Nutzen in allen Bereichen

Mit der Trunk-and-Spur-Topologie sind Distanzen von bis zu 1.000 m überbrückbar (Quelle: PI/VDE VERLAG)
„Mit Ethernet-APL werden nun die Gaps von Standard-Ethernet in der Prozessautomation geschlossen: Es lassen sich Daten mit 10 Mbit/s über eine Zwei-Draht-Leitung über Distanzen von bis zu 1.000 m übertragen. Zudem können Daten und Energie parallel über die Leitung transportiert werden. Und auch der Einsatz im Ex-Bereich ist möglich. In Kombination mit den etablierten Ethernet-Technologien ergeben sich weitere Vorteile. In Summe profitiert der Anlagenbetreiber über alle Lebenszyklusphasen einer Anlage hinweg“, bringt B. Spielmann die APL-Vorteile auf den Punkt. Weiter zählt er auf, dass nun keine Hardware mehr für die Protokollumwandlung vonnöten sei, sondern ein homogenes Netzwerk mit einfachem Zugriff auf die Daten vorhanden sei. Zudem seien Anlagen modular aufsetz- sowie später erweiterbar und mittels Conformance-Tests würde die Interoperabilität der APL-Komponenten sichergestellt. „Da APL auf einem IEEE-Standard basiert, ist die Technologie zukunftsorientiert und das Investment wird geschützt“, erklärt er weiter. Er verweist ferner auf die APL Engineering Guidline, die den Anwender beim Engineering und der Installation des Netzwerks unterstützt. Zum Thema Installation führt er weiter aus: „Die Zwei-Draht-Leitung ist polaritätsunabhängig anschließbar. Schirmungs- und Erdungsrichtlinien unterstützen Unternehmen bei der Realisierung der entsprechenden Anforderungen. Da die meisten Ethernet-Komponenten automatisch im Netzwerk erkannt werden, vereinfacht sich auch die Integration ins Prozessleitsystem. Hinzu kommt eine höhere Messgenauigkeit aufgrund der digitalen Datenübertragung“, gibt er weiter an.
Als den aus seiner Sicht größten Vorteil durch die Ethernet-Technologie nennt B. Spielmann den Remote-Zugriff auf die Feldinstrumentierung mit der sehr schnellen Gerätekonfiguration. „In Summe stehen mehr Prozessvariablen im Prozessleitsystem mit der hohen Messgenauigkeit der digitalen Übertragung zur Verfügung. Für Betreiber resultieren daraus ein höherer Output und gesteigerte Qualität des Prozesses. Außerdem werden die Diagnosemöglichkeiten sowohl auf der Netzwerk- als auch auf der Geräteseite erweitert. Darüber hinaus wird mit APL die Basis für jegliche Second-Channel-Applikationen, zum Beispiel die Namur Open Architecture, gelegt. Somit können parallel zum Leitsystem Daten zur Verfügung gestellt werden, um diese beispielsweise für die Prozessoptimierung zu nutzen.“
Fazit und Ausblick
Für die Prozessindustrie entsteht mit APL ein Standard, der Ethernet auch in den Ex-Bereich bringt. Mit einer Datentransferrate von 10 Mbit/s können die meisten Applikationen der Prozessindustrie realisiert werden. Damit scheint APL der Enabler für die Prozessautomation 4.0 zu sein. Auf der Achema 2018 sowie auf den Namur-Hauptversammlungen konnten sich Interessenten bereits an Demonstratoren über die Technologie informieren. Bei BASF ist der größte Show Case zu sehen. Hier haben Hersteller eine Vielzahl an APL-fähigen Geräten bereitgestellt, um diese im Zusammenspiel mit Profinet zu testen und zu evaluieren. Hier wurden alle Vorteile belegt.
„Die PHY-IC sind verfügbar, sodass Hersteller diese in ihre Produkte integrieren können. Die technische Spezifizierung rund um APL werden wir im zweiten Quartal 2021 veröffentlichen. Dann können Hersteller entsprechende Produkte finalisieren und zertifizienen lassen“, sagt S. Lüder. Im Rahmen der Achema Pulse soll der APL-Technologie-Launch stattfinden und erste Produkte von den Herstellern des Projekt-Teams präsentiert werden.
„Aktuell liegt ein Fokus bei den Projektarbeiten auf den Conformance-Tests. Zusammen mit der Conformance-Testspezifikation wird dann die APL-Port-Profile-Spezifikation fertig gestellt. Hier wird auch der etablierten Anschlusstechnik im Prozessbereich gefolgt und weiterhin Terminal-Klemmen bzw. M12-Stecker verwendet. Dies ergibt sich aus den Namur-Anforderungen NE74“, gibt S. Lüder einen kleinen Einblick in die weiteren Projektaktivitäten.
Was das Thema APL-Produkte anbelangt, wird die Achema Pulse vom 15. bis 16. Juni eine interessante Neuheiten-Plattform darstellen.