Interview mit Michael Rögner

Michael Rögner, Leiter Smart Factory bei Heitec

Michael Rögner, Leiter Smart Factory bei Heitec: „Langfristig wird der Battery Pass nicht nur die Batterieindustrie transformieren, sondern auch als Blaupause für andere Branchen dienen, um digitale Produktpässe zu etablieren und globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.“ (Quelle: Heitec)

Heitec IDX ist eine modulare Middleware, die eine nahtlose Verbindung

Heitec IDX ist eine modulare Middleware, die eine nahtlose Verbindung zwischen ERP-Systemen und Maschinen schafft. Sie ermöglicht eine flexible Produktionsplanung und -steuerung. Erweitert um
das Battery Pass Modul liefert sie alle Daten, die für einen Battery Pass gemäß EU-Verordnung benötigt werden. (Quelle: Heitec)

Heitec befasst sich ebenfalls schon jetzt intensiv mit dem Battery Pass und bietet bereits ein entsprechendes Modul an. Wie unterstützt dies Unternehmen dabei, die genannten Anforderungen umzusetzen? Was sind die zentralen Funktionen? Und wie wird es in die Systemlandschaft integriert?

M. Rögner: Heitec hat mit der Erweiterung seiner IDX Software um das Battery Pass Modul eine zukunftsweisende Lösung entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützt, die Anforderungen der EU-Batterieverordnung effizient und nachhaltig umzusetzen. Unser Modul ermöglicht eine lückenlose Dokumentation des gesamten Lebenszyklus einer Batterie – von der Produktion über die Nutzung bis hin zum Recycling. Das MES-fähige System nutzt leistungsstarke Konnektoren, um Daten aus ERP-Systemen, Feldgeräten und Cloudanwendungen zu erfassen. Es sammelt und verarbeitet Informationen, wie Materialzusammensetzung, CO2-Fußabdruck und Leistungsdaten, und stellt diese in einem standardisierten Format in der Verwaltungsschale bereit. Damit erfüllt das Modul nicht nur die regulatorischen Vorgaben, sondern erleichtert auch die Erstellung des digitalen Batteriepasses als zentralen Nachweis für Transparenz und Nachhaltigkeit.

Die Integration des Battery Pass Moduls erfolgt nahtlos über die Middleware Heitec IDX. Dadurch wird eine flexible Produktionsplanung ermöglicht, ohne dass eine neue Dateninfrastruktur erforderlich ist. Das Modul schafft zudem die Grundlage für die bereits genannten Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use oder zielgerichtetes Recycling, indem es präzise Informationen bereitstellt. Wir positionieren uns so als Partner für nachhaltige und wirtschaftlich attraktive Lösungen.

Ist der Battery Pass eher ein Digital Twin oder ein Datencontainer-Modell – wie positioniert sich Heitec hier technisch und strategisch?

M. Rögner: Heitec positioniert sich beim Battery Pass klar als Anbieter eines Digital Twins. Diese Entscheidung basiert nicht nur auf unserer umfassenden Expertise in diesem Bereich und dem Bewusstsein für die daraus resultierenden Vorteile, sondern auch auf der Überzeugung, dass der digitale Zwilling des Battery Passes ein anwenderfreundliches, visuell ansprechendes Abbild der Batterie darstellt. Mit diesem Ansatz wird der tatsächliche Zustand der Batterie zu jeder Zeit transparent und nachvollziehbar gemacht.

Dies entspricht unserer Philosophie, die Komplexität technischer Systeme auf eine neue, abstrakte, aber zugleich anschauliche Ebene zu übertragen. So schaffen wir eine Lösung, mit der unsere Kunden effizient arbeiten können und die gleichzeitig die Grundlage für innovative digitale Geschäftsmodelle bildet. Der Digital Twin ermöglicht es, die angesprochenen datengetriebenen Services, wie präventive Wartung, Pay-per-Use-Modelle oder zielgerichtetes Recycling, optimal zu unterstützen und damit signifikanten Mehrwert zu generieren.

Rund um Ihre Lösung sind Sie eine Partnerschaft mit Neoception eingegangen. Bitte erläutern Sie auch hierzu Details, Hintergründe und den sich daraus ergebenden Nutzen für Kunden.

M. Rögner: Mit Neoception hat Heitec einen starken Partner gefunden, der über umfassende Expertise im Bereich der dynamischen Verwaltungsschale verfügt. Gemeinsam bieten wir eine Verwaltungsschalen-Lösung an, die auf der Software DTI (Digital Twin Infrastructure) von Neoception basiert. Diese SaaSLösung wird nahtlos auf unserer Cloudplattform, dem Heitec Solution Center, betrieben. Damit kombinieren wir moderne Technologie mit der wachsenden Nachfrage nach datensouveränen Cloudangeboten, die höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards erfüllen.

Die Partnerschaft ermöglicht es uns, Kunden eine vollständig integrierte und skalierbare Lösung anzubieten, die alle relevanten Daten in Echtzeit aktualisiert und bereitstellt.

Gibt es bereits Kunden, die Ihr vollautomatisches Battery-Pass-Modul einsetzen? Anders gefragt: Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen? Bitte zeigen Sie an diesem auch den Integrationsaufwand und Nutzen für Anwender auf.

M. Rögner: Die IDX-Erweiterung basiert auf unserer langjährigen Erfahrung in der IDX-gestützten Batteriefertigung und wird bereits in Gesprächen mit unseren Kunden intensiv diskutiert. Unsere Expertise in der Integration von ERP-Systemen, Maschinensteuerungen und IIoT hat uns zu einem gefragten Partner gemacht, der die spezifischen Anforderungen der Branche versteht und innovative Lösungen bietet. Obwohl der Battery Pass als neues Modul noch nicht produktiv im Einsatz ist, nutzen wir diese Gespräche, um gemeinsam mit unseren Kunden maßgeschneiderte Ansätze zu entwickeln, die sowohl regulatorische Vorgaben erfüllen, aber insbesondere auch neue Geschäftsmodelle, wie Second-Life-Nutzung oder zielgerichtetes Recycling, ermöglichen. So positionieren wir uns als Vorreiter für nachhaltige und zukunftsorientierte Batteriefertigung.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die jetzt starten wollen?

M. Rögner: Unternehmen, die jetzt mit der Umsetzung des digitalen Batteriepasses starten wollen, sollten frühzeitig eine solide Datenbasis schaffen, um die regulatorischen Anforderungen der EU-Batterieverordnung zu erfüllen. Es ist wichtig, bestehende Prozesse und Systeme zu analysieren und zu prüfen, wie diese durch digitale Lösungen ergänzt werden können. Der Fokus sollte auf der Integration von Technologien liegen, die eine lückenlose Nachverfolgbarkeit und Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus der Batterie ermöglichen.

Zudem empfiehlt es sich, auf modulare und skalierbare Lösungen wie Heitec IDX zu setzen, die sich flexibel in bestehende IT- und Produktionslandschaften integrieren lassen. Unternehmen sollten auch die Chancen neuer Geschäftsmodelle, wie Pay-per-Use oder Second-Life-Nutzung, erkennen und diese in ihre strategische Planung einbeziehen. Eine enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern, die über Domänen-Know-how und technologische Expertise verfügen, ist dabei entscheidend, um die Umsetzung effizient und zukunftssicher zu gestalten.

Abschließend: Welche Rolle wird der Battery Pass mittel- bis langfristig bei den Themen Circular Economy und CO2-Footprint sowie weiteren digitalen Produktpässen spielen?

M. Rögner: Der Battery Pass wird mittel- bis langfristig eine zentrale Rolle bei der Förderung der Circular Economy und der Reduzierung des CO2-Footprints spielen. Durch die lückenlose Dokumentation des gesamten Lebenszyklus einer Batterie – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis hin zum Recycling – schafft er Transparenz und ermöglicht eine effiziente Wiederverwendung von Materialien.

Langfristig wird er nicht nur die Batterieindustrie transformieren, sondern auch als Blaupause für andere Branchen dienen, um digitale Produktpässe zu etablieren und globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

SPS: Halle 6, Stand 220

Lesen Sie auch die Meldung zur SPS 2025: 

Heitec zeigt durchgängige Digitalisierungslösungen auf der SPS

Inge Hübner, Michael Rögner
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