Grafik mit sieben Handlungsempfehlungen

Diese sieben Handlungsempfehlungen leitet das Autorenteam aus seinen Untersuchungen ab. (Quelle: Fraunhofer IPA)

Aktuell wird viel über humanoide Roboter mit typischerweise zwei Armen und wahlweise zwei Beinen oder einer mobilen Plattform berichtet. Neue Modelle oder Fähigkeiten und mitunter hohe Investitionen in die Technologie sind regelmäßig in den Medien zu finden. Reale Piloteinsätze von Humanoiden sind jedoch noch rar. Deshalb stellt sich die Frage, was diese Technologie Unternehmen tatsächlich für Mehrwerte bringen kann und was es braucht, um sie in die Praxis zu bringen.

Möglichkeiten und Grenzen Humanoider Roboter

Basierend auf über 100 Rückmeldungen von Fachleuten aus der Industrie gibt eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA Antworten. So wurden als mögliche und sinnvolle Einsatzszenarien von Humanoiden am häufigsten der Materialtransport, das Maschinenbeladen und das Greifen komplexer Gegenstände genannt. Gegenüber bisherigen Lösungen sollten Humanoide insbesondere durch ihre Flexibilität bei der Ausführung verschiedener Aufgaben hervorstechen. Werner Kraus, Leiter des Forschungsbereichs Automatisierung und Robotik und Mitherausgeber der Studie, erklärt: "Genau die Kombination aus möglichen Ortswechseln und flexibler Greiftechnik ist in meinen Augen ›gamechanging‹. Denn hiermit können auch Aufgaben in bestehenden Anlagen, dem Brownfield, mit geringem Integrationsaufwand automatisiert werden."

Die Befragten der Studie sehen die technischen Möglichkeiten von Humanoiden aktuell jedoch noch zurückhaltend. Technologisch gesehen werden Humanoide laut den Umfrageergebnissen vermutlich erst einmal Aufgaben ausführen, bei denen Genauigkeit, Systemstabilität oder Prozessgeschwindigkeit als Roboterfähigkeiten weniger relevant sind. So wurde häufig der Transport von Kisten als mögliche Aufgabe gesehen. Ob Humanoide für die gewünschten Aufgaben zwei Beine haben müssen, bezweifeln allerdings 60 % der Befragten. Sie finden eine radgetriebene Plattform oder gar eine stationäre Anwendung mit einem Zweiarmroboter zweckmäßiger.

Sicherheit und Wirtschaftlichkeit als zentrale Kriterien

Als größte Herausforderung beim Praxiseinsatz wird die funktionale Sicherheit angegeben, die laut dem Fraunhofer IPA aktuell noch weitgehend ungeklärt ist und aufgrund des Roboteraufbaus besondere Anforderungen stellt, beispielsweise hinsichtlich ihrer Stabilität. "Deshalb sehe ich als wahrscheinliche Szenarien für erste Einsätze vorerst keinen Mischbetrieb mit dem Menschen", so W. Kraus.

Eine zu große Erwartungshaltung und Unklarheit über die Wirtschaftlichkeit werden als weitere Hürden genannt, die Unternehmen aktuell sehen. Etwa die Hälfte aller Befragten wäre bereit, für einen Humanoiden bis zu 100.000 € zu zahlen. Simon Schmidt, Geschäftsbereichsleiter am Fraunhofer IPA und Mitautor der Studie, stellt resümierend klar: "Meiner Ansicht nach wird es für einen erfolgreichen Einsatz von Humanoiden nicht nur Use Cases brauchen, die technisch möglich sind, sondern insbesondere auch Business Cases, die betriebswirtschaftlich interessant sind."

Eine große Tendenz zeichnet sich bezüglich der Zeitschiene ab, wann Humanoide schätzungsweise in den Praxiseinsatz kommen könnten. Lediglich 6 % der Befragten sehen sie bereits in den nächsten 2 Jahren in industriellen Anwendungen. Mit 74 % sieht eine große Mehrheit einen möglichen Einsatz in drei bis zehn Jahren als realistisch an.

Sieben Handlungsempfehlungen

Das Autorenteam um Simon Schmidt, Joshua Beck, Lasse Höltge, Alexandra Huber und Ramez Awad erarbeitete die Studie nach eigenen Angaben in vier Etappen. "Zunächst verschaffte sich das Team durch Recherchen einen wissenschaftlichen und technischen Überblick über Humanoide. Es folgten Experteninterviews mit Systemintegratoren und potenziellen Endanwendern zum Stand der Technik, Einsatzmöglichkeiten und künftigen Herausforderungen. Aufbauend auf diesen qualitativen Daten wurden mithilfe einer Umfrage quantitative Daten gesammelt. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unterstützte hier, um möglichst viele Rückmeldungen zu erhalten. Im letzten Schritt wertete das Team die Daten aus und leitete Handlungsempfehlungen ab", wird in einer Meldung berichtet.

Weitere Infos unter: Studien

Fraunhofer IPA (ih)

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