Kennzahlen mit der Netzvisualisierungssoftware Gridvis einfach berechnen und auswerten

Bild 01: Kennzahlen mit der Netzvisualisierungssoftware Gridvis einfach berechnen und auswerten (Quelle: Janitza)

Rechenzentren zählen zu den kritischsten Infrastrukturen unserer Zeit. Clouddienste, KI-Anwendungen und digitale Geschäftsmodelle treiben den Bedarf an Rechenleistung und damit auch an elektrischer Energie stetig nach oben. Für Betreiber bedeutet das: Maximale Verfügbarkeit, höchste Energieeffizienz und vollständige Transparenz über die Stromversorgung sind unverzichtbar. Wie sich diese Anforderungen technisch umsetzen lassen, erläutert Rechenzentrumexperte Gerald Fritzen von Janitza [1]. Im Gespräch macht er deutlich, dass moderne Messtechnik heute weit mehr als ein Stromzähler ist – sie wird zum zentralen Werkzeug für Betriebssicherheit, Effizienz und Netzstabilität.

Früher reichten punktuelle Messungen und regelmäßige Kontrollen – in modernen Rechenzentren stoßen diese Ansätze längst an ihre Grenzen. Heute geht es um ein durchgängiges Verständnis der elektrischen Infrastruktur – in Echtzeit, systemübergreifend und jederzeit auswertbar. Ohne diese Transparenz wird der Betrieb komplexer Anlagen schnell zum Blindflug.

„Es geht immer um Hochverfügbarkeit“, bringt Gerald Fritzen, Business Development Manager Rechenzentren und RCM bei Janitza, die zentrale Herausforderung auf den Punkt. „Wir müssen Abschaltungen vermeiden, Fehler frühzeitig erkennen und dem Betreiber die Informationen liefern, mit denen er seine Anlage wirklich versteht.“ Messtechnik wird damit zum strategischen Element: Sie schafft die Grundlage für den sicheren Betrieb, für Effizienzoptimierung und für die Erfüllung wachsender Nachweispflichten (Bild 1).

Verfügbarkeit ohne Stillstand denke

Eine der größten Besonderheiten von Rechenzentren liegt in ihrer Betriebslogik: Abschalten ist keine Option. Wartung, Prüfung und Analyse müssen im laufenden Betrieb erfolgen – mit entsprechend hohen Anforderungen an die eingesetzte Technik.

„Rechenzentren können ihre Anlagen nicht einfach stilllegen. Klassische Prüfverfahren wie Isolationsmessungen sind deshalb häufig gar nicht praktikabel“, erklärt G. Fritzen (Bild 2). Die Konsequenz: Die Betreiber müssen die Zustände im Rechenzentrum kontinuierlich überwachen, anstatt sie nur punktuell zu prüfen.

Genau hier setzt moderne Messtechnik an. Die Kombination aus Betriebsstrom- und Differenzstrommessung ermöglicht die frühzeitige Erkennung kritischer Zustände bei hoher Verfügbarkeit. „Wir haben Lösungen entwickelt, die genau das leisten – kontinuierliche Überwachung im Betrieb. Das war für viele Rechenzentren ein entscheidender Fortschritt“, so der Data-Center-Experte. (Bild 3)

Aus diesen kontinuierlichen Daten entsteht ein dynamisches Bild der Anlage. Veränderungen im Lastverlauf, Isolationsprobleme oder ungewöhnliche Betriebszustände werden sichtbar, bevor sie zu einem Ausfall führen. „Wenn ich erst beim nächsten Rundgang sehe, dass etwas nicht stimmt, bin ich zu spät“, sagt G. Fritzen. „Predictive Maintenance funktioniert nur mit durchgängigen Daten.“

Komplexität beherrschen statt verwalten

Mit der Größe moderner Rechenzentren wächst auch die Komplexität ihrer Infrastruktur. Redundante Versorgungsstränge, mehrstufige Verteilungen, USV-Systeme, Unterverteilungen und tausende Endverbraucher bilden ein hochvernetztes System, das nicht nur betrieben, sondern auch verstanden werden muss.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension: Energie wird nicht nur verbraucht, sondern auch intern verrechnet. „In großen Colocation-Rechenzentren wird teilweise jedes einzelne Rack separat erfasst und abgerechnet“, so G. Fritzen. „Da sprechen wir schnell über mehrere tausend Messstellen.“ (Bild 4)

Ohne Automatisierung lässt sich diese Komplexität nicht mehr beherrschen. Gefragt sind Systeme, die Daten nicht nur erfassen, sondern strukturieren, bewerten und kontextualisieren. Aus Sicht von Janitza verdichten sich die Anforderungen dabei auf vier zentrale Aufgaben: Verfügbarkeit sicherstellen, Energieflüsse transparent machen, Nachweise automatisiert erbringen und Effizienzpotenziale identifizieren.

Diese Aufgaben greifen ineinander. Wer etwa Redundanzen bewerten will, benötigt belastbare Lastdaten. Wer Effizienzkennzahlen ermitteln will, muss Verluste entlang der gesamten Versorgungskette kennen. Und wer SLAs einhalten muss, braucht jederzeit reproduzierbare Nachweise über die Versorgungsqualität. (Bild 5)

Vom Messpunkt zur Plattform

Um diese Anforderungen in der Praxis abzubilden, setzt Janitza auf ein durchgängiges Portfolio aus Hardware, Software und Services. In der Fläche kommen multifunktionale Netzanalysatoren wie die modular erweiterbaren Energieanalysatoren UMG 800 zum Einsatz, die neben klassischen Energiedaten zusammen mit RCM-Modulen auch Differenzströme erfassen und damit eine kontinuierliche Zustandsüberwachung ermöglichen – ein entscheidender Vorteil im unterbrechungsfreien Betrieb von Rechenzentren. Für abrechnungsrelevante Anwendungen, etwa in Colocation-Umgebungen, werden MID-zertifizierte Netzanalysatoren vom Typ UMG 96-PA-MID+ eingesetzt, mit denen sich Energieverbräuche einzelnen Racks oder Kunden eindeutig zuordnen lassen. (Bild 6)

Auf übergeordneter Ebene sorgen leistungsfähigere Geräteklassen für Transparenz an Einspeisepunkten, Transformatoren oder zentralen Verteilungen – inklusive detaillierter Netzqualitätsanalysen und Ereigniserfassung. Ergänzt wird dies durch spezialisierte Differenzstromsysteme, die auch in Bestandsanlagen oder bei großen Leiterquerschnitten ohne Abschaltung direkt nachgerüstet werden können.

Die zentrale Klammer bildet die Netzvisualisierungssoftware Gridvis. Hier laufen alle Messdaten zusammen, werden visualisiert, analysiert und in konkrete Anwendungen überführt – von Kapazitäts- und Redundanzanalysen über automatisierte Reports bis hin zu Kennzahlen wie PUE (Power Usage Effectiveness) oder anderen Effizienzindikatoren. „Der Kunde soll nicht selbst programmieren müssen“, sagt G. Fritzen. „Er bekommt die Informationen so aufbereitet, dass er sie direkt nutzen kann.“ Damit entsteht aus der Vielzahl einzelner Messpunkte ein konsistentes Gesamtbild der elektrischen Infrastruktur. Das schafft die Voraussetzung für einen sicheren und effizienten Betrieb von Rechenzentren.

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