Campus-Netze stecken noch in der Kostendiskussion

Mit den neu geschaffenen Campus-Netzen können Betriebe auf ihrem Firmengelände eine eigene Basisstation mit zum Beispiel 4G-LTE- oder 5G-Technologie errichten und für ihre industriellen Prozesse verwenden: Beispielsweise für eine Art „Super WLAN“ zur IIoT- und AGV-Vernetzung von mobilen und autonomen Förderfahrzeugen. Bandbreiten in 10-MHz-Schritten konnten ab September 2019 bei der Bundesnetzagentur, unter Angabe des Verwendungszwecks, beantragt werden. Seit Anfang November 2019 sind auch die Kosten dafür nach einer Formel errechenbar. Zu beachten ist dabei, dass für Campus-Netze das Prinzip „Use it or loose it“ gilt: Die Installation muss innerhalb eines Jahres erfolgen, sonst erlischt die Genehmigung. Dienstleistungsangebote für Telefonie und Internetzugang sind in diesem Frequenzbereich nicht möglich. Zwischenzeitlich wurden auch die innerhalb der Campus-Grenzen zulässigen maximalen Feldstärkewerte veröffentlicht.

Generell hat die Politik jedoch hier eine mutige Entscheidung für die Industrie und deren Zukunftsmöglichkeiten getroffen: 100-MHz-Bandbreite im 3,7-GHz- bis 3,8-GHz-Band wurde für derartige industrielle Anwendungen reserviert und bei der Lizenzversteigerung den Mobilfunkprovidern verweigert.

Wie geht es weiter mit 5G in der Automatisierungstechnik?

Noch gibt es in der Automatisierungstechnik keine Schlüsselapplikation für 5G. Das liegt aber weniger an der fehlenden Kreativität der Automatisierer, sondern an den noch nicht vorhandenen 5G-Campus-Netzen und an den ebenso noch fehlenden 5G-fähigen Endgeräten, die die entsprechende Bandbreite unterstützen. Hohe Zuverlässigkeit und niedrige Latenz sind in den jetzt versteigerten Frequenzbändern nicht möglich. Denn momentan hat noch kein Mobilfunkprovider im 3,5-GHz-Bereich entsprechende Bandbreite ersteigert, um die erforderlichen hohen Datenraten realisieren zu können. Das nächste Band ist dann 24 GHz, welches aber erst mit den folgenden Releases spezifiziert werden wird. 

3 / 4