Ab Februar 2027 benötigen alle neu in der EU auf den Markt gebrachten Traktionsbatterien, Batterien von Zweirädern und Industriebatterien mit > 2 kWh Kapazität einen digitalen Batteriepass. (Quelle: Bild: Heitec/iStock_1681962885_SweetBunFactory)
Herr Rögner, aktuell wird viel über den digitalen Produktpass gesprochen. Bitte geben Sie zunächst einige Einblicke in die Idee von digitalen Produktpässen im Allgemeinen und ihre Vorteile.
M. Rögner: Digitale Produktpässe sind mehr als Datensammlungen; sie sind ein Schlüssel für Transparenz und Nachhaltigkeit. Stellen wir uns eine Industriepumpe vor: Der Pass dokumentiert Herkunft, Produktion, Nutzung und Recycling. Das ermöglicht neue Geschäftsmodelle durch Service und digitale Angebote. Wartungs-Apps, Gebrauchtmärkte oder Abo-Modelle für Ersatzteile verlängern die Lebensdauer. So wird Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil zukunftsfähiger Geschäftsmodelle.
Zu den ersten seiner Art in der Umsetzung zählt der digitale Batteriepass (Battery Pass). Die EU-Batteriepass-Verordnung tritt ab dem Februar 2027 in Kraft. Warum ist man im Batteriebereich schneller unterwegs und welche Batterietypen sind betroffen?
M. Rögner: Die Batteriepass-Verordnung wurde im Batteriebereich schnell vorangetrieben, da Batterien essenziell für Elektromobilität und erneuerbare Energien sind. Sie soll Nachhaltigkeit, Sicherheit und Kreislauffähigkeit fördern. Ab 2027 betrifft sie Batterien für Elektrofahrzeuge, leichte Verkehrsmittel wie E-Bikes und Industriebatterien über 2 kWh, wie sie beispielsweise in Flurförderfahrzeugen eingesetzt werden. Der Batteriepass schafft Transparenz über Herkunft, CO2-Fußab-druck und Lebensdauer. Zudem können Batterien nach ihrer ursprünglichen Nutzung, etwa für stationäre Energiespeicherung, weiterverwendet werden, bevor sie recycelt werden. Dies verlängert die Lebensdauer und schont Ressourcen.
Was bedeuten die regulatorischen Vorgaben nun konkret für Hersteller und Zulieferer im industriellen Umfeld?
M. Rögner: Sie bedeuten für Hersteller und Zulieferer eine umfassende Anpassung ihrer Prozesse. So müssen sie Transparenz über die gesamte Lieferkette schaffen, einschließlich der Herkunft von Rohstoffen und des CO2-Fußabdrucks. Zudem sind sie verpflichtet, soziale und ökologische Standards einzuhalten und Recyclingquoten zu erfüllen. Der digitale Batteriepass wird dabei zur zentralen Anforderung, da er alle relevanten Daten, wie Materialzusammensetzung, Leistung und Lebensdauer, dokumentiert. Für Unternehmen bedeutet das, digitale Systeme zu implementieren, die diese Informationen erfassen, korrelieren, aufbereiten und unternehmensübergreifend in der Verwaltungsschale bereitstellen. Diese Daten eröffnen jedoch auch neue Geschäftsmodelle: Durch die Einsehbarkeit von Betriebsdaten können Hersteller beispielsweise Pay-per-Use-Modelle anbieten, bei denen Kunden nur für die tatsächliche Nutzung der Batterie zahlen. Ebenso ermöglicht der Batteriepass ein zielgerichtetes Recycling, indem er präzise Informationen über die „Abnutzung“ liefert, was die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe effizienter macht. So wird er auch zum Treiber für innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle.