstellung von Daten kann in der AAS die Freigabe von Informationen bis auf die Merkmalebene festgelegt werden. So ist es möglich, dass der Datenlieferant öffentliche Daten (etwa Produktinformationen) und geschützte Daten (beispielsweise vertragsabhängige Daten oder IP-Adressen) separiert und sicher organisiert.
- Durchsuchbarkeit von digitalen Zwillingen: Die AAS unterstützt Mechanismen (sicherer Token auch für Query), die Tausende von Servern sicher ansprechen können. Zum Beispiel lassen sich für die Produktsuche oder die Informationsbeschaffung, etwa von Software-Updates intelligenter Produkte, Suchanfragen über viele Hersteller formulieren. Dies geschieht in der AAS über verteilte Register, welche die AAS auffindbar machen.
- Zugriffsregeln bei der Datennutzung in Geschäftsmodellen: Die AAS setzt Regelmechanismen (Usage Policy) ein, mit denen das jeweilige Unternehmen die Datenzugriffe in Bezug auf die Zeit, Anzahl der Zugriffe oder andere Vereinbarungen einfach vorgeben kann. Der Maschinenbetreiber kann dem Maschinenbauer oder Produktlieferanten also Laufzeitdaten für den Wartungszeitraum freigeben.
- Einfache Integration: Einen weiteren wesentlichen Umsetzungsfaktor stellt die Verfügbarkeit von Schnittstellen zur Nutzung der AAS in den produktiven Softwaresystemen der Anwender dar. Hier besteht eine Herausforderung in der Einfachheit der Einbindung. Um eine Breitenwirkung zu erzeugen, bedarf es einer Schnittstellenintegration durch die Anwender, bei der es sich nicht um ein eigenständiges Softwareprojekt mit Budgetanforderungen für die Implementierung handeln darf. Es gelten die gleichen Anforderungen an die Infrastruktur wie bei der schnellen Einrichtung eines E-Mail-Accounts.
Die genannten Punkte sind Beispiele für wichtige Fähigkeiten, die im Konzept Industrie 4.0 und den dort generierten Datenräumen benötigt werden, respektive den Kriterien, an denen sich die jeweiligen Umsetzungen bewerten lassen müssen. Es erweist sich als unumgänglich, diese Fähigkeiten weiterzuentwickeln und auszurollen, damit die digitale Transparenz als Grundlage für eine florierende Wirtschaft und Gesellschaft gegeben ist.
Umsetzung im Rahmen der Initiativen Catena-X und Manufacturing-X
Das Netzwerk der Plattform Industrie 4.0, die wesentlichen Industrieverbände und die Förderinitiativen der Bundesregierung haben die AAS-Technologie erarbeitet. Mit Catena-X sind erste Umsetzungen in den Prozessketten der Automobilindustrie gestartet worden. Die aktuelle Förderinitiative Manufacturing-X stellt nun den nächsten Schritt dar, der Industrie 4.0 mit der AAS als digitalem Zwilling in den industriellen Datenräumen realisiert.

