Als Vorstand des Ressorts Research and Development verantwortet Prof. T. Smetana seit Mai 2026 alle globalen Innovations- und Technologieentwicklungen bei Festo. (Quelle: Festo)
Seine erste Begegnung mit Festo hatte Tomas Smetana im Alter von 15 Jahren an seiner Schule in Prag, wo er mit Pneumatik-Komponenten des Unternehmens experimentierte. Mehr als drei Jahrzehnte später verantwortet er als F&E-Vorstand unter anderem die Neu- und Weiterentwicklung solcher Komponenten. Was ihn heute beeindruckt, ist die technologische Breite der Festo-Angebotspalette, die von der Pneumatik über Fluidik, Elektrik bis hin zu Software und digitalen Services reicht. „Man liest von Seamless Automation und erlebt dann diese Breite und Tiefe selbst vor Ort“, sagt Prof. T. Smetana. Besonders beeindruckt ist er vom Innovationsgeist: „Die Menschen, die ich hier treffe, schwärmen von Innovation. Und sie gestalten sie jeden Tag.“
Langjährige Expertise überführen
Doch trotz der hohen Innovationskraft bleibt Prof. T. Smetana bodenständig: „Festo ist ein produzierendes Unternehmen und wird es auch in Zukunft sein. Wir transformieren uns nicht in Richtung Google oder Meta. Die klassische Industrieautomation bleibt ein Kern des Unternehmens.“
Allerdings soll der Applikationsradius vergrößert werden. „Wir müssen uns fragen, welche Felder wir jenseits der klassischen diskreten Produktion automatisieren können.“ Er lenkt den Blick auf Life Science, Rechenzentren sowie Batteriepakete bis hin zum Haushalt. Dabei gilt für ihn: „Hardware lässt sich schnell kopieren, nicht jedoch unsere Erfahrung und unser Know-how, die durch KI in unsere Produkte und Prozesse integriert sind.“ KI sieht er in diesem Zusammenhang als wichtigen Erfolgsfaktor. „Mit ihr gelingt es uns, unser über die letzten 60 bis 70 Jahre aufgebautes Fachwissen effizient in innovative Lösungen zu integrieren und parallel neue Felder zu erschließen.“
Wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, verdeutlicht Prof. T. Smetana zunächst an der Fluidtechnik. Hier hat das Unternehmen bereits bewiesen: „Wer seit Jahrzehnten Druckluft präzise dosiert, kann dieses Know-how auch auf Gase und Flüssigkeiten übertragen.“ Als Beispiel nennt er die smarte
Pipette bzw. Dosierungen im Mikro- bis Nanoliterbereich für Life-Science-Anwendungen bis hin zur Krebstherapie. Den Bereich Life Science möchte er weiter ausbauen, unter anderem in Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungsinstituten und ersten Pilotkunden.
Ein zweites Festo-Wachstumsfeld sieht er im Bereich der Kühlung, zum Beispiel von Chips in Rechenzentren oder Batterie-Packages. „In beiden Branchen wandelt sich der Ansatz von einer starren, maximalen Kühlung hin zu einer bedarfsgerechten, intelligenten Kühlung – Smart Cooling“, erklärt er. Auch hier kommen hochpräzise Ventile zum Einsatz, die den Durchfluss stufenlos regeln können. Damit kann jedem Server-Rack oder Batteriemodul immer exakt die benötigte Kühlmittelmenge zugeführt werden. KI kommt dann mit KI-unterstützten digitalen Services Festo AX Controls (Automation Experience) ins Spiel. Über diese KI-Plattform werden Condition Monitoring, vorausschauende Wartung sowie intelligente Energieoptimierung möglich.
Drei Stufen der KI
Auch und gerade bei KI-Anwendungen sieht Prof. T. Smetana erhebliches Wachstumspotenzial. Er ordnet künstliche Intelligenz in drei Ebenen ein: generative, agentis KI und physische.
Generative KI wird bei Festo bereits entlang des Engineering-Prozesses eingesetzt, vom Anforderungsmanagement über Systemarchitekturen und Optimierung bis zur Konstruktion. „KI spart uns hier Entwicklungszeit, erhöht die Qualität und entlastet Menschen von repetitiven Tätigkeiten“, nennt Prof. T. Smetana als Nutzen.
Die zweite Stufe, agentische KI, reicht für ihn weiter. Sie kommt beispielsweise bei der Produktkonfiguration oder Softwareentwicklung ins Spiel. Beispielhaft nennt er eine Anwendung, bei der eine Produktionsanlage über einen Prompt spezifiziert wird: „Der Anwender beschreibt unter anderem Fördertechnik, Bewegungssysteme, Zylinder oder Greifer. Daraus werden System und SPS-Code generiert, anschließend wird die Anlage konstruiert und virtuell in Betrieb genommen, beispielsweise in Nvidia Omniverse.“ Ein von Festo bereits vorgestellter Demonstrator zeigt, wohin die Reise geht. Für eine breite Anwendung ist dieser Ansatz eher noch Zukunft. Vor allem bei stärker standardisierten Anlagen oder beispielsweise Schaltschränken sieht er dafür allerdings großes Potenzial.
„Die Königsdisziplin ist dann die physische KI“, geht er über zu KI-Ebene drei. „Hier greift KI unmittelbar in die reale Prozesssteuerung ein. Die Bewegung, die wir beim Kunden realisieren, wird von der KI beeinflusst.“